Archiv der Kategorie: Freedom Messenger/Ghasedane Azadi

Angriffe auf Banken und Zusammenstöße in Lar

Veröffentlicht auf Persian2English am 2. Februar 2010
Quelle (Persisch): Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Tour Irani, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5610
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
(Anmerkung d. Übers.: Dieser Artikel beruht zum Zeitpunkt der Übersetzung auf einer einzigen und inoffiziellen persischen Quelle. Ich bitte, den Inhalt des Artikels entsprechend als „unbestätigt“ einzustufen)


Aktueller Bericht aus der Stadt Lar (in der Provinz Fars): Aufgebrachte Menschen in Lar greifen Banken, Polizeistationen und Anti-Aufruhr-Polizei an.

In der Stadt Lar ist es heute zu Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und Anti-Aufruhr-Polizei gekommen. Die Menschen attackierten die Banken Melli und Mellat sowie eine Polizeistation. Grund für die Zusammenstöße war Unzufriedenheit mit der Entscheidung, ein nahegelegenes Dorf zu einer Provinz zu machen.

Einige Fensterscheiben gingen zu Bruch, und es gab Verhaftungen und Verletzte. Anti-Aufruhr-Einheiten setzten Tränengas ein und gaben Schüsse ab, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Die Menschen gingen ihrerseits auf die Polizisten lost. Mehrere Menschen wurden verletzt und in das Imam-Reza-Krankenhaus, das einzige Krankenhaus der Stadt, gebracht.

Es gab viele Verhaftungen, aber nur 16 wurden bisher nach Shiraz gebracht. Gestern und heute wurden 120 Personen verhaftet, 10 von ihnen sind inzwischen wieder frei. Es besteht ein Reiseverbot, und die Anti-Aufruhr-Polizei ist noch immer in den Straßen präsent. [Die Stadtverwaltung] hat zugesagt, dass heute um 15 Uhr eine Gruppe aus Teheran anreisen und die Beschwerden der Menschen untersuchen werde. Die Menschen halten dies jedoch für eine Lüge.

Berichten zufolge werden zur Zeit Streiks geplant, in deren Folge die Geschäfte in der Stadt so lange schließen werden, bis die Menschen zu ihrem Recht kommen.

Shirin Alam Hooli: Ein Brief aus der Todeszelle

Veröffentlicht auf Persian2English am 1. Februar 2010
Quelle (Persisch): Committee of Human Rights Reporters
Referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Sayeh Hassan
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5548
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben


Kürzlich ist die politische Gefangene Shirin Alam Hooli in Iran zum Tode verurteilt worden, weil sie angeblich Mitglied der kurdischen oppositionellen Organisation PJAK ist. Es folgt die Übersetzung eines Briefes, den sie am 18. Januar 2010 aus dem Gefängnis schrieb. In dem Brief beschreibt sie die Folter und die Verhöre, die sie vor ihrem Todesurteil erdulden musste.

Der Brief
Ich wurde im April 2007 [s. dazu Leserkommentar unten, d. Übers.] von mehreren uniformierten und nichtuniformierten Sicherheitskräften in Teheran verhaftet. Ich wurde direkt in die Haftanstalt der Sepah gebracht, wo ich 25 Tage lang festgehalten wurde. In dem Moment, in dem ich die Haftanstalt betrat, fingen sie an, mich zu schlagen, ohne mir Fragen zu stellen oder irgendwelche Antworten abzuwarten.

Ich trat für 22 Tage in einen Hungerstreik. Während dieser Zeit wurde ich sowohl körperlich als auch psychologisch gefoltert.

All meine Befrager waren Männer. Ich wurde auf ein Bett gefesselt. Sie schlugen mich mit elektrischen Schlagstöcken und Kabeln, und boxten und traten mich so lange, bis ich das Bewusstsein verlor. Damals habe ich noch nicht gut Persisch verstanden und gesprochen. Wenn ich ihre Fragen nicht beantworten konnte, schlugen sie mich weiter, bis ich bewusstlos wurde.

Wenn es Zeit zum Gebet war, gingen sie beten. Während dieser Zeiten sollte ich nachdenken, damit ich die Fragen beantworten konnte. Wenn sie zurückkamen, schlugen sie mich weiter, bis ich bewusstlos wurde. Dann übergossen sie mich mit kaltem Wasser.

Als sie merkten, dass sie mich nicht dazu bringen konnten, meinen Hungerstreik zu brechen, versuchten sie, mich künstlich zu ernähren. Ich widersetzte mich und riss mir die Schläuche aus der Nase. Das tat sehr weh, und es blutete. Jetzt, zwei Jahre später, leide ich noch immer an diesen Schmerzen.

Einmal traten sie mich während des Verhörs so heftig in den Unterleib, dass ich schwere innere Blutungen bekam. Ein anderes Mal fing der Befrager (der einzige, den ich jemals zu Gesicht bekam, da mir in allen anderen Fällen immer die Augen verbunden waren) an, mir unwichtige Fragen zu stellen. Als ich mich weigerte, ihm zu antworten, ohrfeigte er mich, zog eine Waffe und hielt sie mir an den Kopf. Er sagte: „Beantworte die Fragen. Ich weiß, dass du ein PJAK-Mitglied bist, du bist eine Terroristin. Hör auf mich, Mädchen, es spielt keine Rolle, ob du redest oder nicht. Wir sind so oder so froh, ein PJAK-Mitglied in die Finger bekommen zu haben.“

Einmal kam ein Arzt, um sich meine Wunden anzusehen. Ich war in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen. Der Arzt bat darum, mich ins Krankenhaus verlegen zu lassen. Der Befrager wollte wissen: „Warum muss sie ins Krankenhaus? Kann sie nicht hier behandelt werden?“ Der Arzt antwortete: „Es geht nicht darum, sie zu behandeln. Im Krankenhaus kann ich etwas mit ihr machen, damit sie redet.“

Am nächsten Tag wurde ich mit verbundenen Augen und in Handschellen ins Krankenhaus gebracht. Der Arzt gab mir eine Spritze [? „gave me a needle“], und ich verlor jede Kontrolle. Ich muss wohl angefangen haben zu reden und all ihre Fragen genau so beantwortet haben, wie sie es wollten. Sie nahmen alles auf Video auf. Als ich wieder zu mir kam, fragte ich sie, wo ich sei, und ich bemerkte, dass ich immer noch im Krankenhaus lag. Dann wurde ich in meine Zelle zurückgebracht.

Auch das schien den Befragern noch nicht zu reichen, sie wollten, dass ich noch mehr leide. Sie zwangen mich, auf meinen Füßen zu stehen, nachdem sie sie so geschlagen hatten, dass sie völlig geschwollen waren. Dann gaben sie mir Eis. Ich hörte Tag und Nacht die Schreie anderer Gefangener, und das belastete mich wirklich und regte mich auf. Später erfuhr ich, dass die Schreie aufgenommen worden waren, um mich psychologisch zu foltern. Manchmal saß ich stundenlang im Verhörraum, während mir stundenlang kalte Wassertropfen auf den Kopf fielen.

Ein anderes Mal wurde ich mit verbundenen Augen verhört. Der Befrager verbrannte meine Hand mit seiner Zigarette. Einmal stand der Befrager so lange mit seinen Schuhen auf meinen Füßen, dass meine Fußnägel schwarz wurden und irgendwann abfielen. Manchmal haben sie mich auch nur gezwungen, den ganzen Tag im Verhörraum zu stehen, ohne dass sie mir Fragen stellten, während die Befrager Kreuzworträtsel lösten. Sie taten alles, um sicherzustellen, dass ich leide.

Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen war, verlegten sie mich in Trakt 209 von Evin. Wegen meiner Verletzungen konnte ich nicht zu Fuß dorthin gehen, und sie weigerten sich, mich aufzunehmen. Sie ließen mich einen ganzen Tag vor Trakt 209 warten, bis sie schließlich gezwungen waren, mich in die Gefängnisklinik zu bringen.

