Sattar Beheshtis Mutter fordert Exhumierung und Autopsie der Leiche ihres Sohnes

sattar-beheshti-gohar-eshghi-sahamnews2Saham News, 11. Juli 2013 – In einem Interview mit Saham News hat Sattar Beheshtis Mutter Gohar Eshghi auf die Veröffentlichung des Berichtes der Gerichtsmedizin reagiert. In dem Bericht war als Ursache für den Tod ihres Sohnes „psychologischer Druck“ festgestellt und erklärt worden, der Tod stehe nicht in ursächlichem Zusammenhang mit „von den Verhörbeamten zugefügten Schlägen“. Gohar Eshghi fordert nun vom Gericht und hochrangigen Justizbeamten die Exhumierung und unabhängige Autopsie des Leichnams unter Aufsicht von Ärzten ihres Vertrauens und Ärzten der Vereinten Nationen.

Mehrere Monate, nachdem Sattar Beheshti im Gefängnis starb, hatte der Leitende Gerichtsmediziner Dr. Ahmad Shojaei erklärt, die fachgerechte forensische Untersuchung habe zwei mögliche Todesursachen ergeben – psychologischen Druck sowie physische Traumata infolge der Beheshti zugefügten Schläge. Nach weiteren Untersuchungen dieser beiden Möglichkeiten teilte die Gerichtsmedizin nun mit, dass die Schläge, die Sattar Beheshti zugefügt wurden, nicht tödlich gewesen seien und somit als Todesursache ausgeschlossen werden könnten.

Ferner erklärte der Leitende Gerichtsmediziner, Beheshti habe keine Schläge auf empfindliche Körperteile erhalten; toxikologische Untersuchungen hätten erwiesen, dass keine Anomalien vorlägen, die einen „unnatürlichen“ Tod nahelegten.

Gegenüber Saham News kommentierte Sattar Beheshtis Mutter die Äußerungen. „Im Moment haben wir keine Informationen über den Stand des Gerichtsverfahrens zu Sattars Fall. Weder wir noch sein Anwalt konnten die Akten einsehen, und wenn wir uns nach dem Stand der Dinge erkundigten, bekamen wir keine Antworten.“

Auf die Frage, ob der Fall normal vorangehe, antwortet Gohar Eshghi: „Vor den Gedenkfeiern zum 40. Tag nach Sattars Tod wurden wir vom Untersuchungsrichter vorgeladen. Außer mir, meiner Tochter und Sattars Anwalt waren vier weitere Männer in dem Raum anwesend. Er sagte, dass dreien dieser Männer Pflichtversäumnisse vorgeworfen würden und dass einer – Sattars Chefverhörbeamter – Hauptverdächtiger sei. Das war derselbe Mann, von dem ich immer erzähle – der, der in einem rosafarbenen Hemd zu uns nach Hause kam und Sattar verhaftete.

Der war nun also offenbar Sattars Chefverhörbeamter. Ich habe ihm nur zwei Fragen gestellt: „Was hat Sattar getan, als er gefoltert wurde? Was hat er Ihnen unter Folter erzählt?“

Er antwortete: „Wenn ich Sattar schlug, lachter er. Ich wurde sehr wütend und schlug ihn so lange, bis er starb.“

Wenn ein Angeklagter vor dem Untersuchungsrichter so eine Aussage macht – was muss der Untersuchungsrichter dann noch untersuchen? Versucht er, den Angeklagten zu entlasten? Oder will er Zeit gewinnen?“

Die Staatsanwaltschaft sei in Sattars Fall nachlässig, so der Vorwurf Gohar Eshghis. „Sie verweigern uns jede Auskunft. Vorher kamen sie ständig bei uns an. Aber jetzt haben sie entweder selbst beschlossen, sich anders zu verhalten, oder es ist ihnen befohlen worden.“

Die diversen Erklärungen der Staatsanwaltschaft, der Gerichtsmedizin und der Parlamentarischen Kommission zu den Vorgängen während Sattars Inhaftierung kommentiert Gohar Eshghi mit den Worten: „Ich bin bestürzt und traurig, dass ein Angeklagter vor mir und Sattars Anwalt gestehen kann, extreme Folter begangen und Sattar getötet zu haben, ohne dass der Generalstaatsanwalt in seiner Funktion als Hüter des Gesetzes dieses anwendet und stattdessen die Gesetzlosigkeit fördert.

