Archiv der Kategorie: Radio Farda

Iran an seine Reporter: Arbeitet nicht für Außenstehende!

Aktivisten der Presserechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ protestieren in Paris (2012)

RFE/RL, 15. Januar 2013 – Hört auf, über Iran zu schreiben, oder tragt die Konsequenzen – das ist die Botschaft, die das iranische Regime an im Ausland arbeitende iranische Journalisten vermittelt – begleitet von Warnungen, dass sie ihre Reputation, ihre finanzielle Situation und ihre Familien in Gefahr bringen, sollten sie sich nicht daran halten.

Familienangehörigen des in London arbeitenden Politjournalisten Ali Asghar Ramezanpour wurde eigenen Angaben zufolge nahegelegt, ihm zu sagen, er solle „seine Aktivitäten einstellen und nach Iran zurückkehren oder sich auf erhöhten Druck einstellen.“

Sie seien wegen Ramezanpours Arbeit als Journalist im Ausland bereits mehrfach inhaftiert, verhört und bedroht worden und hätten berufliche Nachteile wie ausbleibende Beförderungen und Streichung von Vergünstigungen in Kauf nehmen müssen,  so die Angehörigen. Weiterlesen

Drei iranische Gewerkschaften schreiben an die UN

Veröffentlicht auf Persian2English am 13. Februar 2010
Quelle (Persisch): Radio Farda
Übersetzung Persisch-Englisch:Ez’zat, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=6864
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Drei unabhängige iranische Gewerkschaften haben sich in einem Brief an die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen (UNHCR) gewandt. Sie bitten die Kommission darin um eine Überprüfung ihrer Forderungen nach einem humanen und würdigen Leben, frei von jeder Form der Unterdrückung, Einschüchterung und Angst.

Der UNHCR wird vom 16.-17. Februar 2010 in Genf die Menschenrechtssituation in Iran prüfen.

Das Syndikat der Busbetriebe von Teheran und Humeh (in der Provinz Lorestan), das Arbeitersyndikat von Neyshekar Hafttapeh und die Freie Gewerkschaft Iranischer Arbeiter protestieren gegen die Repressionen der Islamischen Republik in den letzten Jahren.

Diese drei unabhängigen Arbeiterorganisationen schreiben mit Bezug auf die Verhaftung von Aktivisten und Arbeitern: „Die Sicherheitsbehörden der Islamischen Republik haben ihr Festhalten an internationalen Protokollen erklärt. Dennoch haben sie die Bildung von Gewerkschaften im Land verboten. Jeder, der in einer Gewerkschaft aktiv ist, wird als Feind der Islamischen Republik bezeichnet und verfolgt.“

Die drei Gewerkschaften schreiben weiter, die Bedingungen für Arbeiter in Iran hätten sich in den letzten drei Jahrzehnten seit der Revolution von 1979 immer weiter verschlechtert. Mit jedem Tag verschärften sich die Bedingungen, Armut und die Beschneidung von Arbeiterrechten nähmen zu.

Der Mindestlohn liege um ein Vierfaches unter der Armutsgrenze. „Millionen von Familien kämpfen unter den unmenschlichsten Bedingungen ums Überleben, weil ihre Gehälter nicht pünktlich gezahlt werden.“

Weiter heißt es: „Eine massive Welle der Arbeitslosigkeit und drohender Kündigungen haben das Leben der Familien in eine unvorstellbare Hölle verwandelt. Der einzige Weg heraus aus diesen unmenschlichen Bedingungen erfordert eine grundlegende Umgestaltung in Wirtschaft und Gesellschaft.“

Den Gewerkschaften zufolge sind die Bedingungen für die Arbeiter dramatisch, denn „während der letzten 30 Jahre wurden der Arbeiterklasse in Iran sämtliche international garantierten Rechte abgesprochen. Jede Form der Organisation, alle Streiks oder Proteste wurden mit Niederschlagung, Drohungen (von Arbeitgebern und Sicherheitsbeamten), Kündigung oder Gefängnis beantwortet.“

In den letzten Jahren hat sich parallel zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen bei Streikenden und protestierenden Arbeitern in verschiedenen Teilen Irans die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Justiz und die Sicherheitsapparate der Islamischen Republik sich gegen sie wenden werden.

