Archiv der Kategorie: Tehran Times

Kurzmeldungen aus Iran – 31. März 2011

Tehran Bureau, 31. März 2011

Mir Esmail Moussavi (geb. 1908), der Vater von Mir Hossein Moussavi, ist tot. Seine drei Enkelinnen – die Töchter von Mir Hossein Moussavi und Dr. Zahra Rahnavard – haben in einer Erklärung den Tod ihres Großvaters bekanntgegeben. Sie beschreiben die letzten Tage ihres Großvaters, der in den letzten 45 Tagen nicht wie sonst jede Woche von seinem Sohn Besuch bekam und angerufen wurde. Ihr Vater habe ihren Großvater in dieser Zeit nur ein Mal sehen können, bei dem Besuch sei eine große Zahl Sicherheitskräfte anwesend gewesen.
Mir Esmail Moussavi und Ayatollah Seyyed Ali Khamenei sind Cousins zweiten Grades. Vor der Revolution von 1979, als Khamenei unter dem Druck der Sicherheitskräfte stand, suchte dieser vorübergehend im Haus des älteren Moussavi Zuflucht – demselben Haus, in dem Moussavi jetzt starb. Weiterlesen

Iran: Deutscher Gesandter wegen Freilassung von Terroristenführer einbestellt

Veröffentlicht auf Tehran Times am 11. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.tehrantimes.com/index_View.asp?code=215778
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
(Anmerkung: Bei „Tehran Times“ handelt es sich um eine regierungstreue Nachrichtenquelle)

TEHERAN – Nach Berichten über die Verhaftung und schnelle Freilassung eines PJAK-Terroristenführers in Deutschland ist der Deutsche Botschafter in Teheran am Mittwoch vom Außenministerium einbestellt worden, um die Einwände Irans gegen diesen Schritt anzuhören.

Am Freitag war der PJAK-Führer Abdul Rahman Haji Ahmadi in seiner Wohnung bei Köln in Deutschland festgenommen worden. Später wurde er wieder freigelassen.

Der deutsche Botschafter Bernd Erbel sagte, seine Regierung unterstütze keine der der terroristischen Gruppe PJAK nahestehenden Elemente. Er versprach, Irans Einwände an die Bundesregierung weiterzugeben und das Außenministerium über die Ergebnisse zu informieren.

Am Dienstag hatte der Sprecher des iranischen Außenministeriums Ramin Mehmanparast die Verhaftung des PJAK-Führers als Augenwischerei bezeichnet, da der Terroristenführer wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Mehmanparast hatte Europa zudem als „sicheren Hafen“ für Terrorgruppen bezeichnet.

PJAK ist ein Ableger der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in den kurdisch bevölkerten Gebieten Irans Terroraktionen durchführt.

Offener Brief der “Konservativen Opposition” an Moussavi

Auf Englisch veröffentlicht bei Enduring America am 6. Februar 2010
Quelle (Persisch): Rahe Sabz
Referenziert von Tehran Times am 7. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://enduringamerica.com/2010/02/06/iran-special-conservative-opposition-makes-an-offer-to-mousavi/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Wortlaut des offenen Briefes des bekannten Parlamentariers Ali Motahhari an Mir Hossein Moussavi. Ali Motahhari ist ein Verbündeter Ali Larijanis (des Parlamentspräsidenten) und ein Kritiker der Regierung Ahmadinejad.

Ich habe Ihr Interview auf der Webseite Kalemeh gelesen und sehe in Ihren Ausführungen sowohl positive als auch negative Punkte. Ich glaube, Sie haben die Probleme richtig erkannt, aber Sie haben nicht in geeigneter Weise Gegenmittel vorgeschlagen. Die Quintessenz Ihrer Äußerungen ist, dass Sie die Bühne nicht betreten haben, um Macht zu erlangen, Rache zu nehmen oder (das Land) zu zerstören. Dieser Ansatz könnte der Dreh- und Angelpunkt für eine Einheit und das gemeinsame Anliegen im Umgang mit der gegenwärtigen politischen Krise sein, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass eine der Grundlagen der islamischen Lehren fortgesetzte soziale Reformen sind.

In Ihren Statements haben Sie die in der Regierung herrschenden Tendenzen zu Rechtsbruch und Totalitarismus angesprochen. Sie haben gesagt, dass die Regierung sich für ihre Handlungen dem Majlis (Parlament) und der Justiz gegenüber nicht verantwortet. Sie haben außerdem explizit und implizit das gewalttätige Vorgehen gegen Protestierende und Nachlässigkeiten auf Seiten Krisenmanager erwähnt.

Glauben Sie nicht, dass die, die für solche Vergehen angeklagt werden, versuchen, die gegenwärtige Situation aufrecht zu erhalten? Glauben Sie nicht, dass Einheit und Ruhe wie tödliches Gift für sie sind? Glauben Sie nicht, dass die gegenwärtige Situation es dem Parlament und der Justiz schwer macht, mit Gesetzesbrechern umzugehen? Zum Beispiel – in der momentanen Situation kann man dem Präsidenten Fragen über Gesetzesverstöße und kulturellen Liberalismus stellen, aber momentan wird ein solches legales Vorgehen so interpretiert, dass man sich den Anführern der Demonstranten anschließt und die Krise verschärfen möchte.

Sie und Mehdi Karroubi sind also zu Hindernissen auf dem Weg zur Verwirklichung der Reformen geworden, die Sie und andere besonnene revolutionäre Persönlichkeiten fordern. Ich bin ziemlich sicher, dass der Große Oberste Führer der Islamischen Revolution sich mit den Vergehen [„offences“, d. Ü.] des geachteten Präsidenten, der Totalitären und den Extremisten, die behaupten, den Prinziplismus hochzuhalten, befassen wird, wenn er sich über die Handlungen von Ihnen beiden, den geachteten Persönlichkeiten, keine Sorgen machen muss. Versuchen Sie zumindest einige Monate lang, (meinen Rat zu befolgen), und wenn dies nicht der Fall war [wenn meine Einschätzung nicht richtig war], können Sie ihren Weg weiter verfolgen – einen Weg, den ich für aussichtslos und schädlich halte.

Einige positive Punkte und vereinende Schritte gibt es in Ihrem Interview, z. B. die Verurteilung der im Ausland stationierten Medien, Ihre Distanzierung von anti-islamischen Parolen und die Betonung der Verpflichtung gegenüber der Verfassung. Allerdings hat gemäß der Verfassung der Führer das letzte Wort in politischen und sozialen Fragen, auch wenn einige nicht von (seiner Entscheidung) überzeugt sind. Sie haben dieses Prinzip in Ihrem Interview nicht so beachtet, wie Sie es hätten tun müssen. Einige Stellen in Ihrem Interview lassen erkennen, dass Sie nicht wollen, dass die Krise endet, und dass Sie glauben, dass Sie sich für die Rechte des Volkes einsetzen.

Die Rechte des Volkes werden verletzt, wenn dem Gesetzesbruch der Boden bereitet wird. Die ausländischen Feinde werden ihren Vorteil (aus der momentanen Situation) schlagen, und unser System und unsere nationalen Interessen werden untergraben. Unser gütiger Führer hat Ihre und Herrn Karroubis Handlungen in seiner letzten Rede freundlich als „Fahrlässigkeit“ bezeichnet. Dies ist ein Signal für Sie, dass Sie ihre Position ändern müssen, um die nationale Einheit zu stärken. Selbst wenn Sie, was die jüngsten Ereignisse betrifft, Recht haben, sollten Sie sich Imam Ali als Vorbild nehmen und Ihre Rechte zu Gunsten der islamischen Einheit und der Bewahrung des Islam aufgeben, und für die Rechte der Öffentlichkeit wird woanders gesorgt werden. So etwas von Ihnen zu erwarten, der Sie einen guten revolutionären Werdegang haben, ist keineswegs eine abwegige Möglichkeit.