Reformorientierte iranische Zeitungen protestieren gegen Verhaftung von Journalisten

RFE/RL, 30. Januar 2013 – Mehrere der reformorientierten Zeitungen, die am 27. Januar bei Razzien iranischer Sicherheitskräfte durchsucht wurden, haben öffentlich gegen das repressive Vorgehen und die Verhaftung von Mitarbeitern protestiert.

So prangert die reformorientierte iranische Tageszeitung Shargh in ihrer Ausgabe vom 30. Januar die Verhaftung ihres Mitarbeiters Pouria Alami an. Die Stelle, wo normalerweise Alamis Kolumne erscheint, bleibt in dieser Ausgabe unbedruckt. Der weiße Fleck ist mit dem Hinweis versehen, dass „die Kolumne bis auf weiteres nicht mehr erscheint“.

Shargh

Protest gegen die Verhaftung Pouria Alamis auf der Frontseite der Zeitung Shargh

Alami ist einer von mehr als einem Dutzend Journalisten, die im Verlauf des Wochenendes verhaftet wurden. Die reformorientierte Presse soll [mit der neuen Repressionswelle] vor den für den 14. Juni angesetzten Präsidentschaftswahlen zum Schweigen gebracht werden (mehr darüber hier).

Auch die ebenfalls von den Attacken der Regierung betroffene Tageszeitung Bahar protestiert gegen die Razzien und Verhaftungen.

„Unsere Journalisten verdienen Respekt“, schreibt Bahar. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, die gegen die festgenommenen Journalisten erhobenen Vorwürfe wegen „Spionage und Verbindungen zu ausländischen Nachrichtenmedien“ zu kommentieren, doch sei unklar, wie 14 Journalisten ohne diesbezüglichen Hintergrund plötzlich unter derartigen Vorwürfen verhaftet werden konnten.

Bei den Festgenommenen handle es sich um bekannte Journalisten, die sich dafür entschieden hätten, in Iran zu bleiben, so Bahar weiter. Die Zeitungen, für die sie arbeiten, würden in Iran seit Jahren legal veröffentlicht. Sie seien sich vollkommen im Klaren über die roten Linien, die in der Islamischen Republik nicht überschritten werden dürfen. „Es scheint unwahrscheinlich, dass [diese Journalisten] auch nur annähernd mit den Vorwürfen in Verbindung gebracht werden können“.

Journalisten, die bereit sind, in Iran unter so schwierigen Bedingungen und unter Einhaltung des gesetzlichen Rahmens zu arbeiten, verdienten Respekt, so Bahar.

Auch auf Facebook wird gegen die Verhaftungen protestiert. Viele Iraner veröffentlichen auf ihren Seiten Fotos der verhafteten Journalisten.

In den letzten Jahren, vor allem aber nach der brutalen Niederschlagung der Proteste gegen den umstrittenen Ausgang der letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2009, sind Dutzende Journalisten und Blogger inhaftiert oder zum Verlassen des Landes gezwungen worden.

In der Islamischen Republik Iran gehört der Beruf des Journalisten zu den gefährlichsten und schwierigsten, was durch die aktuelle Repression der Presse erneut verdeutlicht wird.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

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