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Mehdi Karroubis Statement anlässlich des Jahrestages der Präsidentschaftswahl 2009

Veröffentlicht bei Khordaad88 am 20. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://khordaad88.com/?p=1696
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

An das große und ehrenwerte Volk Irans,

Ein Jahr ist seit eurer spektakulären Präsenz bei den 10. Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr vergangen. Diese enthusiastische Beteiligung an der Wahl war Ausdruck eures Wunsches, für die Angelegenheiten eures Landes euer Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen. Aber einige vertreten die Theorie, dass die Bevölkerung die Regierung und die Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten nicht ernennt, sondern (lediglich) unterstützen muss, und sie haben ihre [eigenen] Entscheidungen und ihre eigenen Wählerstimmen als die eurigen präsentiert.

Seit diesen Wahlen ist ein Jahr vergangen, und in diesem einen Jahr haben wir viele Höhen und Tiefen erlebt. Wir haben gesehen, wie die Mächte, die jede Bescheidenheit mit Füßen traten, die Islamische Republik in ein schlechtes Licht rückten. Wir haben das Märtyrertum unserer Bürger erlebt, die auf die Straßen gegangen waren, nur um [eine Antwort auf die Frage] zu fordern, was mit ihren Stimmen geschehen ist. Wir haben Blutvergießen und Morde gesehen, wir haben erlebt, wie die Gefängnisse sich mit den Kindern unseres Regimes und [unserer] Revolution füllten. Was wir leider in diesem Jahr nicht erlebten, war das verfassungsgemäße Recht des Volkes. Im Gegenteil – diese fundamentalen Rechte wurden mittels brutaler Gewalt durch extreme Repression ersetzt, ohne Rücksicht auf die Heiligkeit des Lebens. Trotz all dieser Bitternis und Dunkelheit hoffen wir nach wie vor, dass dieser Zug, der von den Fundamenten unserer Verfassung, unserer Revolution und unseres Imams abgekommen ist, auf seinen ursprünglichen Weg zurückkehren wird und dass die Missetäter bereuen und damit dem Dialog und der Interaktion den Weg bereiten werden.

Großes und ehrwürdiges Volk des Iran,

ein Jahr nach der 10. Präsidentschaftswahl, nachdem ich viele bittere Momente durchlebt habe, möchte ich vor allem die großartigen Familien unserer Märtyrer des letzten Jahres loben, die – was eine große Ungerechtigkeit war – für ihre geliebten Angehörigen nicht einmal ein ehrenvolles Begräbnis halten durften.

Ich bringe mein Beileid zum Ausdruck und bitte Gott um seinen Segen für die Märtyrer. Möge er den Überlebenden Geduld und Vergeben schenken. Ich bringe meinen Respekt für diejenigen zum Ausdruck, die verletzt wurden und keine Möglichkeit hatten, in Ruhe zu genesen. Ich verneige mich vor eurer Kraft und eurer Ausdauer. Schließlich erinnere ich an jene, die ungerechtfertigt ins Gefängnis geworfen wurden, um damit die rechtschaffene Stimme dieses unterdrückten, aber großen Volkes zum Schweigen zu bringen.

Die Gefängnisse sind heute voll mit Landsleuten der Revolution und Imam Khomeinis, mit Denkern, Intellektuellen, Jugendlichen und Freiheitsliebenden. Wir haben noch immer die Hoffnung, dass die Justiz, anstatt politische Urteile und (vom Sicherheitsapparat) vordiktierte Strafen zu verhängen, bald einen Kontext dafür schaffen wird, dass alle politischen Gefangenen freigelassen und so den Status der Judikative loskaufen werden.

Rechtschaffenes und ehrbares Volk des Iran,

trotz unzähliger Differenzen darüber, wie das Land zu regieren ist, und trotz selbsterfüllender Interpretationen der Verfassung durch Offizielle gab es eine relative Solidarität und Einheit zwischen Menschen unterschiedlicher Meinungen, zwischen verschiedenen politischen Fraktionen, der Mehrheit des Volkes und staatlichen Offiziellen. Auch wenn vor der Wahl die Rechte und Freiheiten der Menschen ignoriert wurden, ethnische und religiöse Minderheiten nicht respektiert wurden, Frauen und Jugendliche beleidigt und manchmal gewaltsam konfrontiert wurden, die Nation demoralisiert war und akademische und religiöse gelehrte Institutionen unter immensem Druck standen, sich den Mächtigen unterordnen zu müssen – es war kein Vergleich zu dem, was während und nach der Wahl geschah. Die staatlichen Gelder, die öffentlichen Medien, das Militär und die Reserven wurden in vollem Umfang dazu benutzt, um den Menschen ihr Recht auf Meinungsäußerung streitig zu machen und die Wahlergebnisse auf plumpe Weise zu fälschen. Nach der Wahl beleidigten und demütigten sie das Volk und seine Bewegung, und, was am Schlimmsten war, sie ignorierten die Proteste. In den letzten dreißig Jahren hat es ein solches Ausmaß an Korruption nie gegeben.

Selbst wenn es also vor einem Jahr im Land eine relative nationale Einheit gegeben hat – nachdem ein paar Offizielle die Wählerstimmen der Bevölkerung geplündert haben, erscheint eine solche Einheit unmöglich. Die Wahlkandidaten ebenso wie ihre Anhänger protestierten gemeinsam mit vielen Gruppen der Gesellschaft gegen diesen großen und offensichtlichen Fehler. Wir erinnern uns noch an die Frage, die sie vereinte: „Wo ist meine Stimme?“

Leider aber entschloss sich die Regierung dazu, auf die Demonstrationen mit Gewalt, erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, Inhaftierungen und Folterungen von Demonstranten zu reagieren und sie in Schauprozessen zu verurteilen, anstatt sich ihre Botschaft anzuhören und fair und im Rahmen des Gesetzes mit ihnen umzugehen. Dieses Vorgehen hat das Volk viel gekostet. Einige der erfahrensten Führungspersönlichkeiten des religiösen und politischen Bereichs wurden fälschlich des Unglaubens, des Verrats und des bewaffneten Konflikts beschuldigt. Sie verscherbeln sämtliches weltliche und spirituelle Kapital des Landes.

Mein geliebtes iranisches Volk,

wie ihr alle wisst und wie ich schon früher gesagt habe, haben die Ereignisse des vergangenen Jahres all jene entlarvt, die glauben, dass sie mit den Mächtigen verbunden sind. Ihre Fußsoldaten sind die Medien und Webseiten, die sich an den Öleinkünften und anderen öffentlichen Mitteln bereichern. Sie brennen die Islamische Republik nieder, und die Flammen lodern so hoch, dass sie alle ergebenen Diener des Volkes und alle Revolutionäre erreichen. Die Flammen haben selbst vor dem Haus Imam Khomeinis und dessen Enkel – Seyed Hassan – nicht haltgemacht, der ein großer Gelehrter und Intellektueller ist. Aber auch andere wichtige Geistliche sind betroffen. Wir alle haben die Schlägertruppen gesehen, die das Haus und das Mausoleum Imam Khomeinis entehrt haben. Wir haben auch die breite Verurteilung dieser törichten Handlungen durch das Volk und die Geistlichkeit gehört. Als Antwort auf diese Verurteilungen hat eine Zeitung, die von vielen Übeln umgeben ist und in ihrem Gebrauch von Schimpfworten weder Grenze noch Gesetz kennt, diesen Schlägern den Rücken gestärkt, die den Enkel des Imam beleidigt hatten, weil er das Verbrechen beging, auf der Seite des Volkes zu stehen.

Und das reichte dieser böswilligen Zeitung noch nicht. Ohne Rücksicht auf irgendetwas zerrissen sie den Schleier des Respekts vor den Quellen der Emulation [den „Marjas“, den Geistlichen, die nach dem Koran und den Imamen als höchste schiitische Autoritäten mit rechtlicher Weisungsbefugnis innerhalb des islamischen Gesetzes gelten, d. Übers.]. In einer Welle nie dagewesener Beleidigungen drohten sie allen, die die Angriffe auf Nachkommen des Imam (Khomeini) verurteilt hatten. Diese Zeitung rügte die Quellen der Emulation wegen ihrer Bedenken. Sie stellte ihnen die Frage: „Was kann (überhaupt) gegen den Schutz des Islam und der Revolution gestellt werden?“ Es ist sehr unglücklich, dass Menschen, denen jegliches Verständnis für die islamischen und revolutionären Lehren des Imam (Khomeini) abgeht, anderen immer noch mittels Drohungen, Gewalt und Gefängnis ihr machthungriges Verständnis aufnötigen wollen. Unter (diesen „anderen“) sind die größten und höchstrespektierten Quellen der Emulation im schiitischen Islam. (So etwas wird getan), obwohl die Geschichte der Emulation lang ist und ihre Position hochangesehen ist. Die Marjas sind die Wächter des Islam des Propheten Mohammad in der Zeit, bis sein Nachfolger wiederkehrt. Aber (die Hardliner) sehen selbst diese (geachteten Persönlichkeiten) als Subjekte ihrer Macht an. Das ist der Grund warum sie ihre Bodentruppen zu den Büros der Marjas in Qom schicken, damit diese sie auf den „rechten Weg“ führen. Und wenn die Marjas dies ablehnen, wird eine Gruppe dafür bezahlt, die Büros des Großayatollah Saanei und des Großayatollah Montazeri zu überfallen und zu fordern, dass sie Qom verlassen.

Wenn wir über diese Vorfälle nachdenken und die Bilder dieser wilden Attacken (sehen), stellen wir uns folgende Fragen: Wurden Respekt und Würde der Religion und der Marjas jemals in der Geschichte des Schiismus derart schlimm beschädigt? Wie kommt es, dass manche, die einmal (Mitglieder) einer Gruppe waren, die den Namen der Tochter des großen Propheten als Code für ihre AKtionen verwendeten, Menschen, die das Land gegen Kriegstreiber verteidigten – dazu übergehen, die Büros wichtiger Marjas um halb sechs Uhr Morgens zu überfallen, ihr Eigentum, ihren Besitz und ihre religiösen Bücher zu plündern?

