Aktivist wegen Einsatzes für Rechte ethnischer Minderheiten zu 8 Jahren Haft verurteilt

Saeed Matinpour

ICHRI, 27. Juli 2011 – Atieh Taheri, die Ehefrau des inhaftierten aserischen Journalisten und Bürgerrechtsaktivisten Saeed Matinpour, sprach mit ICHRI über den Gesundheitszustand ihres Mannes im Evin-Gefängnis. Der 36jährige Matinpour hatte Philosophie an der Teheran-Universität studiert und schrieb für die Wochenzeitung Zanjan. Er engagierte sich für Menschenrechte und die Rechte ethnischer Minderheiten. Er war am 25. Mai 2007 wegen Teilnahme an einem Seminar für die Rechte turksprachiger Bürger in der Türkei verhaftet und in Abteilung 15 des Teheraner Revolutionsgerichts  unter Vorsitz von Richter Salavati zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Vorgeworfen wurden ihm „Kontakt mit Ausländern“ und „regimefeindliche Propaganda“.

Taheri:

Glücklicherweise ist Saeed moralisch immer sehr stark gewesen. Aber er hat körperliche Beschwerden. Seine Wirbelsäulenprobleme können mit den begrenzten Einrichtungen der Krankenstation im Gefängnis nicht behandelt werden. Außerdem hatte er mehrere Herzinfarkte. Bevor er ins Gefängnis kam, hatte er überhaupt keine Herzprobleme. Nach seinem letzten Herzinfarkt sagten die Beamten uns, wir sollten einen Termin beim Arzt ausmachen und sie würden ihn dorthin bringen. Aber Saeed verweigerte den Arztbesuch, weil sie ihn in Fußfesseln hinbringen wollten. Also ist sein Herz noch immer nicht untersucht worden.

Ich weiß nicht, warum sie Saeed so behandeln. Bei seinen Verhören haben sie unangemessene Forderungen an ihn gestellt, denen er nicht nachkam. Er sollte sagen, dass er Geld von den USA erhalten hat. Immer wieder wurde er unter Druck gesetzt, aber er hat nicht nachgegeben. Er sagte: „Warum sollte ich so etwas aufschreiben oder zugeben, wenn ich es nicht getan habe?“ Ich glaube, dass sein Urteil einzig und allein dem Zorn seines Befragers zu verdanken ist. Für dieses Urteil kann es keine andere Erklärung geben als eine persönliche Fehde. Es ist überhaupt nicht logisch, wenn er in einem Fall mit 11 Angeklagten als einziger zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wird, während alle anderen freigesprochen werden.

Saeeds Aktivitäten betrafen Menschenrechte und die Rechte ethnischer Minderheiten, vor allem die Rechte von Turkvölkern, weil wir selbst turkisch sind. 2007 fuhr er zusammen mit 10 anderen zu einem Seminar. Kurze Zeit nach ihrer Rückkehr wurden alle 11 verhaftet. 10 wurden schließlich freigesprochen oder zu Haftstrafen von einem oder zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Wir waren sehr überrascht darüber, dass Saeeds Urteil so anders ausfiel als das der anderen.

Eines von Saeeds wichtigsten Anliegen war, dass turkische Kinder (in Iran) in der Schule Unterricht in ihrer Muttersprache erhalten und ihre Muttersprache sprechen und schreiben dürfen. Das war der Grund für sein Urteil.

Ich glaube, dass kein politischer Gefangener in Iran sich wirklich eines Verbrechens schuldig gemacht hat, und ich hoffe, dass alle bald freikommen. Ich habe keine Bitte (an die Menschenrechtsorganisationen). Es macht mir Mut zu sehen, dass Menschenrechtsaktivisten sich für ihn einsetzen. Ich bin glücklich, wenn ich sehe, dass die Aktivisten, die für menschliche Grundrechte gekämpft haben, von den Menschen wahrgenommen werden.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran, 27. Juli 2011

Eine Antwort zu “Aktivist wegen Einsatzes für Rechte ethnischer Minderheiten zu 8 Jahren Haft verurteilt

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