Archiv der Kategorie: Street Journalist

Bahman Amoueis Frau Zhila Bani Yaghoob: “Viele dieser Gefangenen sind akut krank – muss ich mehr sagen?”

Mit den Worten „Wie ich höre, sind einige unzufrieden damit, dass die Gefangenen ihren Hungerstreik beendet haben“ beginnt Zhila Bani Yaghoob einen Eintrag auf ihrer Webseite.

„Nicht nur die Mütter und Ehefrauen dieser Gefangenen haben zwei Wochen lang nichts gegessen – sogar meine eigene Mutter konnte nichts essen, weil ihr Schwiegersohn im Hungerstreik war.“ Weiterlesen

Sechs kurdische Studenten in Sanandaj verhaftet | Farzad Kamangars Neffe von Verhaftung bedroht

Auf Englisch veröffentlicht bei Street Journalist am 1. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.astreetjournalist.com/2010/06/01/arrest-of-six-kurdish-students-in-sanadajattempts-to-arrest-farzad-kangars-nephew/
Persisches Original: HRANA
Referenziert von Persian2English
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

HRANA News –
Vergangene Woche haben Sicherheitskräfte sechs kurdische Studenten der Yadzdanpanah School of Engineering verhaftet. Außerdem versuchten sie ohne Erfolg, Farzad Kamangars Neffen Azad Kamangar zu verhaften.

HRANA vorliegenden Informationen zufolge hatten sich Dutzende Studenten der Yazdanpanah School of Engineering in Sanandaj auf dem Campus versammelt, um mit Liedern der am 9. Mai 2010 hingerichteten [politischen Gefangenen] zu gedenken. Danach wurden mindestens sechs kurdische Studenten aus Kamyaran von Sicherheitskräften verhaftet; mehrere von ihnen wurden in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages freigelassen.

Sicherheitskräfte, die behaupteten, einen Haftbefehl für Azad Kamangar (einen Studenten des Ingenieurswesens an der Universität Yazdanpanah) zu haben, durchsuchten das Haus von Farzad Kamangars Schwester. Während der Hausdurchsuchung wurde die Familie instruiert, Azad auszurichten, dass er zur Befragung im Geheimdienstministerium von Sanandaj vorsprechen solle.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Angehörige der hingerichteten politischen Gefangenen kündigen für morgen Protest vor der Teheran-Universität an

Veröffentlicht bei Street Journalist am 9. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.astreetjournalist.com/2010/05/09/families-of-political-prisoners-who-were-executed-gather-tomorrow-morning-in-front-of-tehran-university/

Hrana News – Die Familien der hingerichteten politischen Gefangenen haben gemeinsam mit mehreren Bürgerrechtsaktivisten für morgen einen Protest in Teheran angekündigt.

Berichten von HRANA zufolge werden sich heute mehrere Familienangehörige der hingerichteten politischen Gefangenen, die [außerhalb Teherans] in anderen Bezirken leben, auf den Weg nach Teheran machen, um sich [dort] zu versammeln und gegen diese Hinrichtungen zu protestieren.

Die Demonstration soll am 10. Mai 2010 um 11 Uhr vor dem Eingang zur Teheran-Universität beginnen.

Die trauernden Familien laden die Öffentlichkeit und alle Bürger zur Teilnahme ein.

Übersetzung Persisch-Englisch: Street Journalist
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Öffentliche Trauer und Proteste in kurdischen Gebieten

Veröffentlicht bei Street Journalist am 9. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.astreetjournalist.com/2010/05/09/public-protest-and-mourn-in-kurdish-regions/

Hrana – Aus Protest gegen die Hinrichtung von fünf politischen Gefangenen haben Menschen in kurdischen Gebieten, vor allem in den Städten Sanandaj und Kamyaran, Montag, den 10. Mai zu einem öffentlichen Tag der Trauer erklärt. Wie HRANA-Reporter mitteilen, haben viele Bürger, Gewerkschafter und Sozialaktivisten in den kurdischen Gebieten, vor allem in den Städten Sanandaj und Kamyaran, in einer Eilankündigung die Bevölkerung dieser Gebiete aufgerufen, den morgigen 10. Mai als öffentlichen Trauertag zu begehen und friedlich gegen die Hinrichtung politischer Gefangener zu demonstrieren. Inoffiziellen Meldungen zufolge wollen Ladenbesitzer versuchen, ihre Geschäfte in diesen Städten zu schließen.