Wer ist bereit, die Verantwortung für diese große Abweichung zu übernehmen? Wir erinnern uns noch an die Tage vor dem Sieg der Revolution, wenn die mutige Meinung eines Menschen, der einem Marja widersprach, in einer bekannten Zeitung veröffentlicht wurde. Das löste einen Sturm an Reaktionen aus. Heute jedoch kann eine Zeitung, die als Vertreterin des Obersten Führers gilt, solche religiösen Persönlichkeiten einfach so beleidigen. Vielleicht sind es die schrecklichen Zwänge und der unermessliche Schutz und die finanzielle Unterstützung für diese Verleumder, die das Volk davon abhalten, diese Leute zur Rechenschaft zu ziehen und auf sie zu reagieren. Aber sie müssen wissen, dass die Menschen diese Beleidigungen nie vergessen werden. Selbst wenn sie das Volk ignorieren und nicht auf es eingehen – wird Gott angesichts einer so schrecklichen Unterdrückung großer Männer der Religion und des Islam stillhalten und nichts tun?

Wenn wir über die Verleumdungen und Beleidigungen in diesem böswilligen Leitartikel hinausgehen, gibt es ein Detail, das sogar akkurat ist und über das es sich lohnt nachzudenken. (Ich spreche von) einem Zitat des ersten schiitischen Imams Ali. Er hat gesagt, dass Menschen nach Kriterien der Gerechtigkeit beurteilt werden müssen, nicht dass Gerechtigkeit sich danach richtet, was einzelne Menschen proklamieren.
Und wirklich – was ist die Definition von richtig und falsch, (und von Gerechtigkeit) aus der Sicht dieser „ehrbaren“ Männer? Wie können sie auf die Forderungen des Volkes nach ihren Wählerstimmen mit Kugeln antworten und dann von Gerechtigkeit sprechen? Es war das Wahlrecht des Volkes, das seinen Forderungen zugrunde lag. Nach den Gräueltaten in der Haftanstalt Kahrizak und in anderen legalen und illegalen Gefängnissen begannen die Menschen, ihre Liste um immer mehr Forderungen zu erweitern. Wie kann man das Feuer auf Menschen eröffnen und dann von ihnen zu verlangen, dass sie nicht mehr nach den Verantwortlichen fragen?

Wer hat von Beginn an die Äußerung gerechtfertigter Forderungen und Fragen nach (unseren) Wählerstimmen als einen gegen die Herrschaft des Rechtsgelehrten (Velayat-e Faghih)/[die Position des Obersten Führers] gerichteten Akt interpretiert? Warum ist mittels der Herrschaft des Rechtsgelehrten [die Position des Obersten Führers] das Kriegsbeil gegen die Wurzeln der Verfassung und der auf dem Wählerwillen aufbauenden Islamischen Republik erhoben worden? Warum ist die Autorität der Herrschaft des Rechtsgelehrten derart ausgeweitet worden, dass ich Zweifel habe, ob selbst die Propheten oder die unfehlbaren (schiitischen) Imame je so viel Autorität und Macht hatten? Ich bezweifle sogar, dass Gott sich selbst das Recht zuspricht, mit seinen Dienern in der Weise zu verfahren (wie es der Oberste Führer tut). Historisch gesehen ist Kritik im schiitischen Islam nicht nur notwendig, sondern gemäß der Scharia sogar erforderlich, die eine „Beratung des Führers der Muslime“ beschreibt [1] .

Imam Sadegh [2] sagt: „Der Bruder, der mir am liebsten ist, ist der, der mich auf meine Fehler hinweist.“ Doch wie man sieht, ist das Äußern von Meinungen und Ansichten für diese Herrschaften gleichbedeutend mit einer Opposition gegen die Herrschaft des Rechtsgelehrten. Der Oberste Führer hat seine Meinung über die Wahl (und die darauf folgenden Ereignisse) geäußert. Doch das Volk, obwohl es ihn weiterhin respektiert hat, hatte eine andere Meinung und verlangte eine (neue Auszählung) der Stimmen. Ist es möglich, das Recht des Volkes aufzuheben, Dinge in Frage zu stellen, ihre Wahrnehmung und ihr Verständnis zu verzerren, indem man sie an Orten wie Kahrizak einsperrt oder sie umbringt? Sie überfallen Marjas und zerstören ihre Häuser und rechtfertigen (ihre Taten) mit den Ansichten des Obersten Führers. Oder sie heuern Schläger an, beleidigen die Landsleute von Imam Khomeini und zertrampeln die Artikel der Verfassung mit ihren autoritären Stiefeln.

Imam Khomeinis Landsleute und (unser) weises Volk haben seine Tradition, seine Art und sein Verhalten nicht vergessen. Bei vielen Gelegenheiten, zu denen Imam Khomeini seine Meinung zu einem Thema sagte, verhielten sich die Offiziellen anders, sie folgten ihrem eigenen Urteil und Verständnis. Und doch war der Imam niemals ungehalten darüber. Darüberhinaus hätte niemand gegen diese Offiziellen Einspruch erhoben oder ihre Rechte verletzt. Wenn die größten Marjas und der Oberste Führer die Sichel des Mondes nicht auszumachen vermögen, die das Ende des Ramadan anzeigt, und statt ihrer ein ungebildeter Schäfer oder ein einfacher Arbeiter auf einem hohen Hügel seines Landes die Mondsichel sieht und daraufhin sein Fasten bricht – kann man ihn deshalb als Ungläubigen, als bewaffneten Regimekritiker, einen Handlanger der USA und des Zionismus bezeichnen und ihm vorwerfen, er habe gegen die Herrschaft des Rechtsgelehrten und gegen den Staat gehandelt?

Wenn wir davon ausgehen, dass die Offiziellen nicht wussten, dass die Wählerstimmen gestohlen wurden, die Menschen dies aber mit ihren eigenen Augen gesehen haben: Kann man sie als Ungläubige oder als bewaffnete Dissidenten bezeichnen oder (ihnen vorwerfen, dass sie) gegen die Herrschaft des Rechtsgelehrten sind? Warum gilt es als feindlicher Akt gegen den Islam, die Religion und die Herrschaft des Rechtsgelehrten, wenn man Fragen nach seiner Wählerstimme stellt? Wie ist es möglich, dass manche die Forderung nach Rechten als Verbrechen und Akt gegen die Herrschaft des Rechtsgelehrten betrachten, wenn es im Islam doch möglich ist, dass ein Dissident mit einem unfehlbaren Imam sogar über die Existenz Gottes streiten darf?

Freiheitsliebendes und ehrbares Volk des Iran,

wir alle erinnern uns, dass die soziopolitischen Ansichten des Gründers der Islamischen Republik Iran von denen des großen Marja jener Zeit, Ayatollah Boroujerdi, abwichen. Aber niemand kann sich erinnern, dass die beiden etwas gegeneinander sagten oder ihre Anhänger zu Konfrontationen ermutigten oder aufriefen und Unruhe in der religiösen Gesellschaft stifteten.

Wir alle erinnern uns an die Reaktion des Imam auf die verschiedenen Ansichten der Marjas innerhalb des Geistlichenseminars. Insbesondere (erinnern wir uns an) die Art, wie er auf die sozialen und sogar die politischen Ansichten des verstorbenen Ayatollah Golpayegani und dessen Ansichten über die Rechtssprechung reagierte. Sogar die für alle Muslime [geltende] Ankündigung des Eid-e Fitr [Fastenbrechen] erfolgte in seinem Namen über alle Medien. Ich erinnere mich insbesondere an eine Tonaufnahme, die einige Leute von einer Predigt Ayatollah Golpayeganis gemacht hatten. Sie war etwa 15 Minuten lang, und es ging um die Herrschaft des Rechtsgelehrten (Velayat-e Faghih). Seine Ansichten widersprachen denen des Imam völlig, und trotzdem ordnete der Imam, als man ihm das Band vorlegte, die zweimalige detaillierte Ausstrahlung von Ayatollah Golpayeganis Anmerkungen im staatlichen Radio an.

Wir alle erinnern uns an die erste Amtszeit des momentanen Obersten Führers (Khamenei) als Präsident. Er hatte einen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten ins Auge gefasst, der nicht die Empfehlung des Imam oder des Parlaments hatte. Wie schön es war, dass (Khamenei) fest zu seiner Entscheidung stehen konnte, obgleich der Imam mit der Macht der Herrschaft des Rechtsgelehrten nicht seiner Meinung war. Damals war es amders, wenn man sich gegen den Obersten Führer und die Herrschaft des Rechtsgelehrten stellte.

Ich erinnere mich sogar an die berüchtigten Ereignisse nach der Wiederwahl von Herrn Moussavi zum Ministerpräsidenten im Jahre 1364 [1985]. 99 Parlamentsabgeordnete stimmten nicht für Herrn Moussavi, und der jetzige Oberste Führer, der damals Präsident war, gab bekannt, dass „99 Personen ein Misstrauensvotum abgegeben haben, und zusammen mit meiner Stimme sind es 100“.
Bei der Amtseinführung, in Gegenwart der Zuhörer und Reporter, sagte er noch: „Während ich diesen präsidialen Eid vollstrecke, gelobe ich, dass seine Ausführung nicht vollständig meiner Autorität unterliegt.“ Mit diesem Satz unterstrich (Khamenei) nochmals seine Opposition zu der Entscheidung des Imam. Aber weder er noch irgendein anderes Mitglied des Parlaments, das gegen die Entscheidung des Imam gestimmt hatte, wurde beleidigt, verhaftet oder als Gegner der Herrschaft des Rechtsgelehrten bezeichnet.

Wir alle können uns an die Rede eines Abgeordneten im zweiten Parlament erinnern und an das, was er zu denen sagte, die kritisierten, dass seine Worte gegen die Ansichten des Imam standen: „Wenn es nicht akzeptabel ist (gegen den Imam zu sprechen), sollten wir vielleicht 270 Maulkörbe ins Parlament liefern lassen.“
Sogar nach dieser aufrührerischen Äußerung wurde dieser Abgeordnete vom Imam oder seinen Mitarbeitern niemals mit Missbilligung bedacht. Er wurde wegen dieser Rede niemals belästigt, gefoltert oder verhaftet. Er wurde sogar in eine führende rechtliche Position innerhalb des Wächterrats berufen und diente als Vertreter der Justiz. Sogar viele hochrangige Offizielle innerhalb des Regimes hatten ihn auf ihrer Rechnung. Ich erinnere mich, als er den Imam einmal besuchte – was damals nicht gang und gäbe war – wurde die Nachricht, dass ein Parlamentsabgeordneter den Imam besucht hatte, sogar im staatlichen Radio gesendet.

