Untersuchungen zu Haleh Sahabis Tod beendet

ICHRI, 28. März 2013 – Haleh Sahabi, Mitglied der Gruppe „Mütter für den Frieden“, war bei der Beerdigung ihres Vaters am 1. Juni 2011 gestorben, nachdem sie bei Übergriffen der Sicherheitskräfte einen Schlag abbekommen hatte.

Zwei Jahre nach Sahabis Tod hat ein Teheraner Gericht nun mitgeteilt, sie sei eines „natürlichen Todes“ gestorben, und die Untersuchungen eingestellt. In einem Interview mit Rooz Online sagte Sahabis Ehemann Taghi Shamekhi, das Gericht habe sich geweigert, Filmaufnahmen und Fotos über den Zwischenfall in Augenschein zu nehmen, obwohl vier Augenzeugen vor Gericht bezeugt hatten, dass Sahabi kurz vor ihrem Tod von einer Person geschlagen worden sei.

Die Familie habe sich schriftlich an den Justizchef gewandt und eine Überprüfung der am Ort des Vorfalls gemachten Video- und Fotoaufnahmen erbeten, habe aber bislang keine Antwort erhalten, so Shamekhi. Die Familie plane trotz des Abschlusses der Untersuchungen, eine weitere Beschwerde einzureichen und zu fordern, dass die Person, die den Schlag gegen Sahabi ausgeführt hat, vor Gericht gestellt und eine juristische Untersuchung eingeleitet wird. „Wir hoffen, dass unsere Hartnäckigkeit sich eines Tages auszahlen wird und dass die wahre (Todes)Ursache enthüllt wird.“

Haleh Sahabi ist die Tochter des Autors und Gründungsmitglieds der Nationalreligiösen Koalition, Ezatollah Sahabi. Sie war im August 2009 bei einer Versammlung in Teheran von Zivilagenten festgenommen worden. Abteilung 26 des Revolutionsgerichts verurteilte sie später wegen „regimefeindlicher Propaganda mittels wiederholter Teilnahme an illegalen Versammlungen sowie Störung der öffentlichen Ordnung“ zu 2 Jahren Haft und einer Geldstrafe, die anstelle von Peitschenhieben verhängt wurde.

Sahabi war am 1. Juni 2011 anlässlich der Beerdigung ihres Vaters Hafturlaub gewährt worden. Bei der Beerdigung wurde sie nach Berichten von Augenzeugenberichten, die unmittelbar nach ihrem Tod mit ICHRI sprachen, von Sicherheitskräften angegriffen. Sie starb in einer Klinik in Lavasan.

„Ein Rechtsanwalt, der uns vertritt, hat eine Untersuchung von Halehs Tod beantragt“, so Haleh Sahabis Bruder Hamed Sahabi nach dem Tod seiner Schwester.  „Wir haben eine Untersuchung beantragt, damit der Schuldige, der das, was bei der Beerdigung unseres Vaters passierte, geplant hat, identidfiziert wird. Wir haben ausgesagt, dass Halehs Tod keine natürliche Ursache hat, sondern durch die Ereignisse jenes Tages herbeigeführt wurde, und das Gericht hat uns aufgefordert, Zeugen beizubringen. Also haben wir uns mit vier Zeugen besprochen und sie dem Gericht vorgestellt.“

„Wenn es die Absicht des Gerichts ist, Licht in diesen Fall zu bringen, muss es die Sicherheitskräfte oder die Organisation, die die Beerdigung an jenem Tag filmte, um Aushändigung der Aufnahmen bitten. … Wir sind sicher, dass es Aufnahmen von der Beerdigung gibt, die aus verschiedenen Perspektiven gemacht wurden und die vor Gericht als Beweise genutzt werden können. … Es war sonst niemandem möglich, die Ereignisse zu filmen. Jeder, der mit einem Handy Aufnahmen machte, wurde sofort verhaftet, oder das Handy wurde beschlagnahmt. Niemand außer der Polizei, die die Beerdigung ganz offen filmte, hatte diese Möglichkeit“, so Hamed Sahabi gegenüber ICHRI.

Taghi Shamekhi zufolge schloss das Gericht zwei Jahre nach Haleh Sahabis Tod den Fall ab, ohne auch nur einen Blick auf die Fotos und Aufnahmen jenes Tages zu werfen.

„Wir sind den juristischen Weg gegangen. Unser Anwalt hat dem Gericht mitgeteilt, dass wir glauben, dass Frau Sahabi durch den ihr versetzten Schlag starb und dass wir Zeugen dafür haben. Er hat dem Gericht mitgeteilt, dass es Zugang zu den Filmen und Fotos jenes Tages hat, deren Untersuchung viele Dinge klarstellen würde. Er hat das Gericht um Untersuchung und ein juristisches Verfahren gebeten. Während der Untersuchungen forderte [das Gericht] vier Zeugen, die wir auch vorstellten. Sie kamen ins Gericht. Zwei von ihnen sagten direkt, dass sie die Person gesehen hätten, die den Schlag ausgeführt und sich dann in der Menge versteckt habe. Die anderen beiden sagten aus, dass sie die Person, die den Schlag ausgeführt hat, nicht gesehen hätten, sie hätten jedoch den Schlag gesehen und dass Frau Sahabi nach dem Schlag zu Boden ging“, so Taghi Shamekhi gegenüber Rooz Online.

Einer der Zeugen ist Ahmad Montazeri, Enkel des verstorbenen Ayatollah Montazeri. In seiner Zeugenaussage berichtete er, gesehen zu haben, wie der Schlag Haleh Sahabis Oberkörper traf, woraufhin ihr Herz aussetzte.

„Nachdem unsere Zeugen ihre Aussagen gemacht hatten, fällte das Gericht sein endgültiges und nicht revidierbares Urteil mit der Erklärung, es gebe keine Verbindung zwischen der Todesursache und dem Zwischenfall. Selbst wenn Frau Sahabi geschlagen wurde und die Zeugenaussagen zutreffen, kann kein Kausalzusammenhang festgestellt werden, weshalb kein direkter Zusammenhang besteht. Das Gericht sehe keinen Grund, die Fotos und Kameraaufnahmen vom Ort des Geschehens einzusehen. Der Tod sei natürlich gewesen, und der Fall sei abgeschlossen“, so Shamekhi gegenüber Rooz.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

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