Auch in anderen Städten, sogar im Ausland, planen Iraner Kundgebungen, um gegen die Hinrichtung dieser politischen Gefangenen zu protestieren.

Die hingerichteten Gefangenen werden beigesetzt, sobald ihre Leichnahme den Familien übergeben werden. Ergänzende Berichte zu diesem Thema werden folgen.

Übersetzung Persisch-Englisch: Street Journalist
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Bericht einer Gefangenen vom 22. Bahman (1)

Veröffentlicht bei Street Journalist am 3. Mai 2010
Referenziert von Persian2English am 5. Mai 2010
Quelle (Englisch): http://www.astreetjournalist.com/2010/05/03/how-i-was-arrested-on-the-22nd-of-bahman-courageous-purity-part-i/

Vorbemerkung der Übersetzerin Negar Irani (Persisch-Englisch): Ich widme diese Übersetzung all den mutigen Frauen, die von der brutalen Islamischen Republik geschlagen, gefoltert, gezüchtigt und vergewaltigt wurden, weil sie es wagten, an Demonstrationen teilzunehmen oder auszusprechen, was sie denken. Ich fordere die Verantwortlichen bei den Vereinten Nationen auf, diese Übersetzung zu lesen und sich zu fragen: „Wie können sie es wagen, Iran per Akklamation in die Frauenrechtskommission zu wählen?“ Diese Geschichte ist nur eine von Hunderten. Schämt euch, Vereinte Nationen!

Quelle (Persisch): Behesht Street Blog
Ich hatte nichts mehr von meiner guten Freundin „Courageous Purity“ („Mutige Reinheit“) gehört, und um kein Risiko einzugehen, hatte ich sie nicht einmal auf ihrem Mobiltelefon angerufen, um nicht noch mehr Probleme für sie zu verursachen – vor allem, weil wir oft über E-Mail miteinander korrespondiert hatten. Als ich über die Neujahrsferien in den Iran reiste, konnte ich endlich meine Familie sehen und sie nach meiner lieben Freundin Courageous Purity fragen. Bei ihr zu Hause war niemand, also nahm ich an, dass sie verreist waren. Auf jeden Fall reiste ich am Ende der Neujahrsferien ab, ohne etwas von ihr gehört zu haben – bis ich gestern eine E-Mail von ihr bekam.

Sie lautete:

Am 22. Bahman [11. Februar] beschlossen wir wie all die Male zuvor, mit unseren Freunden zu den Demonstrationen zu gehen. Wir wollten uns um 10 Uhr am südlichen Ende des zweiten Platzes in Ariashahr treffen. Als wir um 10 Uhr dort ankamen, bemerkten wir, dass Ariashahr zwar mehr an einen Militärposten erinnerte, die Menschen sich aber trotzdem an den Straßenrändern zusammenfanden und auf die Ankunft Karroubis warteten. Mit der Zeit trafen immer mehr Menschen ein. Als die Menge größer wurde, waren die ersten Parolen zu hören. Die Menschen riefen „Nieder mit dem Diktator“ und „Wir unterstützen dich, Karroubi“, und viele andere Parolen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann (es ist 80 Tage her).

Plötzlich hörte ich Schüsse. Wir waren in eine Tränengaswolke eingehüllt, die Kleidung einiger Menschen war mit Farbe beschmiert. Wir wunderten uns noch über die Farbe auf der Kleidung der Menschen, als die Schläger der Putschregierung uns angriffen. Als wir wegliefen, rannten wir ineinander. Meine Kleidung war ebenfalls mit Farbe beschmiert, nachdem ich mit jemandem zusammengestoßen war, der Farbe auf seinen Kleidern hatte.

Während wir flüchteten, bemekrte ich, dass die Schläger mich ins Visier genommen hatten. Mir wurde klar, dass sie mich verhaften würden. Obwohl ich so schnell lief, wie ich konnte, dauerte es nicht lange, bis sie mich eingekreist hatten. Als ich ihnen gegenüber stand, schlug einer der Schläger von hinten mit etwas nach mir, das sich anfühlte wie ein Gummischlauch. Die Wirkung war so stark, dass ich mit dem Gesicht nach vorn zu Boden fiel. Ich versuchte, mich aufzurappeln, als einer der Schläger, der Stiefel trug, mir seinen Fuß in den Nacken setzte, mich wieder zu Boden zwang und sagte: „Beweg dich nicht einen Zentimeter!“

Ein anderer Schläger band mir die Hände auf dem Rücken zusammen. Ich hatte immer noch Schmerzen von dem Peitschenhieb, als sie mich mit dem Gesicht zum Boden in einen Transporter mit blauen Vorhängen schubsten. Ich erwartete, dort Polizistinnen anzutreffen, aber stattdessen wurde ich von zwei sehr groben männlichen Beamten empfangen, die sich uns näherten und uns mit jedem Schimpfwort dieser Erde bedachten, während sie uns die Augen verbanden.

