Iranische Autoren fordern Ende der Bücherzensur

RFE/RL, 4. Dezember 2012 – Mehr als 1000 iranische Schriftsteller, Dichter und Übersetzer haben in einem offenen Brief ein Ende der Bücherzensur gefordert.

Der Brief am 2. Dezember auf der Webseite Pendar veröffentlichte Brief fordert die Aufhebung der Regelung, die Autoren dazu verpflichtet, vor einer Veröffentlichung ihrer Werke eine Genehmigung des Kulturministeriums zu beantragen. Eine solche Genehmigung zu erhalten ist nach Angaben von Schriftstellern und Herausgebern zunehmend schwierig, und die in der Islamischen Republik praktizierte Zensur sei in den letzten Jahren strenger geworden.

Unterzeichnet wurde der Brief von einer Gruppe Intellektueller, darunter die bekannte Dichterin Simin Behbahani und der Schriftsteller Mohammad Ghaed.

„Iran ist eines der wenigen Länder, in denen Autoren zu Beginn des 21. Jahrhunderst eine staatliche Erlaubnis beantragen müssen, um ihre Bücher veröffentlichen zu können – und das, obwohl die Erfordernis einer solchen Erlaubnis in der Verfassung nicht erwähnt ist“, schreiben die Verfasser des offenen Briefes. Die verschärfte Zensur in Iran habe dazu geführt, dass immer weniger Bücher veröffentlicht werden. „In der Realität bedeutet diese Methode eine Geiselnahme der Ausdrucksfreiheit, der Kreativität und des Lebensunterhaltes von Schriftstellern durch eine Regierung, die den Autoren ihre Vorstellungen aufzwingen will.“

Die Schriftstellerin und Dichterin Farkhondeh Hajizadeh, eine Mitunterzeichnerin des Briefes, sagte im Gespräch mit Mohammad Zarghami (Korrespondent bei Radio Farda von RFE/RL), die Situation habe dazu geführt, dass Schriftsteller und Herausgeber sich einer Selbstzensur unterwerfen:

Im Moment sind die Verlage in die Rolle der Zensoren geschlüpft, denn wenn ihre Bücher Probleme machen, ist das für sie negativ. Von meinem letzten Buch wurden nur zwei Seiten zur Veröffentlichung freigegeben. Wir alle haben uns in einer Welt, in der nichts mehr geheim bleibt, in Zensoren verwandelt. Wer zensiert, hat kein Verständnis für Bücher. Es muss aber auch gesagt werden, dass einige Zensoren glücklicherweise Schriftsteller geworden sind.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Berichte von verstärktem Druck auf Schriftsteller und unabhängige Verlage, denen regelmäßig vorgeworfen wird, sie seien subversiv und dienten dem „sanften Krieg“, der nach Meinung der iranischen Regierung von feindlichen Kräften geführt wird, um das iranische Establishment zu stürzen.

Die Forderung nach einem Ende der Bücherzensur wird bei den iranischen Behörden, die diese Praxis offen bejahen, vermutlich auf taube Ohren stoßen.

Kulturminister Mohammad Hosseini wurde mit den Worten zitiert, die Zensur von Büchern sei kein Hindernis, sondern eine Notwendigkeit.

Der oberste iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei hat sich gegen Bücher mit „verborgenen politischen Motiven“ ausgesprochen. „Nicht alle Bücher sind notwendigerweise gut, und nicht alle sind unschädlich. Es gibt auch schädliche Bücher“, soll er 2011 gesagt haben. Alle, die in der Bücherindustrie Verantwortung tragen, müssen verhindern, dass „schädliche Bücher“ auf den iranischen Markt gelangen, so Khamenei damals.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

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Eine Antwort zu “Iranische Autoren fordern Ende der Bücherzensur

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