Archiv der Kategorie: Geschichte und Hintergründe

Alltag im Iran zwei Jahre nach den Protesten von 2009

(Archivfoto)

Von Jörg-Christian Schillmöller

DRadio, 12. Juni 2011– Es gibt den offiziellen Iran – den der offiziösen Statements, den der Politiker und Geschäftsleute. Und es gibt den inoffiziellen Iran – den Iran der Taxifahrer und ihrer Kunden. Sie haben Angst zu reden, weil sie nicht sagen dürfen, was sie denken, aber sie tun es trotzdem.

„Die Menschen hier sind sehr damit beschäftigt, für ihr Auskommen zu sorgen. Sie haben Angst, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Denn wer sorgt für ihre Familie, wenn sie im Gefängnis sitzen? Ich habe damals nach der Wahl auch viele SMS bekommen, also dass ich an dieser oder jener Kundgebung teilnehmen soll, und ich habe gesagt: Ich kann nicht, wirklich. Denn wenn ich jetzt verhaftet werde und mir was zustößt: Wer sorgt dann für meinen Lebensunterhalt?“

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Ahmadinejad stellt sich gegen geplante Erhöhung des Blutgeldes

Mahmoud Ahmadinejad

Zamaaneh, 31. Mai 2011 – Mahmoud Ahmadinejad hat seinen Justizminister angewiesen, die von der Justiz geplante Erhöhung des Blutgeldes um 100 Prozent nicht umzusetzen. Berichten der Nachrichtenagentur ILNA zufolge hat die Justiz den 6. Juni als Frist für die Umsetzung der Maßnahme anvisiert.

Die Zahlung von Blutgeld, persisch „Diyeh“, ist Bestandteil des islamischen Strafcodes und wird einem Angreifer auferlegt, der sein Opfer tötet oder verstümmelt. Weiterlesen

Interview mit einem Basiji: „Ich habe die Hure Hashemi beschimpft…“

Rooz, 28. April 2011 – Auf einem Video, das diesen Monat in Iran weite Kreise zog, ist zu sehen, wie der Basiji Saeed Tajik Hashemi Rafsanjanis Angehörige beleidigt, insbesondere dessen Tochter Faezeh, die er als Hure beschimpft. Die Reaktionen auf das Video waren heftig – viele verurteilten die Beleidigungen, und der Generalstaatsanwalt teilte schließlich sogar mit, er habe Tajik verhaften lassen.

Dies entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Im Gespräch mit Rooz dementierte Tajik – der nach Angaben des Generalstaatsanwalts wegen seiner verbalen Ausfälle gegen Faezeh Hashemi in seinem Büro verhaftet wurde (er leitet die Basij-Einheiten der Teheraner Ölraffinerie) – seine Verhaftung. „Ich habe dem Generalstaatsanwalt gesagt, dass wir jetzt seit 20 Monaten Unruhen erleben. Sie wissen, dass diese Hure jedes Mal, wenn sie verhaftet wurde, sagte,  dass sie [nur] ein Sandwich gegessen hat. Was ist das für ein Sandwich? Sie haben alle roten Linien überschritten. Sie haben Gott, den Propheten, den Imam, unseren Imam (Ayatollah Khomeini) beleidigt. Keiner von Ihnen hat sich bewegt oder irgendwas unternommen. Die meisten Offiziellen, vor allem die in den religiösen Seminaren, haben sich aufs Schweigen verlegt. Wer steht höher – Rafsanjani oder der Verborgene Imam? Rafsanjani oder der oberste Führer? Sie haben all unsere heiligen Werte beleidigt. Aber als ich diese Hure ein Miststück [„an ass“] nannte, fühlten sich alle auf den Schlips getreten“, so Tajik. Weiterlesen

Iranischer Schriftsteller mit Menschenrechtspreis ausgezeichnet

Houshang Asadi

Rooz, 28. April 2011 – Houshang Asadi wird für seine bemerkenswerten Memoiren „Briefe an meinen Folterer“ mit dem Internationalen Menschenrechtspreis 2011 ausgezeichnet. Das Buch wurde bei Oneworld Publications veröffentlicht.

Der Preis
Der Menschenrechtspreis wurde in Wien von der österreichischen Bücher- und Medienindustrie in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Kunst und Kultur ins Leben gerufen. Mit dem Preis werden Journalisten und Schriftsteller geehrt, die sich der Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen verschrieben haben. Der Preis wird für das Buch verliehen, das dieses Ziel nach Auffassung der Jury am eindrücklichsten verwirklicht. Weiterlesen

Irans Bevölkerung auf über 75 Millionen angewachsen

Zamaaneh, 30. März 2011 -Nach Angaben der iranischen Volkszählungsbehörde leben in Iran mittlerweile mehr als 75 Millionen Menschen.  Nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA hat die Bevölkerungszahl am 21. März, dem letzten Tag des alten iranischen Kalenderjahres, die 75-Millionen-Marke um 50.000 überschritten. Letztes Jahr um diese Zeit waren es 74 Millionen gewesen. Weiterlesen