Ich bin nicht sicher, wie viele sich in dem Transporter befanden, als er sich in Bewegung setzte. Ich war auf dem Boden, mit verbundenen Augen, aber ich spürte, wie der Wagen sich bewegte, Ich weiß nicht mehr genau, wie lang wir fuhren und wohin, aber meinem Gefühl nach waren wir gute 15 Minuten in dem Auto. Sobald wir am Hauptquartier der Schläger angekommen waren, begannen sie damit, uns zu beleidigen und uns wieder zu beschimpfen. Sie warfen uns aus dem Auto. Ich hatte das Gefühl, an einem dunklen und geschlossenen Ort zu sein, denn die Stimmen hallten wider.

Sie sammelten uns vom Boden auf und sprachen mit uns, als wären wir Prostituierte. Einer von ihnen sagte: „Müssen wir jede Nacht mit einer von ihnen schlafen?“ Ich war wie erstarrt. Vom Moment meiner Verhaftung an hatte ich Angst gehabt, aber diese Worte ausgesprochen zu hören war etwas ganz anderes. Ein anderer, der älter zu sein schien, sagte: „Lasst uns sie alle ausziehen“, während die anderen uns auslachten.

Ein weiterer Schläger sagte: „Sie müssen unsere Quote erhöhen. Das sind nicht genug Mädchen für uns.“ Die Schläger fuhren fort, uns zu demütigen. Wir waren sehr müde, und Hunger und Durst begannen, sich bemerkbar zu machen. Dann sagten sie: „Wir werden heute Nacht wieder kommen“.

Ich bin nicht sicher, wie viele wir waren, aber ich konnte einige Mädchen leise weinen hören. Gegen Ende der Nacht kamen sie zurück. Es war kalt. Wir wussten nicht, wo wir waren, und wir trauten uns nicht einmal aufzustehen oder uns zu bewegen. Plötzlich hörten wir die schrecklichen Stimmen der Schläger. Sie begannen, uns eine nach der anderen vom Boden aufzusammeln und in einen anderen Raum zu bringen. Sie fingen mit einem Mädchen an. Sie befahlen ihr, aufzustehen. Sie begann zu schreien und zu protestieren, als sie sie hochhoben. Es war klar, dass sie nicht mit ihnen gehen wollte. Ich hörte einen Schlag, Tritte und Knüffe, begleitet von den Schreien des Mädchens und den Flüchen der Schläger. Wir waren vor Angst erstarrt, da wir wussten, dass eine von uns als nächste an der Reihe sein würde.

Wie sich herausstellte, war ich die nächste. Ich begann zu schreien. Ich schrie „Ich komme nicht mit!“ Aber sie zerrten mich nach draußen, wobei sie mich beleidigten, schlugen und vor sich herstießen, bis wir zu einem Raum kamen, der sich in der Nähe zu befinden schien. Sie banden meine Hände los und forderten mich auf, meine Kleider abzulegen. Ich weinte. Ich hatte Angst. Ich sagte: „Ich werde mich nicht ausziehen“. Ich flehte sie an: „Habt ihr keine Schwestern?“ Daraufhin versetzte mir einer von ihnen einen harten Schlag aufs Ohr und sagte: „Vergleiche dich nicht mit meiner Schwester, du Hure!“

Ich war gelähmt vor Angst. Er sagte: „Zieh dich aus“. Ich hatte wirklich Angst. Ich zog meine Kleider aus. Er sagte: „Was stehst du da herum? Zieh den Rest auch aus.“ (Er meinte meine Unterwäsche). Ich flehte sie an: „Diese Unterwäsche ist alles, was von der Ehre eines Mädchens übrig ist. Wenn ich sie ausziehe, werde ich auch eure Ehre beleidigen.“ Sie begannen wieder, mich zu beleidigen, und einer schlug mir auf mein Hinterteil und schrie: „Mach schon, mach weiter.“ Ich sagte: „Ich werde nicht mehr ausziehen. Ich weiß, dass ihr genug Ehre und Würde besitzt, um nicht zu wollen, dass ich diese letzten beiden Kleidungsstücke ablege.“ Einer der Schläger fiel über mich her wie ein Tier, er schlug mich und riss mir die Unterwäsche vom Leib. Jetzt war ich vollständig nackt.