Nun möge man die Herrschaft des Rechtsgelehrten, wie man sie sich auf der Grundlage der theoretischen und praktischen Lehren des Begründers der Islamischen Republik vorstellt, mit dem vergleichen, was heute als Herrschaft des Rechtsgelehrten präsentiert wird und dessen Schutz einen Schatten auf die Ereignisse wirft. Gott weiß, welch einen Schaden der Verrat weniger Mitglieder der Herrschaft des Rechtsgelehrten bei den Menschen und ihren religiösen Überzeugungen angerichtet hat.

Stolzes und ehrbares Volk des Iran,

ein Jahr nach der 10. Präsidentschaftswahl und nach allem, was sie mit euren Stimmen gemacht haben, ein Jahr nachdem für eure Rechte Blut vergossen wurde, erkläre ich nochmals in aller Klarheit und Aufrichtigkeit, dass ich meinen Pakt mit euch einhalte und bis zum Ende standhaft bleibe, dass ich bereit bin, mit mit jedem zusammenzusetzen und zu debattieren, der sich aus den Reihen der Behörden dazu bereiterklärt. Ich werde meine Ansichten über die Verfassung, die Linie des Imam und die Revolution erläutern, damit die Menschen – dieselben Menschen, von denen der Imam sagte, dass sein Leben ein Opfer für jeden einzelnen von ihnen sei – darüber urteilen können, wer diejenigen sind, die von der Verfassung, dem Weg, den Gedanken und den Idealen der Revolution abgewichen sind, und wer diejenigen sind, die trotz allen Drucks und allen Schwierigkeiten an den Prinzipien (der Revolution und der Verfassung) festgehalten haben.

Nur mit dieser Art freier Diskussion vor dem Volk kann das verlorene Vertrauen der Menschen wiederhergestellt werden. Wäre es möglich, die Menschen mit dieser Masse an Propaganda und diesem Sumpf von Lügen und Anschuldigungen zu überzeugen, wäre es nicht nötig gewesen, so hart gegen sie vorzugehen. Man hätte den Protesten mit Genehmigungen für Schweigemärsche Raum geben können, ohne Angst zu haben und ohne auf die Macht der Waffen zurückzugreifen. Doch die Feinde der Stimmen des Volkes waren nicht darauf vorbereitet, den Protesten auch nur einen geringfügigen Teil der Ausdrucksmöglichkeiten über die von den (Behörden) kontrollierten Medien und Propagandakanäle zu überlassen und den Protestierenden die Möglichkeit zu geben, ihre Positionen zu erklären und darzulegen oder ihre Ansichten auszudücken und sich gegen die ungerechten Anschuldigungen zu verteidigen, die gegen sie erhoben wurden.

Die Herren hielten Gewehrkugeln für folgerichtiger und ließen auf die Menschen schießen. Erstaunlicherweise brüllten diese Herren, anstatt das Land zu regieren und auf die Stimme des Volkes zu hören, in dieser „himmlischen Islamischen Stadt“ [3] Parolen darüber, wie man die Welt regiert und Pläne für die Bevölkerung der Welt macht. Sie fürchten sowohl das Volk als auch ihre eigenen Schatten, und ihre Programme beschäftigen sich nicht mit der Entwicklung des Landes, sondern mit Unterdrückung und der Verbreitung von Gefängnissen und Orten (der Folter und Inhaftierung) wie Kahrizak, während sie in ihren Köpfen Fantasien von der Weltherrschaft nähren.

Ehrenwertes und rechtschaffenes Volk des Iran,

die Stimmen, die sie euch gestohlen haben, und die Rechte, die sie euch genommen haben, sind ein Schandfleck, der mit keiner Farbe der Welt übermalt werden kann. Selbst nach einem Jahr, trotz all de Druckmittel und Einschüchterungen, sind eure rechtmäßigen Forderungen nicht vergessen. Vielmehr hat sich dieser Wunsch nach Veränderung über weitverzweigte soziale Netzwerke in verschiednen Schichten der Gesellschaft tief verwurzeln können. Dieser weit verbreitete Wunsch ist nichts, was man mit Mitteln der Niederschlagung, durch Einschüchterung, Verhaftung und willkürliche Gerichtsprozesse zerstören kann. Gott verlangt von seinen Gläubigen, dass sie geduldig und ausdauernd sind, und er hat ihnen den Sieg versprochen. Auch wenn euer Weg schwer und gewunden ist, gehört euch doch die von Gott versprochene Zukunft. Die Unterdrücker sind zur Nichtigkeit verdammt.

„Ist nicht der Morgen nah?“ [4]

[1] Ein sehr bekanntes Zitat von Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm), das von ihm als eine der wichtigsten Pflichten eines Moslems angesehen wird.
[2] Der 6. schiitische Imam
[3] Eine ironische Anspielung auf Behauptungen einiger hochrangiger Würdenträger, dass es das Ziel der Islamischen Republik sei, ein himmlisches Regime (wörtlich „Om olqora-ye eslam“, oder „Mutter der Dörfer des Islam“) im Iran zu errichten.
[5] Koran, Vers 11:81.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Mir Hossein Moussavis Statement Nr. 18 vom 15. Juni 2010

Übersetzt und auf Englisch veröffentlicht bei Khordaad88 am 16. Juni 2010
Original (Persisch) bei Kalemeh am 25. Khordaad 1389 (15. Juni 2010)
Anmerkungen in runden Klammern stammen aus der englischen Quelle. Anmerkungen in eckigen Klammern mit Ausnahme der Fußnotenzahlen, Verlinkungen im Text sowie Gliederungspunkte und fettgedruckte Hervorhebungen im Sinne einer besseren Übersicht stammen von Julia

Gliederung:
1. Einleitung
2. Die „Charta“

a) Wurzeln und Ziele
b) Grundsätzliche Strategien
c) Grüne Identität
d) Das Recht der Menschen auf [politische] Selbstbestimmung
e) Die Werte der Grünen Bewegung


[1. Einleitung]

Im Namen Gottes, des Mitfühlenden und Barmherzigen,
Am ersten Jahrestag der 10. Präsidentschaftswahlen stehen wir mit unseren gepeitschten Körpern, die Schläge und Inhaftierung erdulden müssen, noch immer aufrecht und stolz. Unsere Forderungen bleiben dieselben: Freiheit, soziale Gerechtigkeit und die Bildung einer (legitimen) nationalen [vom Volk gewählten] Staatsführung. Wir vertrauen auf den Sieg und hoffen auf den Willen und die Hilfe Gottes, denn wir fordern nichts anderes als die Wiederherstellung unserer nationalen Rechte [der Rechte des Volkes].

„Aller (Schaum auf der Wasseroberfläche) wird zur Seite treiben und sich auflösen. Was auf der Erde bestehen bleibt, wird zum Guten der Menschen sein.“ [1]

Die Lügen, Unregelmäßigkeiten und Betrügereien bei der Wahl haben eine Frage aufgeworfen: „Wo ist meine Stimme?“ Ihr, diese großartigen Menschen, habt diese Frage bei der historischen und außergewöhnlichen Demonstration vom 15. Juni klar und eindeutig und auf gewaltfreie Weise geäußert. Alle, auf nationaler wie auf internationaler Ebene, haben eure Stimme gehört und eure Botschaft vernommen, außer denen, die von Unwissenheit, Aberglauben, eigenen Interessen und Lügen geblendet waren. Doch was war die Antwort? Stigmatisierung und Vorwürfe des Verrats, Militarisierung, Tötungen, Inhaftierungen; Gefangene wurden in Ketten gelegt und Universitäten angegriffen.

Zweifelsohne werden die Menschen die Gräuel (im Gefängnis) Kahrizak niemals vergessen. Ebensowenig werden sie die Toten vom 15. und 20. Juni oder die Morde von Ashura [27. Dezember 2009] vergessen. Sie dürfen diese auch nie vergessen, denn das wäre Betrug am Blut der Unschuldigen und der Märtyrer. Wie können wir jemals vergessen, wie Scharfschützen auf Menschen zielten, wie Menschen von Polizeiautos überfahren wurden?

Doch die blutigen Flecken und die Narben der Qual haben das täuschende Gewand der Totalitären zerrissen. (Die Menschen) haben die institutionalisierte Korruption durchschaut und über den heuchlerischen „heiligen“ Schleier hinausgeblickt. Was (damals) geschah und die Art und Weise, wie die Regierung mit den Menschen [„different classes of people“] umsprang, hat gezeigt, wo die Probleme ihre Wurzeln haben und wen sie in Mitleidenschaft ziehen: Arbeiter, Lehrer, Studenten, Journalisten, Professoren, Geistliche, Unternehmer, Frauen, Männer, die Jugend, die Alten und alle sozialen Aktivisten, die Unterdrückten, die Armen und die Mittelklasse.

Unser Land ist heute Schauplatz der weltweit höchsten Zahl an Hinrichtungen pro Kopf. Das liegt nicht daran, dass in unserem Land die meisten Sünder leben, sondern daran, dass Gerechtigkeit, Management und gute Regierungsformen aus unserem Land verschwunden sind. Die Tatsache, dass selbst die dringlichsten und alltäglichsten Notwendigkeiten bei der Regierung eines Landes es nicht vermochten, die Regierung an der Verbreitung von Lügen, Korruption und Aberglaube zu hindern (abgesehen davon, dass die Regierung nicht aufgehört hat, die Verfassung und andere Regelwerke zu unterminieren), verdeutlicht uns den Abgrund der Korruption innerhalb des Establishments. Es ist, als gebe es eine starke Struktur, die gewisse, von Milliarden von Öldollars und Importen im Wert von 70 Milliarden Dollar gestützte Interessen schützt. (Es ist eine Struktur, die) den unüberwachten und unkontrollierten Zugriff auf monetäre Institutionen und Finanzen schützt.

Das Geld der Steuerzahler ist heute anfällig für Plünderungen durch Diebe im heiligen Gewand. Das Volk wartet noch immer darauf, dass man ihm sagt, wer für die vielen Fälle von Finanzbetrug verantwortlich ist und die Verantwortlichen vor Gericht stellt. Was geschah mit dieser großen Untersuchung, die im Parlament begann und dann plötzlich mit einem Deal abgeschlossen wurde?