Ich hatte jedes Zeitgefühl verloren und wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war. Ich weiß nicht, wie lange ich in der Gefängnisklinik blieb. Sobald ich mich etwas besser fühlte, wurde ich in Trakt 209 verlegt, und die Verhöre begannen von Neuem.

In Abteilung 209 hatten sie ihre eigenen, speziellen Verhörtechniken. Sie spielten immer „good cop/bad cop“.

Zuerst kam ein „böser“ Befrager herein, folterte mich und erzählte mir, er sei an kein Gesetz gebunden und könne mit mir tun, was er wolle. Dann kam ein „guter“ Befrager, sagte dem „Bösen“, er solle aufhören, mich zu foltern, und bot mir eine Zigarette an. Dann fing der ganze Kreislauf von vorn an.

In Trakt 209 haben mir, wenn ich mich wegen der Folter oder der inneren Blutungen nicht gut fühlte, lediglich Schmerzmittel gespritzt, dann schlief ich tagelang. Sie haben mich nie zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

Shirin Alam Hooli, Evin, 18. Januar 2010

Somayeh Rashidis Familie bekommt doch keine Besuchserlaubnis

Veröffentlicht auf Persian2English am 31.01.2010
Quelle (Persisch): CHRR
Referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Englisch-Deutsch: Aliyar T., Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5498
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Committee of Human Rights Reporters (CHRR) – Gefängnisbeamte haben der Familie von Somayeh Rashidi am Donnerstag, dem 28. Januar 2010 keine Besuchserlaubnis gegeben, obwohl Somayeh Rashidi bei einem Telefongespräch gesagt hatte, dass die Befrager ihr einen Besuch gestattet hätten.

Rashidis Familie lebt in Mashhad und war den langen Weg nach Teheran gekommen, um ihre Tochter zu besuchen. Justizbehörden hatten der Familie seit Somayeh Rashidis Verhaftung vor 40 Tagen keine Besuchserlaubnis erteilt. Auch Rashidis Anwälte Afrooz Maghzi und Zohreh Arzani durften ihre Klientin nicht besuchen, obwohl sie ein offizielles Gesuch eingereicht hatten.

Somayeh Rashidi war am 20. Dezember zum Revolutionsgericht vorgeladen worden, nachdem ihre Wohnung gründlich durchsucht worden war. Sie war im Gericht verhaftet und nach Evin gebracht worden.
Sie ist eine der Aktivistinnen der „Eine Million Unterschriften“-Kampagne. Anfang des Jahres hatte sie Studienverbot erhalten. Sie ist Graduiertenstudentin der Frauenwissenschaften.

Erzwungene Geständnisse sollen spätere Hinrichtung ermöglichen

Veröffentlicht auf Persian2English am 31. Januar 2010
Quelle (Persisch): Human Rights and Democracy Activists in Iran
Referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Banoo Sabz, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5513
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben


Nach Angaben von Human Rights and Democracy Activists in Iran (HRDAI) haben Sicherheitsagenten in der Nacht vor der Hinrichtung von Arash Rahmanipour und Mohammad Reza Ali Zamani (ein Video mit) deren falsche Geständnisse gezeigt, um das Verbrechen (der Hinrichtung zweier Gefangener) zu rechtfertigen. In dem Video wurden auch vier andere Gefangene, die gefoltert worden waren, zu Geständnissen gezwungen.

Die vier Gefangenen, die Ende Oktober 2009 verhaftet worden waren, sind Mahmoud Dolatabadi, Mehdi Saeidi, Abaas Vali Khani und Borzu Kamrani.

Sie befinden sich seit Ende Oktober in Einzelhaft und wurden von Sicherheitsagenten körperlich und seelisch gefoltert. Ihnen wurde zugesagt, nach Ablegung der falschen Geständnisse und Zahlung einer Summe von 30.000 US$ freigelassen zu werden.

Berichten zufolge zwangen die Agenten die Gefangenen, die falschen Geständnisse abzulegen. Sie mussten jedes Wort genau einhalten und sich beim Sprechen auf ihren Gesichtsausdruck konzentrieren. Die Gefangenen wurden vom Sicherheitspersonal geschminkt, um die Geständnisse möglichst natürlich wirken zu lassen.

Der Zweck der falschen Geständnisse war, eine Grundlage dafür zu schaffen, die politischen Gefangenen wegen Moharebeh (Kriegführung gegen Gott) anklagen und sie später hinrichten zu können. Mit den Hinrichtungen soll die iranische Zivilgesellschaft eingeschüchtert werden.

HRDAI verurteilt die Hinrichtungen und hat die Hohe Menschenrechtskommission (der UN) und andere internationale Organisationen gebeten, auf ein sofortiges Treffen mit der UN-Sicherheitskommission zu drängen und eine Entscheidung über die Beendigung der unmenschlichen Verbrechen in Iran zu erwirken.

HRDAI hat den Bericht am 29. Januar 2010 an folgende Organisationen gesandt:

* [UN] High Commissioner for Human Rights
* European Commission on Human Rights
* Amnesty International
* Human Rights Watch

Neues aus Evin von Mehrdad Rahimi und Saeed Haeri

Veröffentlicht auf Persian2English am 31. Januar 2010
Quelle (Persisch): CHRR
Referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Mana S., persian2english
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5519
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Mehrdad Rahimi, während der Wahlkampagne von Mehdi Karroubi Vertreter des Komitees zum Schutz der Bürgerrechte, ist am 28. Januar 2010, 27 Tage nach seiner Inhaftierung, erstmals mit seiner Familie zusammen getroffen.

Er erzählte seiner Familie, dass er unter extrem hohen Druck gesetzt wird, damit er ein Fernsehinterview gibt. Er unterstrich, dass er sich damit nicht einverstanden erklärt habe und auch nicht vorhabe, dies in Zukunft zu tun, diese Forderung der Befrager sei illegal. Die Familie erklärte, sie werde das Nötige tun, um für seine Rechte einzutreten und illegale Aktionen der Befrager zu verhindern.
Die Familie erwähnte, sie habe vor, nächste Woche einen Brief an den Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafar Dowlatabadi zu schreiben, in dem sie die ungesetzliche Vorgehensweise der Befrager von Mehrdad Rahimi verurteilen werden.

Wie berichtet wurde, befand sich Mehrdad Rahimi (während des Treffens mit seiner Familie) in guter mentaler Verfassung. Er wiederholte, dass seine Inhafiterung ungesetzmäßig sei, weil all seine Aktivitäten (vor seiner Verhaftung) im Einklang mit der Verfassung stehen. Darum werde er weiter für seine Rechte eintreten.

Mehrdad Rahimi war am 2. Januar 2010 nach mehrfachen telefonischen Drohungen verhaftet und vom Informationsministerium vorgeladen worden.

***

Saeed Haeri ist am 28. Januar 2010, 39 Tage nach seiner Inhaftierung, zum zweiten Mal mit seiner Familie zusammengetroffen.

Seine Familie berichtet, dass sie ihn in einer [Besucher-]kabine sprechen konnten. Während des Treffens war Saeed Haeri in guter Stimmung. Er erwähnte seiner Familie gegenüber, dass er in den letzten drei Wochen nicht verhört worden sei, was ihm vorgeworfen wird, sei nicht bekannt. Saeed Haeri bat seine Familie, insbesondere seine Mutter, um Geduld. Er bezeichnete seine Inhaftierung als ungesetzlich und hofft, freigelassen zu werden. Saeed Haeri erwähnte, dass er sich mit drei anderen Gefangenen eine Zelle in Trakt 240 von Evin teilt.

Saeed Haeri wurde am 20. Dezember 2009 auf dem Enghelab-Platz von Sicherheitskräften verhaftet. Er war mit anderen Aktivisten zusammen per Bus nach Qom unterwegs gewesen, um am Begräbnis für Ayatollah Montazeri teilzunehmen.