„Reporter ohne Grenzen“ nominiert Shiva Nazar Ahari für Netizen-Preis

CHRR, 2. März 2013 –  [Informationen zur Abstimmung am Ende des Artikels] – Shiva Nazar Ahari, inhaftiertes Mitglied des „Committee of Human Rights Reporters“ ist von [der internationalen Presserechtsorganisation] „Reporter ohne Grenzen“ als „Netizen des Jahres 2013“ nominiert worden. Die Auszeichnung wird seit 2008 alljährlich am 12. März aus Anlass des Welttages gegen Internetzensur an Journalisten, Blogger und andere Netzaktivisten für besondere Verdienste für die Förderung der Ausdrucksfreiheit im Internet verliehen. Shiva Nazar Ahari ist eine von 9 Netizens aus der ganzen Welt, die in diesem Jahr nominiert wurden.

Shiva Nazar Ahari ist Menschenrehctsaktivistin, Bloggerin, Journalistin, Frauenrechtlerin sowie Mitglied des Committee of Human Rights Reporters, der Kampagne „1 Million Unterschriften“, der Kampagne für das Recht auf Bildung und der Gesellschaft zum Schutz von Straßenkindern und arbeitenden Kindern.

Shiva wurde am 10. Juni 1984 geboren. An der Freien Islamischen Universität schloss sie ein Studium des Bauingenieurwesens ab. Als engagierte Verfechterin der Rechte von Frauen und arbeitenden Kindern wurde ihr die Zulassung zum Master-Studium verwehrt, nachdem sie wegen ihrer Menschenrechtsaktivitäten mit einem „Stern“ [als unliebsame Studentin] versehen worden war.

Shiva ist im Zusammenhang mit ihrem Einsatz für Menschenrechte und Online-Berichterstattung mehrfach verhaftet worden. Zum ersten Mal wurde sie im Alter von 18 Jahren am 11. September 2002 verhaftet, nachdem sie wie viele andere auf dem Campus der Teheran-Universität Kerzen für die Opfer des Angriffs vom 11. September angezündet hatte. Bevor sie gegen Kaution wieder freigelassen wurde, verbrachte sie 40 Tage Einzelhaft in Trakt 240 des Evin-Gefängnisses.

Am 17. August 2004 wurde Shiva während eines friedlichen Protests vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in Teheran erneut verhaftet. Die Protestteilnehmer verteilten Flugblätter, um auf die Situation der politischen Gefangenen aufmerksam zu machen. Nach 20 Tagen Gewahrsam in Trakt 209, der dem iranischen Geheimdienst unterstellt ist, wurde sie gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Später wurde sie zu 1 Jahr Haft verurteilt.

Seit Jahren engagiert sich Shiva, der die Situation von Minderheiten besonders am Herzen liegt, für die Rechte von Kindern. Sie kämpfte für die Rechte von Kinderarbeitern und Immigrantenkindern – hauptsächlich aus Afghanistan – die misshandelt und vergessen wurden. Mit ihrem Einsatz schafften es Shiva und ihre Freunde, trotz der feindseligen Umgebung und der Schließung ihrer Gesellschaft zum Schutz von Straßenkindern und Kinderarbeitern durch den iranischen Sicherheitsapparat, die Arbeit dieser Gesellschaft fortzuführen.

Am 14. Juni 2009, wenige Tage nach Bekanntwerden der umstrittenen Ergebnisse der Präsidentschaftswahl, wurde Shiva erneut verhaftet. Sie verbrachte 36 Tage in Trakt 209 von Evin in Einzelhaft, bevor sie in die allgemeine Abteilung verlegt wurde. Am 24. September wurde sie gegen Kaution freigelassen. Während ihrer Haft freundete sie sich mit Atefeh Nabavi an, einer studentischen Aktivistin, die an den Protesten nach der Wahl teilgenommen hatte. Nach ihrer Freilassung organisierte Shiva eine Kampagne für die Freilassung ihrer Freundin – ungeachtet der Risiken, die dies für sie selbst bedeutete.

Im Dezember 2009 wurde Shiva auf dem Weg zur Beerdigung des kurz zuvor verstorbenen regimekritischen Geistlichen Ayatollah Montazeri in einem Bus verhaftet, in dem sie mit weiteren Aktivisten unterwegs war. Außer ihr wurden u. a. Kouhyar Goudarzi, Mahboubeh Abbasgholizadeh und Saeed Haeri verhaftet. Shiva trat umgehend in einen trockenen Hungerstreik, um gegen die Festnahme zu protestieren. Als ihr Gesundheitszustand sich verschlechterte, kam sie auf die Krankenstation des Evin-Gefängnisses. Sie verbrachte 2 Monate in Einzelhaft und wurde im September 2010 nach 9 Monaten Haft gegen Kaution freigelassen.

Später wurde sie wegen „Moharebeh“ (Feindschaft gegen Gott), „regimefeindlicher Propaganda“ und „illegaler Versammlungen mit dem Ziel der Störung der nationalen Sicherheit“ zu 4 Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt. Am 8. September 2012 trat Shiva ihre Haftstrafe im Evin-Gefängnis an.

Trotz wiederholter Verhaftungen und unaufhörlicher Schikanen gab Shiva ihren entschlossenen Einsatz für Menschenrechte und ihre Überzeugung, dass niemand auf Grund seines Geschlechts, seiner ethnischen oder sozialen Herkunft oder seiner Religion diskriminiert werden darf, nie auf. Sie ist Gründungsmitglied der 2005 ins Leben gerufenen Organisation „Committee of Human Rights Reporters“ und wurde später deren Sprecherin. Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, sich unter Orientierung an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für eine Verbesserung der Menschenrechtssituation in Iran einzusetzen. Ihre Mittel sind Online-Berichterstattung und Information der Öffentlichkeit über Menschenrechtsverletzungen; hinter allem steht ihreForderung nach einer Einhaltung der Menschenrechte in allen Aspekten des täglichen Lebens.

Derzeit leisten drei CHRR-Mitglieder – Shiva Nazar Ahari, Saeed Jalalifar und das ehemalige Mitglied Navid Khanjani – Haftstrafen ab. Der frühere Vorsitzende der Gruppe, der zwei Mal inhaftierte Kouhyar Goudarzi, wurde zu 5 Jahren Haft im Exil verurteilt.

In einem Brief an eine/n Mitgefangene/n schrieb Shiva, die im Kampf um Gerechtigkeit in einem demokratischen Iran stets an vorderster Linie stand, einmal: „Wenn dein Herz voller Inbrunst für die Rechte eines Mitmenschen schlägt, gerätst du ins Wanken; das ist der Punkt, an dem die Verhöre beginnen. Wenn dein Herz für einen anderen Gefangenen, eine Frau oder ein arbeitendes Kind schlägt – dann wirst du zum Angeklagten. Indem du Vertrauen in die Menschen findest und an Menschlichkeit, nichts als Menschlichkeit zu glauben beginnst, hast du dein erstes Verbrechen begangen.“

Am 11. März 2011 wurde Shiva Nazar Ahari für ihre „mutige Online-Berichterstattung über Menschenrechtsverstöße“ mit dem Theodor Haecker-Preis ausgezeichnet. Der Preis ist nach dem Philosophen, Schriftsteller, Kulturkritiker und Nazigegner Theodor Haecker benannt.

Die heute 28jährige Shiva verbüßt eine fünfjährige Haftstrafe, zu der sie wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte, Online-Journalismus, die Rechte von Frauen, Unterprivilegierten, Minderheiten und Kindern verurteilt wurde.

Sie ist für den diesjährigen Netizen-Award nominiert, der in diesem Jahr erstmals von der Internetöffentlichkeit verliehen werden wird. Nutzer können bis zum 5. März auf dem YouTube-Kanal von RSF ihre Stimme abgeben. Die Bekanntgabe des Gewinners erfolgt am 7. März.

Um Ihre Stimme für Shiva abzugeben, gehen Sie bitte auf den YouTube-Kanal von „Reporter ohne Grenzen“. Wählen sie links das Video über Shiva Nazar Ahari aus und klicken Sie auf „Vote“.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Committee of Human Rights Reporters

2 Antworten zu “„Reporter ohne Grenzen“ nominiert Shiva Nazar Ahari für Netizen-Preis

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