Wer wagt es, in den Machtzentren Nachforschungen über die großen „Privatisierungen“ nach Artikel 44 der Verfassung zu eröffnen, um diese ungeheure Monopolisierung unserer Wirtschaft zu entlarven? Wer hat den Mut, gegen diese Krise das Wort zu ergreifen, die durch fehlende Aufsicht über die Finanzen des Militärs, des Geheimdienstes und halboffizieller Institutionen gekennzeichnet ist, die (unsere) Wirtschaft fest im Griff haben?
Unser Volk stellt sich immer noch die Frage: Ist dies das Versprechen des gerechten und Islamischen Establishments, auf das wir (all diese Jahre) gehofft haben? Könnte Transparenz zu irgendwelchen Problemen führen? Sind diese Probleme so furchtbar, dass wir uns in Geheimhaltung flüchten müssen? Haben wir die goldene Regel des großen, alten, weisen Mannes aus Jamaran, Ayatollah Khomeini, vergessen, der sagte: „Tut nichts, was ihr vor dem Volk nicht rechtfertigen könnt“?

Liebe Gefährten auf dem Grünen Pfad der Hoffnung,

Ein Jahr ist vergangen, seit sich diese noch nie zuvor gesehene Bewegung gebildet hat. In dieser Zeit haben die Grünen einen langen Weg auf diesem Pfad der Hoffnung zurückgelegt. Weil sie ihre Hoffnung auf Unterstützung durch die Regierung aufgegeben haben, sind sie in ihren Wohnungen und Häusern zusammengekommen, haben ihre Ziele organisiert und ihre sozialen Netzwerke ausgeweitet – sie haben dauerhafte und stabile Bündnisse innerhalb großer Teile der Bevölkerung etabliert. Starke und stabile soziale Netze haben bei der Verbreitung von Informationen und bei der Schaffung von Bewusstsein Wunder gewirkt. Um dies zu sehen, reicht es, sich die neu entstandene Kunst und die demokratische Verbreitung von Analysen, Nachrichten und Informationen in unterschiedlichen sozialen Strömungen anzusehen. Die Grüne Bewegung war verantwortlich für eine Welle des Dialogs über wichtige Fragen, die unsere Zukunft betreffen. In unserer neueren Geschichte gibt es nichts Vergleichbares.

Heute wissen die Menschen, wer die grundlegenden Rechte des Volkes mit Füßen getreten hat. Die Menschen sind sich der wiederholten Menschenrechtsverletzungen und der fehlenden Menschenwürde innerhalb der Justiz und des Geheimdienstapparates bewusst. Sie sind sich darüber bewusst, wie weit die Entweihung gemeinsamer nationaler Vermächtnisse durch die Totalitären fortgeschritten ist, vor allem bezüglich der grundlegenden Menschenrechte.

Es liegt an eben diesem öffentlichen Konsens und Dialog, dass in unserem Volk Weisheit und Rationalität stets die Oberhand über die Emotion behält, trotz all der bitteren und blutigen Ereignisse (der jüngsten Vergangenheit). Deshalb ist es den Störenfrieden nicht gelungen, unser Volk dazu zu bringen, dass es Gewalt anwendet, obwohl sie sich sehr darum bemüht haben, diejenigen zu provozieren, die geblutet, ihre Angehörigen verloren haben, im Gefängnis waren. Gewaltfreier Widerstand ist unsere stärkste Waffe gegen die Kugeln und elektrischen Schlagstöcke der unzivilisierten Schläger (der Regierung).

Millionen Menschen unseres Volkes sehen jetzt, welche Gruppen ihre Messer gezogen haben und junge und alte Männer und Frauen wild verfolgen. Sie sehen, welche Gruppen von minderwertiger Kultur und Höflichkeit [„civility“] bei den öffentlichen Kundgebungen unterwegs sind und die hässlichsten Worte und Parolen von sich geben. (Unser) Volk hat statt solcher Worte Kunstwerke geschaffen. (Unsere) Menschen haben einander farbenprächtige Plakate geschenkt, unzählige Filme und Poster verteilt, die aus dem Leben und den Kämpfen eines jeden hervorgegangen sind. Auf diese Weise haben die Menschen die von ihnen erduldeten Leiden und Schmerzen zu Erinnerungen gemacht.

A child by the name of joy
Eyes bright and glistening
Hair long as the heights of hope
Is lost of late.

Whoever has news of her
Let us know
Here between the Persian Gulf
And the Caspian Sea. [2]

[2. Die „Charta“]

Unterstützer des (Grünen) Pfads der Hoffnung,
Auf Empfehlung von Freunden während des Jahres der Geduld und der Ausdauer ist ein neues Programm erarbeitet worden, um eine bessere Kooperation und Kommunikation (zwischen den Mitgliedern der Grünen Bewegung zu fördern) und um die gemeinsame Identität der Bewegung selbst zu stärken.

Es ist klar, dass das vorgeschlagene Dokument nicht die Erwartungen und Forderungen aller (voll) erfüllen kann. Als ein unwichtiger Unterstützer [3] (der Bewegung), der versucht hat, eine Lösung für das gegenwärtige Dilemma zu finden, war ich inspiriert von den Wählern, die während der letzten Wahlkampagne die Menschenkette von Rah Ahan bis Tajrish gebildet haben. Sie hatten die Wahl zwischen „schlecht“ und „schlechter“, und sie wollten sich für „schlecht“ entscheiden. Es war allein diese Entscheidung, die die Kontinuität und Formation dieser denkwürdigen Menschenkette möglich machte. Wirkliche Reform beginnt mit diesem Verständnis des Begriffs „Entscheidung“ und der Übernahme von Verantwortung für eine Entscheidung zugunsten des einen und gegen das andere.

Dieses Dokument ist lediglich ein erster Schritt, und die Grüne Bewegung wird auf dem Wege ihrer Entwicklung eine bessere und vollständigere Zusammenstellung von Richtlinien erarbeiten.

„Die Wohnstatt des Jenseits geben wir denen, die weder Willkür noch Unheil auf Erden anstreben. Das beste Ende gebührt den Gerechten.“ [4]

a) Wurzeln und Ziele
1. Viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich bei der Mehrheit des iranischen Volkes und bei allen, denen (unser Land) am Herzen liegt, regimekritische Ansichten herausgebildet haben. Die stärkste Manifestation dieser Ansichten ist die iranische Grüne Bewegung, entstanden nach der 10. Präsidentschaftswahl.
Diese Faktoren sind die unzähligen Abweichungen von bzw. geplante Hindernisse für die Realisierung von Idealen wie Gerechtigkeit, Unabhängigkeit, Freiheit und die Institution der Islamischen Republik selbst, für die die glorreiche Islamische Revolution durchgeführt wurde.

2. Auf der Basis ihrer Verpflichtung gegenüber (diesen) Prinzipien und fundamentalen menschlichen, religiösen, moralischen und nationalen Werten betrachtet sich die Grüne Bewegung als ein Mittel der Reinigung und der Reform des von der Islamischen Republik nach der Revolution eingeschlagenen Kurses. Darum wird sie sich mit ihren Bemühungen im Rahmen der Verfassung bewegen und den Respekt vor den Wählerentscheidungen und Meinungen des Volkes (sicherstellen).

3. Die Grüne Bewegung ist eine Fortsetzung der Suche des iranischen Volkes nach Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und nationaler Souveränität, die sich zuvor in der Konstitutionellen Revolution, der Öl-Nationalisierungsbewegung und der Islamischen Revolution manifestiert hat.

4. Ein Blick auf die jüngere Geschichte (der Kämpfe unseres Volkes) im Streben nach aufgeklärten sozialen Idealen demonstriert, dass die Ziele der Grünen Bewegung nur durch folgende Schritte realisiert werden können: Stärkung der Zivilgesellschaft, Ausweitung des Raumes für soziale Dialoge, Stärkung des Bewusstseins, (Ermöglichung) des freien Informationsaustauschs, (Ermutigung) zur aktiven Beteiligung (verschiedener) Parteien und Vereine, Schaffung einer (liberalen Umgebung) für Intellektuelle und soziale und politische Aktivisten, die nationale Interessen verfolgen.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen gemeinsame Forderungen hervorgehoben werden. Dadurch wird die Zusammenarbeit und Koordination zwischen verschiedenen Mitgliedern der Grünen Bewegung ermöglicht, die trotz ihrer individuellen Identitäten den der Bewegung innewohnenden Pluralismus akzeptieren und sich unter ihrem Dach zusammengetan haben.

b) Grundsätzliche Strategien
1. Die Grüne Bewegung ist eine breite soziale Bewegung, die sich selbst nicht als unfehlbar betrachtet. Sie lehnt blasphemischen Absolutismus ab und erachtet Kritik und Dialog sowohl innerhalb als auch außerhalb der Bewegung für wichtig. Für Aktivisten, insbesondere auch für Intellektulle und Denker, ist es essenziell wichtig, den Kurs und die Entwicklung der Bewegung zu überblicken. Dadurch wird ein Abgleiten in Richtung Totalitarismus und Korruption verhindert.

2. Grünen Aktivisten zufolge wollen die Menschen Irans (Teil eines) stolzen, ehrenwerten und entwickelten Landes sein. Die Grüne Bewegung unterstützt Pluralismus und ist gegen alle Versuche einer Monopolisierung. Darum tolerieren wir keine Feindseligkeit oder Boshaftigkeit gegenüber irgendeiner sozialen Gruppe. Alle Personen, die sich selbst als Teil der Grünen Bewegung betrachten, haben eine Verantwortung, sich um einen Dialog (in einer gesunden Atmosphäre) mit Gegnern der Bewegung zu bemühen, um diesen die Ziele und Prinzipien der Bewegung nahezubringen. Wir alle sind Iraner, und Iran gehört uns allen.

3. Schlüsselthemen für Aktivisten der Grünen Bewegung sind u. a. die Ausweitung sozialer Netzwerke (virtuell oder real) und die Initiierung tiefgreifender Diskussionen über die Ziele und die Identität der Bewegung.