Ich glaube, es waren vier. Jetzt, wo ich völlig nackt war, musterten sie mich. Einer von ihnen hob mich auf einen Tisch, damit sie mich in ihrer Dreistigkeit besser sehen konnten. Er sagte: „Haj, diese gehört heute Nacht mir, okay?“ Ich hörte, wie der, den sie mit Haj anzureden schienen, antwortete: „Wir haben den Rest noch nicht ausgezogen. Warte noch, du könntest noch eine bessere abkriegen!“ Aber der erste sagte: „Ich hab sie schon alle durchgecheckt. Diese hier ist die Beste.“ Der Haj sagte: „Okay, nimm sie.“ Als er mich gerade hochhob und aus dem Raum tragen wollte, fragte der Haj: „Warte, willst du lieber hierbleiben?“

Ich verspürte einen Hoffnungsschimmer und sagte: „Bitte, Haj, ja, ich bitte Sie. Um der Liebe Gottes Willen, retten Sie mich, ich werde alles tun, was Sie sagen.“ Er sagte: „Holt einen Stuhl für sie.“ Ich setzte mich auf den Stuhl. Er sagte: „Ich will, dass du jede Frage korrekt beantwortest, die ich dir stelle. Ich weiß deinen Namen bereits, und ich weiß, wo du arbeitest. Ich will, dass du mir die Namen deiner Komplizen verrätst. Ich will, dass du mir sagst, woher du deine Befehle bekommst. Bist du eine von Moussavis Bande, oder eine von den Karroubi-Anhängern? Wer von deinen Kollegen ist gegen das Regime?“ Er fragte mich diese und viele weitere Fragen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.

Ich sagte: „Wie soll ich die Antworten auf so viele Fragen aufschreiben, wenn mir die Augen verbunden sind?“ Er ließ mir die Augenbinde abnahmen. Ich sah den Haj. Er war etwa 50 Jahre alt und hatte einen hellen, dünnen Bart. Bei ihm waren drei sehr junge Männer, die die Nacht mit mir hatten verbringen wollen.

Mein Kopf schmerzte. Ich dachte immer wieder darüber nach, was die Islamische Republik den jungen Basijis vermittelt. Sex? Gelegenheitsbeischlaf? Ich dachte an den Ausspruch von Imam Khomeini: „Basij – das ist die Schule der Liebe.“ Ist Basij die Schule der Liebe, oder die Schule der körperlichen Liebe? Oder die Schule, in der man lernt, wie man Sex hat.

Am Ende schrieb ich alles auf, was der Haj von mir verlangte, und gestand alles, was er wollte. Selbst wenn er von mir verlangt hätte aufzuschreiben, dass ich am die Bombe vom 7. Tir gelegt habe, hätte ich es getan, obwohl ich in Wahrheit erst neun Jahre alt war, als das passierte.

Nachdem ich endlich alles aufgeschrieben hatte, was er wollte, durfte ich mich wieder anziehen. Sobald ich angezogen war, wurde ich in einen anderen Raum gebracht (dem Aussehen der Wände nach fühlte ich mich wie in einer Moschee). Als sie die Tür zu diesem Raum öffneten, sah ich ein weiteres Mädchen darin. Sie warfen mich hinein, und ich begann, mit dem Mädchen zu sprechen, während wir die Schreie und das Flehen der anderen Mädchen draußen hörten, die zum Haj gebracht wurden.

In dieser Nacht schliefen wir in einem Zimmer. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages kamen sie, um uns zu holen. Sie verbanden uns die Augen, brachten uns in ein Auto und fuhren mit uns an einen Ort, der etwa zehn Minuten entfernt lag. Als wir ankamen, sahen wir, dass wir im Evin-Gefängnis waren.

Ich bin erschöpft. Ich bin gerade erst aus Evin freigekommen. In meiner nächsten E-Mail werde ich dir von meiner 80tägigen Haft in Evin erzählen.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben