Archiv der Kategorie: Human Rights and Democracy Activists/HRDAI

Im Frauentrakt von Evin breiten sich Infektions- und Nierenerkrankungen aus

Persian2English, 9. Oktober 2010 – Die Internetseite Jaras sowie mehrere iranische Menschenrechtsgruppen berichten von einem seit Ende September anhaltenden Wasserausfall im Frauentrakt des Evin-Gefängnisses. Das letzte Mal wurde am 3. Oktober darüber berichtet. Weiterlesen

Kein Trinkwasser für weibliche politische Gefangene und Neugeborene in Evin

HRDAI, 3. Oktober 2010 – Berichten von Human Rights and Democracy Activists in Iran (HRDAI) zufolge gibt es in der Frauenabteilung 2 von Evin seit 24 Stunden kein Trinkwasser. Die gesundheitlichen Bedingungen für die dort inhaftierten Gefangenen – politische und reguläre Gefangene sowie Neugeborene sind infolgedessen sehr schlecht. Weiterlesen

Arzhang Davoudis körperlicher Zustand nach fast einem Monat Hungerstreik kritisch

Human Rights and Democracy Activists in Iran (HRDAI) zufolge hat der körperliche Zustand des politischen Gefangenen Arzhang Davoodi nach fast einem Monat Hungerstreik einen kritischen Punkt erreicht. Weiterlesen

Ein Bericht aus dem Gefängnis Rajai Shahr, Iran

Englische Übersetzung veröffentlicht von Negar Irani bei Green Translations am 29. Juli 2010
Quelle (Persisch): RAHANA
bzw. Human Rights and Democracy Activists in Iran/HRDAI
Anmerkung Negar Irani: Ich bitte jeden, dem die Menschenrechte am Herzen liegen, diesen herzzerreißenden Brief von Saeed Masouri zu lesen, in dem er die erschütternden Zustände im Gefängnis Rajai Shahr beschreibt. Bitte lesen Sie diesen Bericht und lassen Sie die Welt wissen, welche Menschenrechtsverstöße und Grausamkeiten sich hinter den Mauern der berüchtigten iranischen Gefängnisse ereignen. Schweigen bedeutet, Menschlichkeit, Anstand und Lebenswürde den Rücken zu kehren.

Donnerstag, 29. Juli 2010 – RAHANA. Der seit 2009 inhaftierte Saeed Masouri hat in einem bewegenden Brief die erschütternden Zustände im Gefängnis Rajai Shahr beschrieben. Dr. Saeed Masouri war im Dezember 2000 in der Stadt Dezful verhaftet worden und wird gegenwärtig in Sektion 10, Trakt 4 des Gefängnisses Rajai Shahr in der Stadt Karaj festgehalten. Sein erster Prozess und der Berufungsprozess führten zunächst zu seiner Verurteilung zum Tode. Von den 10 Jahren, die er inhaftiert ist, verbrachte er 3 Jahre in Einzelhaft in Gefängnissen in Teheran und Dezful. Nach umfangreichen Anstrengungen [konnte erreicht werden, dass] sein Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt wurde.

Berichten von RAHANA zufolge wurde Masouri in den letzten 10 Jahren kein einziger Hafturlaub gewährt. Bei seiner ersten Verhaftung und Einzelhaft wurde er körperlich und psychisch exzessiv gefoltert. Masouri wurde vor einigen Jahren in das Gefängnis Rajai Shahr verlegt, dass bekannt für die dort herrschenden unmenschlichen Zustände ist. In einem Brief, den er im Gefängnis verfasste und der Nachrichtenagentur RAHANA – „Human Rights House of Iran“ – zur Verfügung stellte, beschreibt Masouri die unmenschlichen Zustände im Gefängnis. Der Inhalt seines Briefes lautet wie folgt:

Das Leben außerhalb des Gefängnisses geht weiter wie immer, und es ist schwer, sich vorzustellen, welche Hölle und welche menschlichen Tragödien sich wenige Meter weiter hinter den Gefängnismauern abspielen, an denen man täglich achtlos vorbeigeht. Ähnlich muss es für die Menschen gewesen sein, die im Umkreis der Lager Auschwitz und Dachau lebten und die vielleicht keine Ahnung davon hatten, was innerhalb der Mauern dieser berüchtigten Lager vor sich ging.