4. Die Grüne Bewegung weist ausdrücklich auf (die Wichtigkeit) des Schutzes der Unabhängigkeit (unseres Landes) hin und zieht Grenzen gegen (extensives) Engagement mit ausländischen Mächten. Sie will jedoch weder Isolation von noch Feindseligkeit gegen (andere Länder) und ist nicht empfänglich für voreingenommene Tendenzen (bezüglich der Außenpolitik).
Gerechtigkeit, Freiheit, Unabhängigkeit, Menschenwürde und Spiritualität sind universelle Werte. Eines der Ziele der Grünen Bewegung ist es, aus der Erfahrung anderer Länder zu lernen, die versucht haben, sich diese Werte anzueignen. Die Bewegung begrüßt die Ansichten und die Kritik aller freiheitssuchender und friedliebender Menschen, die nach menschlicher Freiheit und Würde streben.

c) Grüne Identität
Der iranisch-islamische Schatz

1. Die Grüne Bewegung besteht auf der fortdauernden Präsenz einer mitfühlenden Religion, die sich durch Vergebung, Spiritualität, Moral und der Wertschätzung der menschlichen Würde auszeichnet. Sie unterstreicht, dass eine Konzentration auf die ethischen und mitfühlenden Aspekte des Islam und der Islamischen Republik der einzige Weg ist, um religiöse Werte zu stärken. Die fundamentalen Prinzipien der Grünen Bewegung müssen (unser) national-religiöses Vermächtnis und den Wunsch nach Entwicklung und Fortschritt berücksichtigen; sie müssen sich klar davon distanzieren, Menschen eine Ideologie, Sekte oder Clique aufzuzwingen, sie müssen den Missbrauch der Religion als Werkzeug ablehnen und die Unabhängigkeit religiöser Institutionen und Geistlicher vom Staat schützen, um die herausragende Position der Religion zu erhalten. Und schließlich müssen sie die kontinuierliche und wichtige Rolle der Religion in unserer Gesellschaft erhalten.

2. Das Geheimnis bei der Bewahrung der islamisch-iranischen Kultur ist die Koexistenz unserer lanjährigen religiösen und nationalen Werte. Die Grüne Bewegung legt Wert auf die Bewahrung des Rechtes auf die Förderung der in den Gepflogenheiten der iranischen Kultur hochgehaltenen Werte und Lehren sowie auf den Bruch von Tabus, die zu fanatischem Verhalten führen. Sie will unsere wahre nationale und religiöse Identität für die Öffentlichkeit sichtbar machen.

3. Das iranische Volk hat in der Geschichte seines Kampfes für Freiheit [stets] Selbstvertrauen und Solidarität gezeigt. Indem die Grüne Bewegung sich auf ihre reiche Geschichte [„background“] und kollektives Denken [„reasoning“] stützt und selbstsüchtiges Handeln vermeidet, bewegt sie sich auf die Erreichung ihrer Ziele zu und bildet ein kollektives Verständnis der gemeinsamen Fragen und Probleme auf nationaler Ebene heraus.
Die Bewegung stützt sich ausschließlich auf kollektives Denken und monistische Grundprinzipien [„collective reasoning and monistic rationale“].

4. Die Grüne Bewegung ist eine iranisch-islamische Bewegung, die einen wahrhaft freien und fortschrittlichen Iran anstrebt. Daher gilt jeder Iraner und jede Iranerin, der/die sich für eine bessere Zukunft ihres/seines Landes einsetzt, als Aktivist bzw. Aktivistin der Grünen Bewegung. In unseren Augen gehört Iran allen Iranern.

d) Das Recht der Menschen auf [politische] Selbstbestimmung [„self-governance“]
1. Das Recht auf [politische] Selbstbestimmung ist ein eindeutiges Prinzip der Grünen Bewegung. Die Abhaltung von Wahlen ist das beste verfügbare Mittel, um dieses Prinzip zu praktizieren. Die Grüne Bewegung wird weiterhin danach streben, über die Stimme des Volkes zu wachen, bis im Land ein freies, faires Wahlsystem ohne Einmischung etabliert ist. Die Billigung durch das Volk (festgestellt durch ihre Wählerstimmen) ist die Quelle für die Legitimation der politischen Mächte. Die Grüne Bewegung erachtet jeden Versuch einer Auswahl von Wahlkandidaten auf der Grundlage persönlicher oder gruppenbezogener Präferenzen unter dem Banner der Prüfung der Kandidaturberechtigung als verfassungswidrig und bewertet sie als Einschränkung des Rechts auf [politische] Selbstbestimmung.

2. Freiheit und Fairness sind nicht möglich, solange wir unsere Unabhängigkeit und unsere nationalen Interessen unterminieren. Der Schutz unserer nationalen Interessen ist einer der Grundsätze der Grünen Bewegung.

e) Die Werte der Grünen Bewegung

Respekt vor der Menschenwürde und Ablehnung von Gewalt

1. Der Respekt vor der Menschenwürde unabhängig von Ideologie, Religion, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und sozialem Status ist eine der primären Forderungen der Grünen Bewegung.
Die Grüne Bewegung befürwortet uneingeschränkt den Schutz der Menschenrechte, die eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit sind.

Menschenrechte sind von Gott gegeben, weshalb kein Herrscher, keine Regierung, kein Parlament und keine andere Macht sie wieder nehmen oder ihren Schutz behindern kann. Um diese Rechte schützen zu können, müssen fundamentale Prinzipien wie Gleichheit, Toleranz, Dialog, Frieden und friedliche Problemlösung beachtet werden. Diese fundamentalen Prinzipien können gewahrt werden, wenn wir eine unabhängige Presse haben, die Zensur abschaffen, Zugang zu Informationen haben, die Zivilgesellschaft stärken, die Privatsphäre der Bürger schützen, freie Arbeit von Nichtregierungsorganisationen gewährleisten und Gesetze und Regeln so reformieren, dass jedwede Art von Diskriminierung in der Gesellschaft beseitigt wird.

2. Die Grüne Bewegung ist eine soziale Bewegung, die sich der Gewaltfreiheit verschrieben hat. Sie hat sich verpflichtet, innerhalb des Rahmens der Verfassung zu agieren. Sie ist der Meinung, dass das Volk Hauptopfer jeder Form von Gewalt ist und verlässt sich daher auf das Mittel des Dialogs und des friedlichen Widerstands, um ihre Agenda zu verfolgen. Gewaltfreier Widerstand ist ein nicht kompromissfähiger Wert dieser Bewegung. Die Grüne Bewegung wird das Mittel des gewaltfreien Widerstandes restlos ausschöpfen, um ihre Ziele zu erreichen.

Gleichheit und Freiheit

3. Gleichheit hat in der Grünen Bewegung einen hohen Stellenwert. Die faire Verteilung von Ressourcen – seien es wirtschaftliche, politische oder soziale – ist ein unstrittiges Ziel der Grünen Bewegung, für das sie alles notwendige tun wird.

Es ist nur möglich, für Gerechtigkeit innerhalb der Gesellschaft zu sorgen, wenn die Regierungsorganie – innen- wie außenpolitisch – vollständig unabhängig von eigennützigen Organisationen, politischen Mächten oder Gruppierungen agieren können. Unter diesen Bedingungen kann die Regierung die Wirtschaft vorantreiben, Wohlstand und Wohlergehen für die Bevölkerung garantieren und soziale Gerechtigkeit gewährleisten.

4. Die Grüne Bewegung sieht die Notwendigkeit, die Forderungen aller sozialen Gruppen anzusprechen und unterstreicht die Notwendigkeit eines Schulterschlusses mit der Mittelklasse und den unteren Einkommensklassen, die unter Bedingungen sozialen und politischen Drucks am verletzlichsten sind. Mit Bezug auf Sektion 9 der Verfassung lehnt die Grüne Bewegung jede Verletzung der Bürgerrechte im Namen des Schutzes der Unabhängigkeit oder der territorialen Integrität strikt ab. Die Grüne Bewegung anerkennt uneingeschränkt den Wert politischer, kultureller, wirtschaftlicher und militärischer Unabhängigkeit und erklärt den „Schutz des Rechtes auf politische Selbstbestimmung [„self-governance“] in allen seinen Aspekten“ zum einzigen Weg, mit dem unsere Grenzen und unsere nationalen Interessen geschützt werden können.

5. Die Garantie von Freiheit und Gleichheit waren unstrittige Ziele der Islamischen Revolution, die die Grüne Bewegung sich zueigen gemacht hat und an denen sie festhält.

Förderung der Diversität, Ablehnung der Monopolisierung der Medien und Ablehnung der Abschaffung von Oppositionen und Minderheiten sind zentrale Themen der Grünen Bewegung. Es ist essenziell, dass die Menschen von politischer (Totalitarismus), sozialer (Diskriminierung und Ungleichheit) und kultureller (ideologischer Abhängigkeit) Bevormundung befreit werden. Die Grüne Bewegung unterstützt die Frauenbewegung uneingeschränkt und verurteilt geschlechterbasierte Diskriminierung. Sie unterstützt die Rechte ethnischer Minderheiten ohne Einschränkung.

6. Die Grüne Bewegung glaubt, dass Sicherheit nicht nur in der Sicherheit der Regierung, sondern in der Sicherheit eines jeden iranischen Bürgers besteht. Sicherheit muss für alle Bürger gewährleistet werden, damit sie unter dem Schutz des Gesetzes, frei von Furcht und Abhängigkeit leben können. Die Einmischung bewaffneter Kräfte und Sicherheitskräfte in die Politik, die Einmischung verantwortungsloser Kräfte in militärische (Sicherheits-)Fragen und der dominierende Einfluss von bewaffneten Kräften und Sicherheitskräften auf die Justiz, Nichteinmischung der bewaffneten Kräfte in politische und wirtschaftliche Aktivitäten, Bestrafung der Organisatoren und Mitglieder der sogenannten „Kräfte in Zivil“ sind einige der dringlichsten Forderungen der Grünen Bewegung.

7. Die Grüne Bewegung fordert die Umsetzung aller Artikel der Verfassung, insbesonderer derer, die sich auf die Rechte des Volkes beziehen (2. Kapitel). Dies ist definitiv und unveränderlich Forderung und Ziel der Grünen Bewegung.

8. [Die Grüne Bewegung fordert] Freiheit für alle politischen Gefangenen, Abschaffung gesetzlicher Restriktionen entlang des sicherheitsorientierten Ansatzes im Hinblick auf die Aktivitäten politischer Parteien und sozialer Gruppen und Bewegungen, wie z. B. der Frauen-, der Studenten- und der Arbeiterbewegung etc.
Zu diesem Zweck müssen folgende Strategien klar befolgt werden: Faire Prozesse für alle, die den Wahlbetrug sowie die Folter und Ermordung von Demonstranten (die gegen den Wahlbetrug protestierten) authorisiert und durchgeführt haben; Enttarnung und strafrechtliche Verfolgung aller, die auf verschiedenen Ebenen der Machthierarchie und der Regierung für den theoretischen Entwurf und die Verteidigung der Gewalt verantwortlich sind.

