Bruder: Anzeichen für Gedächtnisverlust bei Mohammad Ali Dadkhah

Mohammad Ali Dadkhah

ICHRI, 29. Dezember 2012 – Der bekannte iranische Rechtsanwalt Mohammad Ali Dadkhah hat viele politische Aktivisten vertreten, darunter Ebrahim Yazdi, Hossein Ronaghi Maleki und den christlichen Pastor Yousef Nadarkhani. Der Mitbegründer des Zentrums für den Schutz der Menschenrechte in Iran wurde im Juli 2011 zu 9 Jahren Haft und einem 10jährigen Lehr- und Berufsverbot verurteilt. Das Urteil wurde von einem Berufungsgericht in vollem Umfang bestätigt.

Wie der Bruder des im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftierten Mohammad Ali Dadkhah gegenüber ICHRI mitteilte, wird dieser stark unter Druck gesetzt, damit er sich mit Geständnissen selbst belastet und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestätigt; zudem gebe es Anzeichen für einen Gedächtnisverlust. Seyed Hossein Dadkhah äußerte große Sorge um den Zustand seines Bruders. Die Familie könne sich den Gedächtnisverlust nicht erklären.

„Bei einem Besuch hat er seine Tochter nicht erkannt, und er hat unzusammenhängend geredet. Es ist sehr traurig. Ich habe Mohammad in der Besucherkabine besucht. Ich war überrascht, weil er seine Sätze völlig durcheinander formulierte. Mohammads Sprachstil war immer exzellent, er hat nie Fehler gemacht oder ungeordnet formuliert, er hat nie mitten im Satz Pausen gemacht. Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Er war letzte Woche nicht mehr der Alte“, so Seyed Hossein Dadkhah gegenüber ICHRI.

„Ich weiß nicht, woher das kommt. Vielleicht kann er bei Kabinenbesuchen nicht frei reden. Auf alle meine Fragen antwortete er ‚es ist gut.‘ Ich fragte, ob man ihn misshandeln würde, und er sagte: ‚Nein, alles ist gut.‘ Ich fragte, ob er isst. Er antwortete: ‚Gut.‘ Ich fragte ihn, ob er gut schlafen könne, er sagte: ‚Alles ist gut.'“

Vor seiner Inhaftierung wurde Dadkhah unter Druck gesetzt, damit er im Fernsehen ein Geständnis ablegt. In einem Interview mit ICHRI im Mai 2012 sagte er, die Sicherheitskräfte hätten ihn aufgefordert, vor laufender Fernsehkamera zu erklären, dass das Zentrum für den Schutz der Menschenrechte in Iran für seine Ziele Geld aus dem Ausland erhalten habe.

Dadkhahs Bruder: „Sie sagten ihm, dass sie ihn sofort freilassen würden, wenn er einen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe akzeptiere. Er sagte ihnen, dass er nichts gestehen kann, was er nicht getan hat. Seine Aktivitäten bezogen sich ausschließlich auf den Bereich der Menschenrechte, und er sagte ihnen, dass er das gern gestehen werde, wenn sie das wollen. Sie sagten daraufhin, dass er dort bleiben muss. Wir haben bisher geschwiegen, weil wir nicht riskieren wollten, dass sich seine Situation verschlechtert.“

Vor seiner Inhaftierung, im September 2012, hatte Mohammad Ali Dadkhah gegenüber ICHRI erklärt: „Sie haben gesagt, dass sie mein Urteil durchsetzen werden, wenn ich nicht gestehe. Sie haben immer wieder lange auf mich eingeredet, aber ich bin nicht darauf eingegangen. Jetzt sage ich: Wenn ich eines Tages Dinge sagen werde, dann sind sie nicht glaubwürdig, und ich habe sie dann unter Bedingungen geäußert, in denen ich dazu gezwungen wurde. Ich hoffe, Gott erhält meine Kraft.“

Dadkhahs Bruder sagte gegenüber ICHRI: „Bei dem allwöchentlichen Besuch seiner Tochter letzte Woche sagte er, dass er Probleme mit seinen Zähnen hätte, aber er bat sie, keine medizinische Behandlung für ihn zu beantragen.“

„Ich bin überall gewesen. Ich habe allen gesagt, dass Mohammad das Gefängnis nicht verdient hat. Seine Intelligenz muss außerhalb des Gefängnisses für das Land genutzt werden. Vor etwa zwei Monaten habe ich eine Erlaubnis für ihn beantragt, täglich das Gefängnis zu verlassen und ins enzyklopädische Archiv zu gehen, um sein Buch über „Haft Seen“ [Traditionen zum persischen Neujahrsfest] zu vollenden – also jeden Tag dorthin zur Arbeit gehen und abends ins Gefängnis zurückkehren zu dürfen. Sie haben gesagt, dass die Teheraner Staatsanwaltschaft diese Genehmigung ausstellen muss, aber bisher hat sich die Staatsanwaltschaft noch nicht geäußert. Ich werde in ein paar Tagen wieder hingehen und nachfragen“, so Dadkhahs Bruder.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

3 Antworten zu “Bruder: Anzeichen für Gedächtnisverlust bei Mohammad Ali Dadkhah

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