Mohseni Ejei: Proteste in Iran gingen unerwartet tief

Gholamhossein Mohseni Ejei

Zamaaneh, 14. März 2011 – Dem ehemaligen iranischen Geheimdienst-minister Gholamhossein Mohseni Ejeie  zufolge wusste sein Ministerium von dem bevorstehenden „Aufruhr“, wurde aber von dessen Tiefe überrascht.

In einem Interview mit der Zeitung Khorasan sagte Mohseni Ejei, er habe als Geheimdienstminister darüber berichtet, „wie der Feind versucht, eine samtene oder irgendeine farbige Revolution“ zu initiieren.

Die Volksproteste nach der umstrittenen Wiederwahl Mahmoud Ahmadinejads werden vom iranischen Establishment als „Aufruhr“ und Versuch der Reformer bezeichnet, die Regierung zu stürzen.

„Damals lachten einige Offizielle über meine Berichte“, so Mohseni Ejeie. Der „Aufruhr“ habe bereits vor drei Jahren Wurzeln geschlagen, und seither hätten sich verschiedene Menschen mit verschiedenen Motiven der Opposition angeschlossen.

Der derzeitige Generalstaatsanwalt erläuterte die von seinem damaligen Ministerium unter seiner Aufsicht eingeleiteten Gegenmaßnahmen: Die Verhaftung des iranischen Akademikers und Soziologen Kian Tajbakhsh, die Verhaftung der iranisch-amerikanischen Wissenschaftlerin Haleh Esfandiari und die Überwachung der Aktivitäten in Verbindung mit der Soros-Stiftung.

Tajbakhsh und Esfanidiari waren vor drei Jahren im iranischen Staatsfernsehen vorgeführt worden, wo sie eine Reihe von „Geständnissen“ über ihre Aktivitäten für eine sogenannte „Samtene Revolution“ ablegten. Die Familien der beiden sagen, dass die Geständnisse erzwungen waren und jeder Wahrheit entbehren.

„Damals sagte das Geheimdienstministerium diese Ereignisse voraus, allerdings nicht in dieser Tiefe und Komplexität“, so Mohseni Ejeie. „Dass ein Mann wie Moussavi die Arena betreten und sich gegen die Wahrheit, gegen das eindeutige Gesetz und gegen das stellen würde, was er jahrelang gesehen und gehört hat – das hatten wir nicht erwartet.“

Mir Hossein Moussavi, ein ehemaliger iranischer Ministerpräsident, galt als einer der Stützpfeiler der Islamischen Republik, bis er die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl von 2009 anzweifelte, zu der er als Hauptgegner des späteren Siegers  Mahmoud Ahmadinejad angetreten war. Mohseni Ejeie dementiert, dass es bei der Wahl von 2009 Wahlbetrug gegeben hat.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 14. März 2011
Quelle (Englisch): http://radiozamaneh.com/english/content/mohseni-ejei-says-depth-protests-iran-unexpected

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