Moralisches Handeln und Respekt gegenüber persönlicher und sozialer Kreativität

1.Leider muss gesagt werden, dass die falschen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ansätze der Regierung zu einem Niedergang ethischer Standards und zu einem Rückgang des sozialen Kapitals in unserer Gesellschaft geführt haben. Die Grüne Bewegung verweist nachdrücklich auf die Notwendigkeit einer Wiederbelebung unserer Ethik als dem gemeinsamen Grund und dem vereinenden Element des sozialen Lebens im Iran, und verspricht, sich in ihrem Kampf für die Realisierung der Bürgerrechte des (iranischen) Volkes voll und ganz an ethnische Prinzipien zu halten.

2.Die Grüne Bewegung ist weder eine zentralisierte Partei, noch eine Ansammlung unorganisierter und zielloser Individuen. Ein Blick auf die historischen Erfahrungen des iranischen Volkes zeigt, dass es in historischen Notsituationen immer wieder sein Bewusstsein, seine Fähigkeit und sein tiefes Verständnis unter Beweis gestellt und bei der Bahnung des Weges zur Erreichung seiner Ziele auf seine Kreativität zurückgegriffen hat.

In Übereinstimmung mit ihren grundlegenden Prinzipien und Ursprüngen sowie mit der Nutzung sozialer Netzwerke stützt sich die Grüne Bewegung auf das Denken, das Verständnis und die bürgerlichen Neuerungen des iranischen Volkes. Sie glaubt, dass Ziele wie Gerechtigkeit und Freiheit nur erreicht werden können, wenn diese kreativen Kräfte sich entfalten. Die Parole unseres Wahlkampfes: „Jeder Iraner – eine Kampagne“ kann jetzt abgeändert werden in „Jeder Iraner – eine Bewegung“.

Gesetzestreue und Verhandeln

1.Die Grüne Bewegung wünscht sich für das iranische Volk gemäß ihrer Vereinbarung – der Verfassung – eine leuchtende Zukunft und verfolgt die immerwährenden Ziele und Ideale der Islamischen Revolution. Sie stellt sich kritisch zu den Entwicklungen, die es seit (der Revolution) gegeben hat, vor allem hinsichtlich der Beziehung zwischen Staat und Volk [„nation“].

2.Somit ist die „Umsetzung der Verfassung ohne Ausnahmen“ die grundlegende Strategie der Grünen Bewegung. Die Bewegung glaubt, dass eine Überwindung der Krisen, die wir heute erleben, sowie Entwicklung und Fortschritt für unser Volk nur ermöglicht werden können, wenn wir zum Gesetz zurückkehren, seine Umsetzung in allen Institutionen durchsetzen und diejenigen bestrafen, die sich – in welcher Position und in welchem Amt auch immer – nicht daran halten. Die Grüne Bewegung ist sich außerdem absolut darüber bewusst, dass Gesetzestreue etwas anderes ist als die Instrumentalisierung des Gesetzes durch die Herrschenden. Wir müssen einen Punkt anstreben, an dem das Gesetz nicht zum Werkzeug für ungerechtfertigte und verkommene Gewalt oder als Mittel zur Verletzung der grundlegendsten Rechte des Volkes missbraucht wird, und an dem Gewalt, Unrecht und Diskriminierung nicht länger für rechtmäßig erachtet werden.

3.Die nationalen Gesetze und die Verfassung sind keine ewigen und unabänderlichen Dokumente. Jedes Volk hat das Recht, seine existierenden Gesetze zu ändern, um seine allgemeine Richtung zu korrigieren. Allerdings ist eine Verfassungsänderung nur dann gültig, wenn sie durch Verhandlungen und Dialoge innerhalb der Gesellschaft unter Beteiligung aller Gruppen und Fraktionen und ohne jede Form von Dogmatismus, Ausschließung und Schikane erfolgt.

4.Die Ausweitung der Zivilgesellschaft und die Stärkung des öffentlichen Einflussbereichs gehören zu den wichtigsten Prinzipien der Grünen Bewegung. Die Bewegung ist der Ansicht, dass Vertreter verschiedener Denkschulen und politischer Gruppen [miteinander] in Verhandlungen und Dialoge treten müssen, damit unsere nationalen Interessen gesichert, die Ziele der Islamischen Revolution erreicht und die unerfreulichen Effekte der jüngsten Krise gemildert werden können. Daher begrüßen wir jede Aufforderung zu transparenten Verhandlungen und Diskursen, die zum Ziel haben, die Rechte der Menschen zu schützen und die (gegenwärtigen) sozialen Konflikte zu lösen.

5.Die Bewegung fordert die Stärkung der iranischen Wirtschaft auf internationaler Bühne, Investitionen und erhöhte Kaufkraft für die Bevölkerung. Die Grüne Bewegung wünscht sich eine rationale und respektvolle Außenpolitik auf der Grundlage transparenter und konstruktiver Interaktion mit der Welt. Sie lehnt abenteurerhafte und populistische Diplomatie ab, damit die Außenpolitik dem großen und historischen Volk Irans zu höherer Wertschätzung in der Welt verhelfen kann.

Ein demütiger Gefährte der Grünen Bewegung,

Mir Hossein Moussavi

Fußnoten:

[1] Koran 13:17.

[2] Mohammad Reza Shafiee Kadkani, bekannter iranischer Gelehrter und Dichter

[3] Dies ist eine direkte/wörtliche Übersetzung. Es ist keine Äußerung falscher Bescheidenheit, sondern soll dem Leser verdeutlichen, dass jedes Mitglied gleich wichtig ist.

[4] Koran 28:83 (Deutscher Übersetzungsversuch von Julia)

Moussavis Botschaft anlässlich des Internationalen Tages der Arbeit und des nationalen Lehrertages

Veröffentlicht bei Khordaad88 am 30. April 2010
Quelle (Englisch): http://khordaad88.com/?p=1594
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Deutsche Übersetzung des Transkripts

Mir Hossein Moussavi hat in einer Videobotschaft zum Internationalen Tag der Arbeit (1. Mai) und zum iranischen Tag der Lehrer (2. Mai) hervorgehoben, dass die Beiträge der Arbeiter und Lehrer zur Macht und zum Erfolg der Nation äußerst wichtige Faktoren sind. „Die einzige Art und Weise, wie die rechtmäßigen Forderungen von Lehrern, Arbeitern und aller anderen Gruppen der Gesellschaft umgesetzt werden können, ist die Neubelebung der Verfassung und die Aufrechterhaltung der größtenteils vergessenen Bürgerrechte“, so Moussavi

Das Transkript der Videobotschaft, die Video- und Audiofiles und ein mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Video wurden von Kalemeh zur Verfügung gestellt. Die [deutsche Übersetzung des] Transkripts folgt hier.

Grüße an alle Arbeiter und Lehrer des Landes
Ich wünsche Ihnen allen einen glücklichen Tag der Arbeit bzw. Tag der Lehrer. Uns stehen zwei sehr wichtige Tage bevor. Die Gedanken und Taten unserer Arbeiter und Lehrer sind die wichtigsten Indikatoren für den Erfolg unserer Nation. Sie produzieren Wohlstand, Wissenschaft, Tugend und Moral in unserem Land, und ohne ihre harte Arbeit wäre es nicht möglich, fundamentale Ziele zu erreichen und grundsätzliche Werte einzuhalten. Nach der Bildung von Regierungen und Nationen ist die Rolle dieser beiden Gruppen sehr wichtig geworden, und aus diesem Grund widmen Länder ihren Problemen, Neigungen, ihrem Schicksal und ihrem Glück besondere Aufmerksamkeit.

Der Internationale Tag der Arbeit wird weltweit gefeiert, und in unserem Land ist er ein Zeichen für die Aufmerksamkeit für die Arbeiter und ein Beweis ihrer wichtigen Rolle. Seit den Anfängen der Islamischen Republik ist es Tradition, diesen Tag – ebenso wie den Tag der Arbeiter, der ebenso wichtig ist – zu begehen. Hier, in dieser kurzen Botschaft würde ich mit Ihnen gern die allgemeinen Fragen teilen, die beide Gruppen, aber auch andere Gruppen der Gesellschaft, bewegen.

Die Wahrheit ist, dass sich das Land, während wir auf diese beiden Tage zusteuern, in einer Krise befindet und vor riesigen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Problemen steht. Jedes dieser Probleme hat drastische Auswirkungen auf die Geschicke und das tägliche Leben dieser beiden Gruppen.

Der Binnenmarkt des Landes ist in den Händen des Auslands
Wir alle erleben die wirtschaftliche Situation: Inflation, Investitionsrückgang, Korruption, die Verbreitung von Lügen und die Förderung von Inkompetenz, nicht ausgezahlte Löhne der Arbeiter, steigende Arbeitslosigkeit, täglich werden Fabriken geschlossen oder arbeiten unterhalb ihrer Auslastung. Bei alledem sind unsere Binnenmärkte von ausländischen Waren überschwemmt worden. Die Realität ist, dass wir alle unsere inländischen Märkte für Waren, Dienstleistungen und Investitionen an Ausländer abgegeben haben. Wir alle wissen von den negativen Folgen, die dies auf die Zukunft unserer Nation, unsere Unabhängigkeit und auf die Geschicke unserer Arbeiter haben wird.

Die Probleme und Angelegenheiten der Arbeiter und Lehrer sind mit den meisten Problemen und Angelegenheiten des Landes verknüpft
Andererseits sind unser Freiheiten eingeschränkt. Stimmen werden zum Schweigen gebracht, Zeitungen werden geschlossen, die Gefängnisse füllen sich mit politischen Gefangenen, und den Gewerkschaften und politischen Vereinigungen werden Grenzen auferlegt. Diese ziehen sowohl Arbeiter und Lehrer als auch andere Gruppen in Mitleidenschaft. Darum ist es sehr wichtig, dass die Arbeiter und Lehrer sich bewusst werden (ich weiß, dass sie dies schon tun), dass die Probleme und Härten, die sie erleben und in ihrem Alltag zu spüren bekommen, direkt verbunden sind mit den wichtigsten Problemen und Fragen des Landes.

Die Forderungen der Arbeiter und Lehrer sind fundamentale und prinzipielle Forderungen der Nation
Die gegenwärtigen Forderungen eines Arbeiters oder eines Lehrers, die natürlichen Forderungen dieser beiden Gruppen, sind die grundsätzlichen und sehr fundamentalen Forderungen des gesamten Landes. Was will ein Arbeiter oder ein Lehrer? Beide wollen, dass das Land sich entwickelt. Sie profitieren von einer Entwicklung des Landes. Die fehlende Entwicklung im Land schadet der gesamten Nation und ist äußerst schädlich für die Arbeiterklasse in Industrie und Dienstleistung, sei es auf dem Land in den Dörfern oder woanders, und sie schadet auch den Lehrern.

Sie (die Arbeiter und Lehrer) wollen Freiheit, denn Freiheit ermöglicht es ihnen, sich in Gewerkschaften und politischen Vereinigungen zusammenzuschließen und Wege zur Lösung ihrer eigenen, aber auch der Probleme der Nation zu finden.

Sie streben nach sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit und Würde, [beides] würde sie in die Lage versetzen, [dem Land] besser zu dienen und größeren Wohlstand zu schaffen. Es würde sie in die Lage versetzen, die Wirtschaft des Landes zu schützen. Und mit ihrer Arbeit in Industrie und den Märkten schützen sie die Unabhängigkeit des Landes und unterstützen schließlich Innovation und Fortschritt.

Politiker haben die Lehrer degradiert, aber der Status der Lehrer in der Gesellschaft bleibt unverändert
Die Revolution begann mit dieser Idee. Wir sollten uns daran erinnern, dass die meisten Abgeordneten im ersten Parlament (nach der Revolution) Lehrer waren. Die Märtyrer Rajaii, Baahonar und Motahari waren Lehrer. Shariyati war Lehrer. Die Lehrer genossen im Land Vertrauen. Ich sollte hinzufügen, dass dieser Beruf zwar in den Augen der Politiker an Wert verloren hat, aber nicht in den Augen der Nation. Lehrer und Arbeiter sind nach wie vor eine einflussreiche Kraft der Gesellschaft, der Vertrauen entgegengebracht wird. Doch bestimmte Vorgehensweisen haben die politische Macht dieser Gruppen verringert. Die hohe Position der Lehrer und der Respekt, der ihnen entgegengebracht wurde, haben sie in die Lage versetzt, eine Atmosphäre des tiefen Denkens und der Wisschenschaftlichkeit im Land zu schaffen und eine stolze und produktive Generation auszubilden. Viele Lehrer und Arbeiter verteidigten das Land an der Front (während des Iran-Irak-Krieges). Doch heute sind viele Lehrer und Arbeiter im Gefängnis. Dies im Vorfeld dieser beiden Tage sagen zu müssen ist sehr bitter.

Wir haben die Außenpolitik zum Wohl der Arbeiter und Lehrer ausbalanciert
Es ist ganz natürlich, dass wir auf Freiheit, Gerechtigkeit, Wohlstand und Entwicklung für das Land und andere Aspekte achten. Die Arbeiter und Lehrer zum Beispiel sind vehement gegen die Korruption. Sie wissen, dass es ihnen und ihren Interessen, aber auch den Interessen der Nation und der nationalen Sicherheit des Landes schadet, wenn das Thema der riesigen Öleinnahmen angesprochen wird, während das Versprechen, dass Millionen Dollar an die Familien weitergegeben werden soll, niemals eingelöst wurde und sie stattdessen von Korruptionsfällen, Inkompetenz und Mismanagement in der Wirtschaft des Landes hören. Natürlich haben wir bewusst unsere Außenpolitik zum Wohl der Lehrer und Arbeiter ausbalanciert. Wir sollten nicht so viel Dramatik verursachen. Wir sollten nicht ohne eine zielgerichtete Agenda weitermachen. Wir sollten unsere nationalen Interessen nicht dadurch gefährden, dass wir so viele Höhen und Tiefen herbeiführen.

Unbesonnenes Handeln wird sich auf die Qualität des Lebens der Menschen auswirken
Die Sicherheit des Landes wird nicht mittels Schusswaffen und Militärgewalt gewährleistet werden

Die Auswirkungen dieses verantwortungslosen Handelns macht sich sofort auf den Küchentischen der Bevölkerung bemerkbar. Die Größe eines Landes liegt in der Hoffnung und Ermutigung dieser Nation hinsichtlich ihrer Zukunft, in ihrer Perspektive und ihren Hoffnungen für ihre Zukunft. Waffen und bewaffnete Kräfte können die Sicherheit in einem Land nicht gewährleisten. Wir haben während der heiligen Zeit der Verteidigung (Iran-Irak-Krieg) keine Arme und keine Revolutionsgarden organisiert. Beide wurden schrittweise etabliert. Tatsächlich war es so, dass die Armee zu Beginn der Revolution aufgelöst und später neu organisiert wurde; auch die Basijis und die Revolutionsgarden wurden später gebildet. Unser Widerstand während dieses achtjährigen Krieges, dem wir es zu verdanken haben, dass wir nicht einen Zentimeter unseres Landes an den Feind verloren, waren in der Tat nicht unsere vielen Waffen! Unser Feind hatte mehr Waffen und mehr Unterstützung und die Hilfe der gesamten Welt, aber unsere Nation, auch die Arbeiter und Lehrer, konnte Widerstand leisten. Das lag an der Hoffnung des Volkes auf die Zukunft des Systems. Doch es ist natürlich, alle Hoffnung und allen Glauben in das System zu verlieren, wenn dieses Vertrauen gebrochen wird, wenn Korruptionsfälle aufgedeckt, aber nicht verfolgt werden, wenn sie sogar im Parlament zur Sprache kommen und dennoch nichts geschieht, und plötzlich werden die Akten geschlossen, und nichts wird mehr darüber gesprochen.

Die Probleme der Arbeiter und Lehrer sind dieselben wie die der Nation
Liebe Arbeiter und Lehrer, ihr müsst wissen, dass eure Probleme die Probleme der ganzen Nation und nicht davon getrennt sind. Wenn ihr Probleme bei der Bildung unabhängiger Gewerkschaften habt und bei allem, was ihr tut, mit Problemen, Einschränkungen und Verhaftungen konfrontiert werdet, wenn ihr beim Betreten des Klassenzimmers Furcht und Sorge verspürt, weil ihr nicht wisst, wie ihr vor euren Schülern die richtigen Worte finden und für Gerechtigkeit eintreten könnt, dann setzt euch mit erhobenem Kopf und mit Stolz dafür ein und legt Zeugnis dafür ab, dass das Weiße hell ist und das Schwarze dunkel. Gebt nicht auf. Wenn ihr Angst bekommt und Unsicherheit verspürt, ist es klar, dass diese Sorgen nationale Sorgen sind, die Sorgen von uns allen.

Der Weg, den die Grüne Bewegung diesbezüglich geht, basiert auf der Tatsache, dass die Lösung für unsere Probleme von einer Reihe von Maßnahmen abhängt. Wir lösen diese Probleme nicht, indem wir mal Versprechen und mal Almosen geben, Gehälter mal anheben, mal senken, oder wenn wir beispielsweise kurz vor den Wahlen aktiv werden und von einem Problem zum anderen springen. Damit werden die Probleme unserer Lehrer, Arbeiter, Arbeitgeber und Unternehmer nicht gelöst.

Es gibt für uns keinen anderen Weg als die Rückkehr zur Verfassung
Ich glaube, dass die Rückkehr zur Verfassung, die Umsetzung der gesamten Verfassung, der einzige Weg ist. Das ist der am wenigsten kostspielige Weg. Das ist der Weg zur Lösung unserer Probleme auf nationaler Ebene, zur Lösung der Probleme unseres islamischen [iranischen?] Markts, damit er nicht mit ausländischen Produkten niederer Qualität überschwemmt wird. Wir können unsere heimischen Industrien schützen, damit wir die Rechte unserer Arbeiter schützen können und sie ihre Jobs nicht verlieren und nicht jeden Tag auf ihre nicht ausgezahlten Löhne warten müssen. Damit wir nicht in den ausländischen Märkten begraben werden, und damit unsere Arbeitskraft nicht verschwendet wird. Indem wir zur Verfassung zurückkehren können wir Korruption verhindern, und indem wir die Rechte der Menschen wiederherstellen, können wir die Probleme lösen. Es gibt keinen anderen Weg als freie Wahlen ohne Vorauswahl und unter Wettbewerbsbedingungen, als Pressefreiheit und Freilassung der politischen Gefangenen und Gruppen. Wir haben keinen anderen Weg. Die Annäherung an unsere Verfassung kommt der gesamten Nation und allen denen zugute, die ihrem Volk dienen und den Wohlstand ihrer Nation anstreben.

Wir haben dem Volk versprochen, die Verfassung umzusetzen. Die Rechte der Menschen gehören zu den am meisten vernachlässigten Bestandteilen der Verfassung.
Dies ist unser nationales Abkommen und die Vereinbarung zwischen Volk und Regierung. Jedes Nachlassen in dieser Vereinbarung ist ein Betrug am Vertrauen der Menschen. Das Volk und die Regierung haben unterschrieben, dass die Regierung die Verfassung ohne Manipulationen umsetzt. Wenn wir der Meinung sind, dass Teile der Verfassung nicht effizient sind, müssen wir sie reformieren. Die Verfassung ist nicht in Stein gemeißelt, aber wir müssen nach der Verfassung handeln und die Rechte der Menschen, die von allen Teilen der Verfassung am meisten vernachlässigt werden, respektieren. Die Probleme werden also nacheinander gelöst, und auf diese Weise wird der Status der Lehrer und Arbeiter, so Gott will, auf eine Weise wiederhergestellt werden, der für unser Land und unsere Gesellschaft angemessen ist.

