Oppositionsführer Karroubi soll zu „Geständnissen“ bewegt werden

Mehdi Karroubi

Zamaaneh, 28. August 2011 – Nach einem Bericht der Menschenrechtsseite International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) soll der unter Hausarrest stehende iranische Oppositionsführer Mehdi Karroubi angeblich von iranischen Sicherheitskräften „massiv“ unter Druck gesetzt werden, damit er sich bereiterklärt, im Fernsehen ein „Geständnis“ abzulegen.

ICHRI beruft sich auf eine nicht namentlich genannte „glaubwürdige“ Quelle innerhalb Irans. „Karroubi ist von einem Psychiaterteam umgeben, das ihn in Kooperation mit seinen Wärtern zu manipulieren versucht, damit er sich mit einem Fernsehinterview einverstanden erklärt“, wird die Quelle zitiert.

ICHRI-Sprecher Hadi Ghaemi: „Wir sind in extremer Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen Karroubis, der 74 Jahre alt ist. Seit sechs Wochen haben weder seine Frau, noch seine Familie oder ihm nahestehende Personen etwas von ihm gehört.“

Karroubis Frau Fatemeh, die mit ihrem Mann zusammen seit dem 14. Februar 2011 unter Hausarrest gestanden hatte, hatte gestern berichtet, dass ihr Mann am 16. Juli, zu Beginn des Fastenmonats Ramadan, in ein kleines Apartment umgesiedelt worden sei. Während seines mittlerweile 190 Tage währenden Hausarrests habe er sich nur ein Mal im Freien aufhalten dürfen.

„Ein Team aus Psychiatern hat sich den Bewachern Karroubis angeschlossen, um ihn zu manipulieren und dazu zu bringen, im Fernsehen Geständnisse abzulegen. Iranische Geheimdienste verfügen über lange Erfahrung mit derartigen Taktiken gegen bekannte Oppositionelle“, so ICHRI.

Die beiden Oppositionsführer Mehdi Karroubi und Mir Hossein Moussavi waren mit ihren Ehefrauen zusammen am 14. Februar unter Hausarrest gestellt worden, nachdem sie die Bevölkerung zu einer Solidaritätskundgebung mit den Aufständen in Tunesien und Ägypten aufgerufen hatten. Seither sind sie von jedem Kontakt mit der Außenwelt abgeschnitten.

Gegen die beiden Oppositionsführer wurden keine ordentlichen rechtlichen Schritte eingeleitet. ICHRI berichtet unter Berufung auf Quellen in Iran, dass vermutet wird, dass der oberste Führer Ayatollah Khamenei und seine engsten Vertrauten für die Situation der Oppositionsführer direkt verantwortlich sind.

Der Vorsitzende des Wächterrats Ahmad Jannati hatte in einer Freitagspredigt am 18. Februar das geplante Vorgehen der Regierung gegen die beiden Oppositionsführer wie folgt erklärt: „Ihre Kommunikationskanäle müssen geschlossen werden, die Türen zu ihren Häusern müssen verbarrikadiert werden, ihre Telefon- und Internetverbindungen müssen gekappt werden. So können sie keine Botschaften und Erklärungen mehr abgeben oder empfangen. Sie müssen in ihren Häusern gefangen gehalten werden.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh, 28. August 2011

Anm. d. Übers.: Bei Berichten von ICHRI, die sich auf „glaubwürdige anonyme Quellen“ berufen, bin ich mittlerweile etwas skeptisch geworden. Andererseits ist das beschriebene Szenario nicht gerade utopisch. Man denke an den populären „bloggenden Mullah“ Mohammad Ali Abtahi, der unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl 2009 in Haft vermutlich mit Medikamenten manipuliert wurde, in einem der Schauprozesse vom Sommer 2009 seine früheren Standpunkte widerrief und sich mit „Geständnissen“ selbst belastete.

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