Ich als Sattars Mutter möchte, dass diese widersprüchlichen Aktionen aufhören und bitte deshalb das Gericht und die Gerichtsbeamten, die Leiche meines Sohnes zu exhumieren und eine Autopsie unter Aufsicht von Ärzten meines Vertrauens und der Vereinten Nationen durchzuführen.“

Sie sei enttäuscht vom Verlauf des Falles und befürchte, dass er ein ähnliches Ende nehmen könnte wie der Fall um die Folter- und Todesfälle von Kahrizak, so Gohar Eshghi. „Wenn ich sehe, was im Kahrizak-Fall herausgekommen ist, wo der [ehemalige] Teheraner Staatsanwalt zu 200.000 Toman (ca. 60 Dollar) Geldstrafe verurteilt wurde, bin ich sehr besorgt.“

An die Adresse des zuständigen Staatsanwalts sagt Gohar Eshghi: „Der Stuhl, auf dem Sie sitzen, wird nicht ewig Ihnen gehören, wie auch Herr Mortazavi nicht ewig auf seinem Stuhl saß. Ich als Mutter gebe Ihnen einen Rat: Opfern Sie Ihr Leben im Jenseits nicht für die irdischen Interessen anderer. Wenn ich in diesem Leben auch unter Druck gesetzt und bedroht werde und Unrecht erfahre – seien Sie sicher, dass ich Gerechtigkeit suchen werde, wenn ich vor Gott trete.“

Sie habe keinen Account bei Facebook, so Sattar Beheshtis Mutter weiter. „Viele Leute haben mit unterschiedlichen Methoden versucht, uns nahe zu kommen, und natürlich sind auch einige darunter, die unsere Aktivitäten überwachen wollen. Wir haben nichts zu verbergen. Ich habe es schon früher gesagt, und ich sage es noch einmal: Sie haben meinen Sattar vier Tage lang gefoltert und getötet. Wir haben keine Angst, das immer wieder zu wiederholen. Der Einzige, der Angst haben muss, ist der Folterer, der geschützt wird. Er hat uns, das Volk und das System betrogen.“

„Wir haben gehört, dass eine Facebook-Seite in unserem Namen eröffnet wurde, die behauptet, mit uns in Verbindung zu stehen. Ich erkläre klipp und klar, dass das nicht stimmt. Wir haben keinerlei Verbindung zu dieser Seite.“

„Wir hörten, dass einige Leute Spenden sammeln, angeblich um Sattars Familie zu helfen. Wir erklären mit Nachdruck, dass wir keinerlei Hilfe erbeten haben und auch keinerlei Hilfe erhalten haben.“

Abschließend sagt Gohar Eshghi: „Wenn die Herren behaupten, dass Sattar nicht an der Folter gestorben ist, dann sollten sie unserer Bitte nach Exhumierung nachkommen. Wenn Sattar nicht an der Folter starb, warum war sein Leichentuch dann blutig? Warum war sein Gesicht voller Blutergüsse? Warum haben sie uns seinen Leichnam nicht überlassen? Warum üben sie so viel Druck auf uns aus? Warum haben sie uns derart bedroht? Warum haben sie mich gezwungen, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben? Ich wünschte, sie hätten Sattars Fall vor einem Gericht behandelt, bevor sie mein Einverständnis  wollten.“

Der Blogger und Arbeiter Sattar Beheshti aus Robat Karim war wegen seiner regimekritischen Blogeinträge am 30. Oktober 2012 von der Cyber-Polizei verhaftet und zunächst ins Teheraner Evin-Gefängnis gebracht worden. Vier Tage später wurde er in einer Polizeistation inhaftiert, wo er starb.

Vor seiner Beisetzung hatten Angehörige Sattar Beheshtis Verletzungen und Blutergüsse an der Leiche bemerkt. In ersten Stellungnahmen zu dem Fall hatte Justizsprecher Mohseni Ejei diese bestätigt; später wurde Herzversagen als Todesursache genannt.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Englische Übersetzung: Persian Banoo
Persisch: SahamNews

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2 Antworten zu “Sattar Beheshtis Mutter fordert Exhumierung und Autopsie der Leiche ihres Sohnes

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