Irans Geheimdienstminister: E-Mails von Oppositionellen wurden gehackt

Der iranische Geheimdienstminister Heidar Moslehi

RFE/RL, 27. Dezember 2010 – Der iranische Geheimdienstminister Heidar Moslehi hat öffentlich zugegeben, dass E-Mails von Oppositionellen gehackt wurden.

Iranische Nachrichtenagenturen wie ILNA zitierten Moslehi mit den Worten, E-Mails seien während der Proteste nach der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr für Oppositionelle das wichtigste Kommunikationsmittel  gewesen, und es sei dem Geheimdienstministerium gelungen, in die E-Mail-Kommunikation einzudringen und den „Feind“ zu besiegen.

„Ein Offizieller hat aus Nachlässigkeit in einer seiner Reden erwähnt, dass wir Zugriff auf die E-Mails haben. Innerhalb von 24 Stunden haben sie [die Oppositionellen] ihre E-Mails daraufhin codiert und mit Passwörtern geschützt. Natürlich haben wir im Geheimdienstministerium diese Passwörter innerhalb von 48 Stunden geknackt“, so Moslehi.

Moslehi wird mit den Worten zitiert, dass „Ausländer und ihre Elemente innerhalb Irans“ E-Mails ausgetauscht haben sollen.

Moslehi, der am 25. Dezember an der Teheraner Shahid-Beheshti-Universität anlässlich einer Konferenz über die Errungenschaften von Auslandsiranern sprach, erklärte, Iran habe mit der Überwachung von E-Mails „viele Dimensionen“ der Proteste nach der Wahl unter seine Kontrolle gebracht.

Den Berichten nach beschuldigte er außerdem die Vereinigten Staaten, gegen die Islamische Republik gerichtete Online-Netzwerke eingerichtet zu haben.

„Während des Aufruhrs (des letzten Jahres) hat (US-Präsident Barack Obama) gesagt, dass weitreichende virtuelle Netzwerke für die Bekämpfung des iranischen Regimes entwickelt wurden. Aber unsere Geheimdienste waren zu stark für sie“, so Moslehi.

Während der auf die Präsidentschaftswahl von 2009 folgenden Unruhen hatte der Teheraner Polizeichef Esmail Ahmadi Moghadam gewarnt, gegen alle vorzugehen, die per E-Mail oder SMS zur Teilnahme an den „Aufständen“ aufrufen.

In den Gerichtsprozessen, die nach der Wahl im Zusammenhang mit den Protesten stattfanden, wurden Berichten zufolge viele politische Aktivisten wegen der von ihnen versendeten E-Mails und SMS angeklagt.

In den darauf folgenden Monaten bekam ich eine E-Mail von einem studentischen Aktivisten, der gegen Zahlung einer hohen Kaution aus dem Gefängnis freigelassen worden war. In der E-Mail bedauerte der Student seine früheren Ansichten und erklärte, er werde aus der studentischen Gruppe austreten, in der er bisher ein führendes Mitglied gewesen war.

Seine engsten Freunde, die diese E-Mail ebenfalls erhalten hatten, sagten mir, dass die E-Mail von Geheimdienstmitarbeitern versandt worden war, die Zugang zum E-Mail-Account des Studenten hatten. Der Student selbst musste infolge der im Gefängnis gegen ihn angewandten Druckmittel ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Viele Studenten und Aktivisten hatten berichtet, dass ihre Befrager nach der Freilassung aus dem Gefängnis ihre E-Mail-Passwörter gefordert hatten.

Vor diesem Hintergrund überraschen Moslehis Äußerungen über die Überwachung der E-Mails von Oppositionellen und Aktivisten nicht sonderlich.

Wie ein Aktivist aus Teheran gegenüber der Rubrik „Persian Letters“ erklärte, könnten Moslehis Äußerungen zudem darauf abzielen, Angst und Unsicherheit unter Oppositionellen zu verbreiten, die auf Internet, E-Mails und soziale Netzwerke wie Facebook angewiesen sind, um Informationen über Verhaftungen, die Situation inhaftierter Aktivisten und Nachrichten über die oppositionelle Bewegung zu verbreiten.

Trotz der strengen Filterung des Internets, Warnungen, Verhaftungen und anderer Maßnahmen haben die iranischen Behörden es nicht geschafft, das Internet vollständig unter Kontrolle zu bringen, und die Aktivisten der Opposition sind nach wie vor im Internet aktiv.

Golnaz Esfandiari

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 27. Dezember 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/iran_hacking_email/2259973.html

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