Arbeiteraktivisten wurden beschuldigt, gegen die nationale Sicherheit zu handeln – ein Vorwurf, den die unabhängigen Arbeiterorganisationen vehement zurückweisen.

Viele Arbeiteraktivisten sind zur Zeit im Gefängnis, darunter Mansour Osanloo (Chef des Syndikats der Busbetriebe in Teheran und Umgebung), Ebrahim Madadi (Vizepräsident der Busgewerkschaft) Ali Nejati (Chef von Neyshekar Haftapeh) und Alireza Saqafi (Aktivist).

Die drei Gruppen haben ihre Forderungen an die 7. Jahreskonferenz der Menschenrechtskommission formuliert, unter anderem die Abschaffung der Todesstrafe [? „overturning of the death penalty“] und die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Arbeiteraktivisten und Aktivisten anderer Bewegungen. Außerdem fordern sie die Aufhebung der gegen die Aktivisten verhängten Urteile.

Weitere Forderungen der Gewerkschaften sind u.a.:

* Bedingungslose Freiheit zur Gründung von Arbeiterorganisationen
* Anerkennung international akzeptierter Normen für die Rechte von Arbeitern
* Ausschluss von nicht arbeiterbezogenen Institutionen aus den Arbeitsumgebungen
* Verfolgung der für die Niederschlagungen und Rechtsverletzung verantwortlichen Personen
* Bedingungslose Streik-, Protest- und Versammlungsfreiheit
* Freiheit der Rede
* Völlige Gleichstellung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz und in allen Bereichen des Lebens
* Verbot von Kinderarbeit
* Garantie von Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten
* Garantie von Bildung und Gesundheitsversorgung für alle Kinder

Menschenrechtsaktivisten wegen “Moharebeh” angeklagt

Veröffentlicht auf Persian2English am 27. Januar 2010
Quelle (Persisch): Radio Farda
Übersetzung Persisch-Englisch: Tour Irani, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5227
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Mehrdad Rahimi (rechts) and Koohyar Goodarzi (links)

Die Organisation Committee of Human Rights Reporters (CHRR) in Iran hat mitgeteilt, dass die beiden verhafteten Mitglieder des Komitees, Koohyar Goodarzi und Mehrdad Rahimi, wegen „Moharebeh“ (Kampf gegen Gott) angeklagt wurden.

CHRR berichtete bereits über den Druck, der auf verhaftete Mitglieder ausgeübt wird, um zu erreichen, dass sie die Anklagen annehmen und mit den Befragern kooperieren.

CHRR zufolge ist Koohyar Goodarzi angeklagt, „Krieg gegen Gott zu führen“, „Propaganda gegen das Regime“ verbreitet und an „illegalen Versammlungen“ teilgenommen zu haben.

Der Teheraner Staatsanwalt hatte bereits bei seinem Treffen mit Shiva Nazar Aharis Familie erklärt, die Organisation CHRR stehe mit der Organisation der Volksmujahedin (MKO) in Verbindung. Mehrdad Rahimi hatte seiner Familie gegenüber erwähnt, dass die Befrager versuchten, sie zu zwingen, die Anklage wegen „Moharebeh“ zu akzeptieren.

Dem CHRR-Bericht zufolge war Goodarzi in den letzten Tagen mit einbandagiertem Kopf gesehen worden. Wie es zu der Kopfverletzung kam, ist nicht bekannt. Goodarzi hatte dagegen protestiert, dass er mit einem Al-Qaida-Mitglied in einer Zelle untergebracht war. Dem Gesetz nach müssen Gefangene ihren Vergehen entsprechend getrennt untergebracht werden.

Das Islamische Gesetz sieht für „Moharabeh“ die Todesstrafe vor.

Am Samstag fand die letzte gerichtliche Anhörung für die fünf verhafteten Teilnehmer an den Ashura-Protesten statt, die wegen „Moharebeh“ und Verbindungen zur MKO angeklagt sind. Die Urteile werden in Kürze verkündet.

Angehörige der Opposition und Unterstützer von Menschenrechtsgruppen haben erklärt, diese „Geständnisse“ seien unter Anwendung von Druckmitteln und Folter erzwungen worden, zudem seien die Betroffenen sehr lange in Haft gewesen und hätten keinen Zugang zu einem Anwalt gehabt.

Amnesty International und die Menschenrechtskommission, zwei Organisationen, die sich weltweit für Menschenrechte einsetzen, haben Statements herausgegeben, in denen sie die möglichen Todesurteile gegen Inhaftierte von Ashura (27. Dezember) verurteilen. Beide Organisationen haben sich besorgt geäußert und die iranischen Behörden aufgefordert, die Rechte von Gefangenen und Demonstranten zu achten.

In dem vor wenigen Tagen erschienenen jährlichen Menschenrechts-Bericht von Amnesty International wird festgestellt, dass die iranische Regierung während der Ereignisse nach der Präsidentschaftswahl in Iran im Juni 2009 die umfassendste Repression des letzten Jahrzehnts begonnen hat.

Bitte unterstützen Sie die Urgent Action von Amnesty International: http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-005-2010/menschenrechtler-inhaftiert

Arbeitslöhne und tatsächliche Inflation: Wer ist verantwortlich?

Veröffentlicht auf Persian2English am 20. Januar 2010
Quelle (Persisch): Radio Farda
Referenziert von Iran Press News
Übersetzung Persisch-Englisch: Azadeh A., Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=4719
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

Von Behrouz Karevani

Das Sonnenjahr geht zu Ende, und die Diskussionen um die Löhne der Arbeiter beginnen.

Nach der Kampagne der Arbeiter für eine Erhöhung des jährlichen Mindestarbeitslohns hat der stellvertretende Minister für Arbeit und Soziales Ebrahim Nazry Jalali verkündet, dass „die Inflation einer der Hauptindikatoren für die Festsetzung des Mindestlohns“ sein werde.

Nazry Jalali sagte der Nachrichtenagentur IRNA gegenüber, der Oberste Arbeiterrat würde bei der Entscheidung über den Mindestlohn im kommenden Jahr die Lebensumstände der Arbeiter berücksichtigen. Er merkte zudem an, dass zum Ende des Kalenderjahres mit einem Rückgang der Inflation im einstelligen Bereich gerechnet wird.

Einige Analysten sagen, da die tatsächliche Inflationsrate immer über den offiziell von der Regierung veröffentlichten Zahlen liegt, sinke die wirtschaftliche Kapazität der Arbeiter jedes Jahr. Diese Kritik äußert auch Alireza Saghafi von der Vereinigung zum Schutz der Arbeiterrechte, der auch Mitglied des Iranischen Schriftstellerverbandes („Iranian Writers Association“) in Teheran ist.

Saghafi sagte gegenüber Radio Farda: „Wenn man sich die Entwicklung der Arbeiterlöhne und der Inflation der letzten 10 Jahre ansieht, stellt man fest, dass die Kaufkraft der Arbeiter sinkt.“ Weiter sagte er: „Der monatliche Mindestlohn im laufenden Jahr betrug nur 264.000 Toman (ca. 260 USD), wobei die Armutsgrenze laut Statistik bei 800.000 Toman (ca. 800 USD) liegt.“

Im letzten Jahr war der momentane Mindestlohn von 264.000 Toman von Arbeiter-Aktivisten und Arbeiterorganisationen immer wieder heftig kritisiert worden. Letztes Jahr hatten viele Arbeiterorganisationen wie das Syndikat der Busfahrer und die Unabhängige Arbeitergewerkschaft Irans eine Petition entworfen, mit der sie gegen den Mindestlohn protestierten. Obwohl die Petition von tausenden Arbeitern unterschrieben wurde, hat die Regierung auf die Beschwerden nicht reagiert.

Viele Wirtschaftsexperten sind sich einig darüber, dass der Mindestlohn ausreichen sollte, um den Arbeitern ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Interview mit M. Tehrani, Neffe Khameneis – 9. September 2009

Meinungsverschiedenheiten zu Hause: Viele in der Familie stimmen Khamenei nicht zu, sagt sein Neffe

Quelle (Englisch): http://homylafayette.blogspot.com/2009/09/dissent-at-home-many-within-our-family.html
Übersetzung: Julia

Mittwoch, 9. September 2009

Mahin Gorji von Radia Farda sprach mit Mahmoud Tehrani, dem Neffen des Obersten Führers, der in Paris lebt. Tehrani ist der Sohn von Khameneis Schwester. Radio Farda ist der persische Sender von Radio Free Europe/Radio Liberty mit Sitz in Prag und finanziert vom US-Amerikanischen Kongress.

