„Er braucht keine Winterkleidung, weil er hingerichtet wird“

Zanyar MoradiICHRI, 24. Oktober 2011 – Eghbal Moradi, Vater von Zanyar Moradi, einem kurdischen Gefangenen im Gefängnis Rajai Shahr  in Karaj, erklärte der „International Campaign for Human Rights in Iran“ (ICHRI), dass das Oberste Gericht das Todesurteil gegen seinen Sohn aufrechterhalten habe. “Familienangehörige waren diese Woche im Gefängnis, um Zanyar warme Kleidung zu bringen, weil die kalte Jahreszeit begonnen hat. Aber die Gefängnisbeamten erklärten, dass er die Kleider nicht benötigt, da das Todesurteil weiter besteht. Das haben sie meinen Verwandten explizit gesagt und hinzugefügt, dass sie über das Datum der Hinrichtung informiert würden,” sagte Eghbal Moradi der ICHRI.

Moradi fügte hinzu, dass der Anwalt seines Sohnes keine Benachrichtigung über den Hinrichtungsbefehl erhalten habe. Zanyar Moradi und Loghman Moradi, zwei junge Männer aus Mariwan, wurden am 22. Dezember 2010 an der Abteilung 15 des Teheraner Revolutionsgerichts unter dem Vorsitz von Richter Salavati zum Tod durch öffentliche Erhängung verurteilt. Die Anklagen lauteten “Mitgliedschaft in der Komeleh-Partei” und “Komplizenschaft am Mord des Sohnes des Freitagspredigers von Mariwan”.

Beide Gefangenen erklärten in einem veröffentlichten Brief, dass man sie durch Folter und Androhung von Vergewaltigung zu einem falschen Geständnis bezüglich des Mordes gezwungen habe. Zanyar, 21, und Loghman, 25, werden beschuldigt, in der Nacht vom 5. August 2009 den Sohn des Freitagspredigers von Mariwan ermordet zu haben.

Zu der Anklage wegen Mordes äußerte sich Eghbal Moradi wie folgt: „Ich akzeptiere diese Anschuldigungen überhaupt nicht. Die Serienmorde in Kurdistan und besonders in Mariwan hat das Regime selbst ausgeführt. Ein Mann namens Hiva Yatab, der zum offiziellen Stab der Revolutionsgarde (IRGC) gehört, hat nicht nur den Sohn des Freitagspredigers, sondern mehrere weitere Personen umgebracht. Aber das Regime bringt diese Morde lieber mit der PJAK und anderen Gruppen in Verbindung. Unglücklicherweise musste sich die Revolutionsgarde falsche Szenarien ausdenken und andere Personen als Mörder hinstellen, um die eigenen Verbrechen zu verschleiern.“

„Leider bin ich zu weit weg und habe keinen Kontakt zu seinem Anwalt. Ich habe einen meiner Freunde zu dem Anwalt geschickt, und er sagte mir, dass die Bestätigung des Todesurteils noch nicht zugestellt worden sei,“ sagte Eghbal Moradi, der derzeit im irakischen Teil Kurdistans lebt.

„Ich erwarte von der iranischen Justiz nichts anderes. Es geht hier nicht nur um meinen Sohn, denn auch andere werden tagtäglich hingerichtet. Man kann von den iranischen Justizbehörden nicht mehr erwarten, da sie Urteile auf der Grundlage ihrer eigenen Vorschriften und Ansichten fällen. Aber ich bitte die Menschensrechtsaktivisten und -oranisationen darum, solche grundlosen Hinrichtungen zu stoppen,“ fügte Eghbal Moradi hinzu.

Moradi sprach auch über das Besuchs- und Kontaktverbot, das für seinen Sohn und die Familie gilt: “Meine Angehörigen besuchten mehrmals das Rajai Shahr – Gefängnis in Karaj und baten um ein kurzes Treffen mit ihm [Zanyar], aber die Beamten sagten, dies sei unmöglich, er könne keinen Besuch empfangen. Als sie diese Woche hingingen, um ihm warme Kleider zu bringen, wurden sie mit dieser Nachricht [der Bestätigung des Todesurteils] konfrontiert.”

Osman Moradi, Anwohner von Mariwan und Vater des zweiten Todeskandidaten, Loghman Moradi, erklärte der ICHRI, er sei nicht über den Zustand seines Sohnes und seine mögliche Hinrichtung informiert worden: „Ich habe seit Monaten nichts von ihm gehört. Wir haben keine Möglichkeit, ihn zu besuchen oder anzurufen. Sein Anwalt weiß auch nicht Bescheid. Weder ich noch sein Anwalt haben irgend etwas erfahren.“

In einem früheren Interview mit der ICHRI hatte sich Osman Moradi zu den Anklagen gegen seinen Sohn geäußert: “Während der ersten neun Monate Haft im Gefängnis des Informationsministeriums war in seiner Akte keine Anklage wegen Mordes vermerkt. Aber sie brachten ihn immer wieder in das Informationsministerium und behielten ihn dort 25 Tage lang. Er wurde so lange gefoltert und missbraucht, bis er den Mord gestand; ich denke, dass er es tat, um sich aus diesen Umständen zu befreien. Sie brauchten 17 Monate, um ihm das Geständnis abzuringen.”

Übersetzung aus dem Englischen: Elli Mee
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

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