Ich möchte ein Bild vom Gefängnis Rajai Shahr zeichnen, dass in den Augen der Bürger von Karaj wohl groß erscheinen mag, das aber in Wirklichkeit sehr klein und sehr überfüllt ist. Es ist eine andere Welt, sie ähnelt den Darstellungen der Hölle in Filmen, voller Feuer und Rauch. Eine Welt voller verbrannter, schwarzer, verstörter Gesichter, voller nackter, schweißbedeckter Körper, rot von den Bissen der Läuse. Eine Welt voller zerrissener Hosen, deren Fetzen als Gürtel benutzt werden, voller schmutziger nackter Füße und Kleidern, die mit der Innenseite nach außen getragen werden und mit Läusen bedeckt sind, voller zerrissener und schlecht sitzender Pantoffeln. Eine Welt, in der man vergifteter Luft, dem extremen Gestank verfaulenden Mülls, überlaufenden Toiletten, dem giftigen Hauch des getrockneten Erbrochenen, infektiösem Schleim und dem Geruch von Körpern ausgesetzt ist, die fast nie baden können. Dies alles wird gekrönt vom Gestank des Urins derer, die ihre Blase nicht kontrollieren können.

All dies vor dem Hintergrund des markerschütternden Lärms und der Schreie der Gefangenen, die ihren gesamten Tag in Warteschlangen zu verbringen scheinen. Gefangene mit Plastikflaschen, die schwarz angelaufen sind und als Teetassen dienen, stehen Schlange, in vielen, langen, dichtgedrängten Schlangen warten sie darauf, die Toilette benutzen zu können, zu duschen etc.

Gesichter, ausgezehrt durch Unterernährung, sind hinter dichten Bärten und zerzaustem Haar verborgen, herzzerreißendes Husten – eine Folge von Lungenkrankheiten, die durch die kontaminierte Luft im Inneren des Gefängnisses entstehen -, nicht wiederzuerkennende Körper, die an verhungernde Kinder in Afrika erinnern, Massen von Gefangenen in den Fluren, die aussehen, als seien sie tot, gelähmt von der Hitze, mit seelenlosen Augen, die an Wände und Decken starren, nackte Körper, die in den Säumen ihrer Kleider nach Läusen suchen, Körper, die andere Körper im Vorbeigehen streifen, nur allzusehr gewöhnt an das Bild, das sich um sie herum bietet.

Andere Gefangene, die sich wegen der vielen Menschen nicht vom Fleck bewegen können, stehen paarweise oder allein, beobachten andere, spielen an den Narben an Hals und Handgelenken herum, die von selbst zugefügten Verletzungen stammen. Viele haben ein kleines Handtuch oder ein Stück Stoff bei sich, um sich alle paar Minuten den Schweiß abzuwischen, der sich auf Kopf und Gesicht sammelt, das aber auch als Atemschutz gegen den beißenden Geruch der kontaminierten Luft dient.
Hinzu kommen noch der Tumult und der ohrenbetäubende Lärm der Lautsprecher (der Gefängniswärter), aus denen vulgäre Beleidigungen dröhnen, Stille befohlen wird und Kommandos zur Beachtung der Toiletten- und Waschraumregeln etc. erschallen. Das Ausmaß dieser Zustände versteht man erst, wenn man sich klar macht, dass sich an diesem Ort, der für die Aufnahme von maximal 90 Menschen konzipiert ist, mehr als 1100 Gefangene aufhalten. Es gibt je einen Waschraum für 250 Gefangene. Es gibt je ein Stück Seife oder flüssige Seife für 500 Gefangene, je eine Toilette (oft verstopft und überfließend) für 170 Gefangene. Jeweils 5 Gefangene haben 5 m² zur Verfügung, weshalb die Gefangenen gezwungen sind, den Raum in Fluren und Treppenaufgängen zu belegen. Je 5 – 8 Gefangene teilen sich eine Decke. Gefangene, die gezwungen werden, ihre Zelle von 19 Uhr abend bis 7 Uhr morgens zu verlassen, stehen draußen, weil es drinnen nicht genug Platz gibt. Selbst draußen findet man selten einen Platz, an dem man stehen kann. Essen wird oft für viele Gefangene auf einem Stück Zeitungspapier serviert, und die einzige Möglichkeit, es zu essen, besteht darin, sich draußen einen Platz zum Sitzen zu suchen. Dieser Zustand ist sogar für die Wachen offensichtlich, die nicht die ermüdende Pflicht haben, diese Massen von Gefangenen zu zählen und den Überblick zu behalten, die aber ebenfalls allen Arten von Krankheiten ausgesetzt sind.