Mahmoud Tehrani:
Traurigerweise glaubten viele Iraner bis vor Kurzem, dass dieses Regime reformierbar ist… und dass dies durch Worte und Politik erreicht werden kann. Aber die Wahlen und Ahmadinejads Aufstieg an die Macht haben klar gemacht, dass diese Leute nicht durch zivile und rechtmäßige Worte reformiert werden können, oder durch Politik.

Auf diese Weise haben sich die Positionen etwas radikalisiert, und die Opposition ist energischer geworden. Diese Herren (Anm.: aghayoun/Herren/“Gentlemen“ ist ein im Iran weit verbreiteter Ausdruck für Insider des Regimes) hätten vor einigen Jahren den konservativen Flügel noch nicht [in dieser Weise] konfrontiert. Nach den Wahlen aber, als es offenkundig wurde, dass sie nicht einmal daran denken, das Amt des Präsidenten jemand anderem zu überlassen und dass sie zur Wahrung der Präsidentschaft auch zu Gewaltanwendung bereit sind, sind die Positionen etwas radikaler geworden.

Es gibt sogar Neuigkeiten innerhalb meiner Familie… viele in meiner Familie sind mit Ali Khamenei – bezüglich seiner Worte oder der Politik der Islamischen Republik -nicht einer Meinung, haben aber aus Rücksicht [auf ihn] bis zu den Wahlen geschwiegen.

Radio Farda:
Viele Menschen, wie zum Beispiel Mehdi Karroubi, haben sich nach der Wahl um die Wiederherstellung der Rechte der Bürger bemüht, die ihrer Meinung nach verunglimpft wurden. Warum werden wegen solcher friedlicher Aktionen Menschen wie Herr [Alireza] Beheshti (Anm. Chef der Kommission zur Untersuchung der Todesfälle und Misshandlungen an Protestteilnehmern, wurde gestern verhaftet) oder Herr [Morteza] Alviri (Anm. Chef der Kommission zur Untersuchung des Wahlbetrugs, wurde gestern verhaftet) oder selbst Herr Karroubi [dessen Büro gestern geschlossen wurde], auf so eine Weise behandelt?

Mahmoud Tehrani:
Die Islamische Republik hat immer schon gewaltsame Worte und Taten gegen das Volk und jedwede Opposition eingesetzt. Sie haben vom ersten Tag ihrer Machtübernahme an getötet. Sie betrachten jeden, der nicht wiederholt, was sie sagen oder anderer Meinung ist als sie – seien es Geistliche oder westlich Gekleidete – als mohareb, als gegen Gott. Sie betrachten sich selbst als Gott, so war es von Anfang an. Gewalt ist für diesen Teil der Islamischen Republik nicht zur Gewohnheit, sondern zu einer religiösen Pflicht geworden.

Radio Farda:
Wer zahlt den Preis dafür? Politische Parteien, das Volk, oder letztlich das Regime selbst?

Mahmoud Tehrani:
Jede Veränderung hat ihren Preis. Es scheint, als ob jeder im Moment einen Preis zahlt.

Radio Farda:
In der Vergangenheit hatte Ayatollah Khamenei bei der Lösung politischer Auseinandersetzungen das letzte Wort. Ist Ayatollah Khamenei die Dinge bis jetzt erfolgreich angegangen?

Mahmoud Tehrani:
Ich glaube, mein Onkel Ali Khamenei ist ein Werkzeug von Ahmadinejad, Mesbah Yazdi und den Revolutionsgarden (IRGC). Wenn an ihren Verbrechen nicht ihr mitschuldig ist, so ist er zumindest ihr Werkzeug. Er kann nichts tun. Wenn er einen Schritt zurückweicht, wird seine Führerschaft zerstört und seine Mannschaft zerfallen. Ich glaube nicht einmal, dass er in den letzten Jahren viel Macht hatte. Es ist nicht unmöglich, dass all diese Aktionen vom IRGC gelenkt werden und Ali Khamenei mitmachen muss, um seine Position zu halten. Er wird nichts tun oder sagen. Wir haben seit dem 14. Juni nichts besonderes mehr von ihm gehört. Er hat nur Ahmadinejads Worte wiederholt.