Ich wünsche Ihnen Erfolg. Mögen diese beiden Tage für die gesamte Nation glückliche Tage sein.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Moussavi: Es geht uns nicht um Macht, sondern um nationale Interessen

Ins Englische übersetzt und veröffentlicht von Khordaad88 am 22. April 2010
Quelle (Persisch): Jaras
Englische Quelle der vorliegenden Übersetzung: http://khordaad88.com/?p=1574
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Anlässlich seines heutigen Treffens mit einer Gruppe national-religiöser Aktivisten sagte Moussavi: „Es gibt für die Erreichung unserer nationalen Interessen und einer wünschenswerten Gesellschaft keinen anderen Weg, als an der Grünen Bewegung festzuhalten. Es ist ein Prozess, der Geduld, Beharrlichkeit und große Ausdauer gegenüber den bevorstehenden Schwierigkeiten und Herausforderungen erfordert.“

Die Grüne Bewegung verfolge selbstgesetzte Ziele, die ihren Ursprung in den Werten und Forderungen des iranischen Volkes hätten, so Moussavi weiter. „Wir müssen eine kohärente Zivilgesellschaft errichten und dafür alle verfügbaren Ressourcen im Land nutzen“. Für die schrittweise Errichtung der gewünschten Zivilgesellschaft sei es notwendig, für die verschiedenen Angelegenheiten des Landes „grüne Volksinstitutionen“ zu schaffen. „Was am 25. Khordaad [15. Juni] des letzten Jahres in Teheran geschehen ist – die überwältigende und friedliche Präsenz der versammelten Menschen in einer Atmosphäre des Friedens, der Geduld, Beharrlichkeit und Verwandschaftlichkeit, verbunden mit ihrer Reaktion als zivile Regimekritiker – ist ein perfektes Beispiel dafür, wie die gewünschte Zivilgesellschaft aussehen kann.“

Moussavi unterstrich die „Notwendigkeit von politischen Zielen und Werten im Leben“ und sagte: „Unser Ziel ist kein einfaches, und der Weg, der vor der Grünen Bewegung liegt, ist lang und voller Windungen und Wendungen. Auch wenn es durchaus möglich ist, dass die Grüne Bewegung ihre Ziele wesentlich früher als erwartet erreichen kann, müssen wir geduldig bleiben und in unserer Beharrlichkeit nicht nachlassen. Um die Grüne Bewegung fortzusetzen, müssen wir mit ihr leben.“

Geduld und Beständigkeit hat einen Preis
„Natürlich ist es nicht einfach, in der Verfolgung der Ziele der Grünen Bewegung geduldig und beständig zu bleiben. Daran führt kein Weg vorbei. Wir werden mit Härten, Herausforderungen, Einschränkungen und Behinderungen, Druck, hartem Durchgreifen und Gefängnis konfrontiert werden, aber es gibt keinen anderen Weg für uns, als durch diese Dinge hindurchzugehen.“

In Anspielung auf Diskusssionen über Tendenzen [politischer] Parteien, nach Macht zu streben, fügte Moussavi hinzu: „Das ist kein Makel für Parteien, aber in der Grünen Bewegung ist das Ziel der Macht lediglich ein Nebenaspekt hinter den Hauptzielen der Grünen Bewegung. Das Ziel der Bewegung ist es, die Gesellschaft zu revolutionieren und eine Zivilgesellschaft zu schaffen, die die Iraner verdienen. Dieser Ansatz, der den Aspekt der Macht bewusst hintanstellt, macht uns ruhig und gelassen. Wenn es uns gelingt, dass diese Einstellung in der Gesellschaft Fuß fasst, werden wir davon sehr profitieren.“

Veränderungen kommen durch neue Ideen
Moussavi unterstrich, dass die „Schaffung von Bewusstsein sehr hohe Priorität“ habe. „Veränderungen sind möglich, wenn neue Ideen geboren werden. In unserem Fall scheint die Idee bereits geboren zu sein. Je weiter wir diese Idee fassen, desto breiter können die Bandbreite und die Möglichkeiten der Grünen Bewegung werden.“

„Mehr als je zuvor müssen wir versuchen, unter den Bürgern, die noch in der ‚Grauzone‘ leben und weder die Grüne Bewegung, noch das Establishment unterstützen, Bewusstsein zu schaffen. Wir müssen ihnen von dem ‚leuchtenden Bereich‘ [„lucid area“] erzählen und sie auf die Seite der Grünen Bewegung bringen.“

„Die, die an der Macht sind, betrachten den Anstieg des Bewusstseins mit Misstrauen. Tatsächlich sind sie so beunruhigt, dass sie auf den Anstieg des Bewusstseins über die Anzahl der Märtyrer der Bewegung, über das, was in den Niederschlagungen wirklich passierte, über die Klärung der Ziele der Bewegung, über die Veröffentlichung der unmenschlichen Behandlung der Gefangenen, mit extremer Härte reagieren.“

Presse und Medien
„Die Presse und die Medien sind für die Bewegung kritische Themen. Leider sind wir aus verschiedenen Gründen in diesen Bereichen (Presse, Medien, Schaffung von Bewusstsein in der Gesellschaft) im Verzug. Wir nutzen Internet und Cyberspace noch nicht optimal.“

An anderer Stelle seiner Rede unterstrich Moussavi: „Wir müssen alle zusammenhalten und einander beistehen. Wir müssen uns auf einige Minimalforderungen einigen und Ziele und Parolen auswählen, hinter denen die Mehrheit stehen kann. So wie alle regimekritischen Bürger die Farbe Grün als einen gemeinsamen Nenner angenommen haben, müssen wir Minimalforderungen finden, die wir alle unterstützen können, so dass die Grüne Bewegung sich ausbreitet.“

Es geht uns um nationale Interessen
Moussavi sagte weiter: „Es muss allen klar sein, dass es uns ausschließlich um nationale Interessen geht. Hier sind keine eigenen [persönlichen] Interessen im Spiel. Wir wollen uns nicht hinter die Unterdrücker und die Unterdrückung stellen. Wir stehen hinter den Unterdrückten. Ich muss allerdings hinzufügen, dass die Grüne Bewegung Gespräche und Verhandlungen bevorzugt. Wir alle müssen uns an einem Dialog beteiligen, unsere Ideen sammeln, zusammen mit allen Gruppierungen, denen der Iran am Herzen liegt. Wir müssen uns um unsere nationalen Interessen kümmern, um diesen langen und schwierigen Weg, der vor uns liegt, fortsetzen zu können.“

Fürsprecher einer mitfühlenden Religion
Moussavi betonte: „Wir sind Fürsprecher einer mitfühlenden Auslegung der Religion, einer Auslegung, die ein Maximum an Toleranz für die Verschiedenheit von Meinungen aufbringt.“

„Eine solche mitfühlende Auslegung ist kein einfaches Ziel, aber die Grüne Bewegung spürt das Gewicht dieses Ziels auf ihren Schultern. Ich ahne die Gefahr, die in der Entfernung unserer neuen Generationen von der Religion und religiösen Werten lauert. Harte Reaktionen, Gewalt, Niederschlagungen im Namen der islamischen Regierung könnten große Teile der Jugend veranlassen, sich von jeder Art von Religion abzuwenden.“

Moussavi spielte auf jüngste Veränderungen an: „Anstatt uns an eine Art des Regierens zu klammern, müssen wir flexibler sein (= andere Formen finden, die unseren Bedürfnissen besser Rechnung tragen)“. Er erklärte: „Moderne Künstler haben zwei Ansätze. Einige setzen das, was sie sehen oder sich vorstellen, in ein Gemälde um. Die anderen beginnen zu arbeiten, ohne zu wissen, wie das Werk am Ende aussehen wird, und lassen so Schritt für Schritt Bilder entstehen, die dann zu einem Gemälde werden. Was in der Grünen Bewegung zur Zeit passiert, lässt sich mit dem zweiten Ansatz charakterisieren.“

Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Moussavis Besuch bei Momeni: Niemand kann die neue Jahreszeit aufhalten

Ins Englische übersetzt und veröffentlicht von Khordaad88 am 11. April 2010
Quelle (Persisch): Tahavolkhahi
Quelle (Englisch): http://khordaad88.com/?p=1543#more-1543
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Das Ehepaar Moussavi besucht den vor Kurzem freigelassenen Abdollah Momeni

Mitglieder der Isfahaner „Institution of Intellectuals“, einem Teil der nationalen studentischen Alumni-Gemeinschaft, sind mit ihrem kürzlich aus dem Gefängnis freigelassenen Sprecher Abdollah Momeni zusammengetroffen. Gleichzeitig statteten Mir Hossein Moussavi und seine Frau Zahra Rahnavard Momeni ebenfalls einen Besuch ab.

Moussavi äußerte während dieses Besuchs große Zuversicht bezüglich der Zukunft der Oppositionsbewegung des iranischen Volkes. „Eine neue Jahreszeit wird anbrechen, und man kann sie nicht aufhalten“, so Moussavi. Auf die Frage, warum er nach der Wahl nicht aufgegeben habe, sagte Moussavi, die wichtigste Motivation sei für ihn die Wiederbelebung der Rechte der Menschen auf der Grundlage (seiner) Verpflichtung gegenüber den Fundamenten der Ethik, dem Islam und dem Humanismus. „Unsere moralische Pflicht muss es sein, das Dunkle realistisch als dunkel zu benennen und das Helle als hell… Nachdem die iranische Nation in so großer Zahl zur Wahl gegangen war, fühlte ich mich verpflichtet, an ihrer Seite zu bleiben, oder, um die Wahrheit zu sagen, zu ihnen hinzulaufen.“

Auf die Frage nach der Zukunft der Bewegung und der Befähigung ihrer Führer zur Erarbeitung von Lösungen, mit denen die Ziele der Grünen Bewegung erreicht werden können, sagte Moussavi, die Bewegung, die sich im vergangenen Juni gebildet hat, habe die wichtige Eigenschaft, dass sie Menschen verschiedenster Schichten und Meinungen außerhalb und innerhalb des Landes zusammen gebracht habe. Die Schaffung sozialer Netzwerke und andere kreative Aktionen könnten eine effektive Rolle bei der Erreichung der Ziele der Bewegung spielen.

Zu den Programmen der Bewegung für die Zukunft sagte Moussavi: „Man kann die Oppositionsbewegung der Menschen nicht wie ein Gemälde verstehen, bei dem der Künstler eine detaillierte Vision vor seinem geistigen Auge sieht und beim Malen dieser Vision folgt. Vielmehr muss man abwarten, bis sich mit der Zeit und entsprechend dem jeweiligen Kontext der Gesellschaft die Einzelheiten und Besonderheiten der Bewegung zeigen – auch wenn grundsätzliche Vorstellungen und Grundzüge der Bewegung schon bekannt sind.“

Zum Schluss bemerkte Mir Hossein Moussavi, die Oppositionsbewegung habe bereits einige sehr große Siege errungen. „Selbst wenn Jahre vergehen und diese Tage in der Erinnerung der Menschen allmählich verblassen, so ist dies an sich ein Beweis dafür, dass die iranische Nation bewusst und wachsam ist und immer sein wird.“

Auch Zahra Rahnavard erklärte, das iranische Volk habe in den letzten Monaten einen hohen Informations- und Bewusstseinsstand erreicht, was keine geringe Errungenschaft sei.