Erstaunlicherweise ist vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Nacht der Fernseher zu hören, wo über menschliche Würde, Menschenrechte und unser Umgang mit der Welt gesprochen, aber kein Wort über die Geschehnisse hinter diesen Gefängnismauern verloren wird. Offenbar sind Dinge wie das Gesundheitswesen, Waschräume und Toiletten so eng mit der Sicherheits unseres Landes verknüpft, dass es als Verbrechen gegen die nationale Sicherheit angesehen wird, wenn man darüber spricht.

Zum Beispiel Reza Jooshan, 22 Jahre alt. Er wurde in Einzelhaft verlegt, weil er die Tollkühnheit besaß, sich über die Zustände zu beschweren. Zwar überraschte seine Verlegung in Einzelhaft mich nicht, aber die Zustände in Rajai Shahr und anderen Gefängnissen sind so schlimm, dass sie nicht dadurch gelöst werden können, dass man Menschen in Einzelhaft nimmt. Kein Wunder, dass es für viele Gefangene in Irans berüchtigten Gefängnissen als ein unerreichbarer Traum erscheint, an Orte wie Guantanamo oder Abu Ghraib zu kommen. Die Hinrichtung wird zur einzigen greifbaren Hoffnung, um dieser unerträglichen menschlichen Tragödie zu entkommen.

Saeed Masouri
Gefängnis Rajai Shahr
Juli 2010

Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben.

Anm. Julia: Bekannte Gefangene, die in diesem Gefängnis sitzen oder saßen, sind z. B.

der iranische Gewerkschaftsführer Mansour Osanloo

Behrouz Javid Tehrani

Hamed Rouhinejad

die politischen Gefangenen Behrouz Javid Tehrani und der an Multipler Sklerose erkrankte Hamed Rouhinejad

der Journalist Issa Saharkhiz

der Journalist Emad Bahavar

der Journalist Ahmad Zeidabadi

der Blogger und Aktivist Behzad Mehrani

der Schriftsteller und politische Aktivist Arzhang Davoodi

die Vizepräsidentin einer Studentenorganisation, Shabnam Madadzadeh

…und viele, viele, viele andere.

“Trauernde Mütter” besuchen Neda Agha Soltans Mutter

Veröffentlicht bei Persian2English am 24. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=12169

Archivbild von Neda Agha Soltans Mutter mit einem Foto ihrer Tochter

Am Mittwoch Nachmittag besuchte eine Gruppe der Trauernden Mütter gemeinsam mit den Müttern von Mostafa Karimbeig und Ramin Ramezani Neda Agha Soltans Mutter und baten sie, ihre schwarze Trauerkleidung nicht länger zu tragen.

Drei Mütter sprachen während des Treffens über ihre Kinder.

Nedas Mutter sprach vom Jahrestag von Nedas Tod. Sie berichtete, dass die Zeremonie unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden habe. Gegen 17:30 Uhr hätten Sicherheitsagenten sie die gesamte Strecke von der Metrostation bis zu Nedas Grabstätte begleitet. Sie hätten niemandem erlaubt, sich dem Grabstein zu nähern. Sieben Personen versuchten, näher an das Grab heranzukommen, drei von ihnen wurden verhaftet. Sie wurden aber schließlich auf das beharrliche Drängen von Nedas Mutter hin wieder freigelassen.

Nedas Mutter berichtete: „Als ich mich bei den Sicherheitsagenten beschwerte und fragte, warum ich nicht die Freiheit hätte, jederzeit überall hinzugehen, wo ich möchte, antworteten sie, sie würden vom Volk und von der Welt zur Verantwortung gezogen werden, wenn ich von der Polizei oder von Zivilbeamten verletzt würde.“
„Um 18:10 Uhr, die Uhrzeit, zu der Neda ermordet wurde, begann ich, ihren Namen laut in den Himmel zu rufen. Um 18:20 Uhr forderten mich die Sicherheitskräfte auf, Behesht Zahra [den Friedhof] zu verlassen, und sie begleiteten mich vom Friedhof.“

Mostafa Karibeigis Mutter sprach von den Erinnerungen an ihren Sohn und erzählte, wie sie in den 26 Jahren seines Lebens jeden Moment genossen habe, den sie mit ihm verbrachte.

Ramin Ramezanis Mutter sagte, es sei schmerzhaft zu wissen, dass es nicht ausländische Feinde waren, die ihren Sohn töteten, sondern seine eigenen Landsleute, die behaupten, Muslime zu sein.

Zum Schluss sangen die Mütter zu Ehren aller Märtyrer der Freiheit im Iran Lieder wie „Aus dem Blut der Jugend des Landes“ und „Yare Dabestani“.

– Die Trauernden Mütter
(Persische Quelle: HRDAI (Human Rights and Democracy Activists in Iran)

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben