Tagesarchiv: 3. Juni 2010

Aktion: Fordern Sie die Medien auf, über die Grünen Proteste in Iran zu berichten!

Idee und Quelle (Englisch): Negar Irani

Der 12. Juni (22. Khordaad), der Jahrestag der gefälschten Wahlen steht unmittelbar bevor. Unsere Grünen Brüder und Schwestern an der Universität Elm-o Sanat haben den Weg geebnet.

Erheben Sie Ihre Stimme, setzen Sie sich dafür ein, dass die internationalen Medien über die Grünen Proteste im Iran berichten

Senden Sie E-Mails an die internationalen Medien. Fordern Sie sie auf, im Vorfeld des wichtigen Jahrestages der gefälschten Wahlen von 2009 am 12. Juni 2010 zu berichten.

Zur Versendung des englischen Brieftextes kopieren Sie die folgenden E-Mail-Adressen einschließlich der Semikola in das Adressfeld Ihres E-Mail-Programms:

Medien im Ausland:
angie@squaremartinimedia.com; mail@chicagoreader.com; askamc@gmail.com; today@nbcuni.com; yourpics@bbc.co.uk; ben@benleubsdorf.com; bstelter@gmail.com; cventura8@gmail.com; Evening@cbsnews.com; don.lemon@turner.com; americasnewsroom@foxnews.com; communications@ft.com; gbenatar@consumer.org; jack.gray@turner.com; jim@jimsciutto.com; james.rainey@latimes.com; lsweet3022@aol.com; Rachel@msnbc.com; mikewhills@gmail.com; Nightly@msnbc.com; jim.long@vergenewmedia.com; pitney@huffingtonpost.com; Nightline@abcnews.com; ombudsman@npr.com; news-tips@nytimes.com; foreign@nytimes.com; VOANews@VOANews.com; wayne.gray@turner.com; wolf.blitzer@turner.com; hsiddiq@thestar.ca; ian.black@guardian.co.uk; reza.sayah@turner.com; saeed.ahmed@cnn.com; rosemary.church@turner.com; octavia.nasr@turner.com; persian@bbc.co.uk; info@bbc.co.uk; persian@bbc.co.uk; webdesk@france24.com; Rooyekhat@voanews.com; telespec@tf1.fr; france2cinema@france2.fr; mdarielle@yahoo.com; seculardem@gmail.com; iust.green.students@gmail.com; onlymehdi@gmail.com; bijann@comcast.net; falahatimi@yahoo.com; sardabir@rahesabz.net; info@radiofarda.com; news@gooya.com; advarnews@gmail.com; info@komitedefa.org; chrr.iran@gmail.com; mercedess220@gmail.com; rendez-vous@euronews.net; tj@tsr.ch; malu@un.org; fondation@francetv.fr; dpa.officer@bbc.co.uk; yourpics@bbc.co.uk; yourcomments@foxnews.com; shoma@bbc.co.uk; letters@nytimes.com; asie@tv5monde.org; JT13h@tf1.fr; JT20h@tf1.fr; jtweekend@tf1.fr; redacinf@lci.fr; netaudr@abc.com; nightline@abcnews.com; evening@cbsnews.com; info@cnbc.com; comments@foxnews.com; today@nbc.com; letters@newsweek.com; letters@time.com; letters@usnews.com; info@ap.org; fair@fair.org; executive-editor@nytimes.com; letters@nytimes.com; esupport.global@reuters.com; latribunelibre@latribune.fr; votreavis@latribune.fr; nytnews@nytimes.com; angie@squaremartinimedia.com; mail@chicagoreader.com; askamc@gmail.com; today@nbcuni.com; yourpics@bbc.co.uk; ben@benleubsdorf.com; bstelter@gmail.com; cventura8@gmail.com; Evening@cbsnews.com; don.lemon@turner.com; W.S.Lucas@bham.ac.uk; communications@ft.com; gbenatar@consumer.org; jack.gray@turner.com; jim@jimsciutto.com; james.rainey@latimes.com; lsweet3022@aol.com; mikewhills@gmail.com; Nightly@msnbc.com; jim.long@vergenewmedia.com; pitney@huffingtonpost.com; Nightline@abcnews.com; ombudsman@npr.org; news-tips@nytimes.com; foreign@nytimes.com; wayne.gray@turner.com; hsiddiq@thestar.ca; ian.black@guardian.co.uk

Medien in Deutschland (unvollständig, bitte ggf. ergänzen):
zeitiminternet@zeit.de; patricia_dreyer@spiegel.de; doerte_trabert@spiegel.de; themendesk@zdf.de; redaktion@tagesschau.de; info@zdf.de; leser@welt.de; leser@wams.de, kompakt@welt.de, online@welt.de, blogwart@taz.de, chefred@taz.de, online.redaktion@tagesspiegel.de, redaktion@tagesspiegel.de; leserbriefe@tagesspiegel.de; redaktion@sueddeutsche.de; redaktion@focus.de; (bitte ggf. ergänzen)

Der Brief (Englisch, deutsche Übersetzung unten):

To whom it may concern,

In solidarity with the Iranian people’s Green movement, hundreds of brave Green students at Elm O Sanaat University gathered in front of the the Chemical Engineering Faculty, yesterday, Tuesday Khordad 11th, 1389 (June 2nd 2010) to commemorate the anniversary of their martyred classmate Kianoosh Asa and express their outrage towards the oppressive policies of the illegitimate government of Iran.

These courageous Green students, threatened on numerous occasions, put their lives at grave risk in order to capture and disseminate videos and images of these protests under the watchful eye of University security personnel, who were also capturing the events on film. In full cooperation with university security, many were detained for several hours by Basiji forces who not only threatened them, but examined their personal belongings, student i.d. and the content of their mobile phones.

Too many lives were put at risk in order to get this information out for the world to see. It is therefore with great sadness and disappointment that we inform you that although the videos and images have been posted on thousands of blogs, Facebook walls and on Twitter, to date your organization has failed to cover this important event. We have taken the liberty to include the links to some videos and images taken by these brave students and request that you please report this news and post them on your online web pages without any further delay.

1: http://www.youtube.com/watch?v=xM-xm-huQ5I
2: http://www.youtube.com/watch?v=73usC8IqMf8
3: http://www.youtube.com/watch?v=TzRR1bCvObw
4: http://www.youtube.com/watch?v=Ie_BxZWT4Lo
5: http://www.youtube.com/watch?v=8b8FUKMVtMs
6: http://www.youtube.com/watch?v=MIdVc4G7TH8
7: http://www.youtube.com/watch?v=FVsYPWmqdG8

Link to images of the protest posted by The Green Students at Elm O Sanaat University
http://www.facebook.com/nchevre#!/album.php?aid=181757&id=125056921226&ref=mf

We thank you in advance for your understanding and efficient handling of this matter and look forward to your continued full coverage of the protests in Iran as we approach the important anniversary of the rigged election this June 12th, 2010 (Khordad 22nd 1389).

A number of Green freedom fighting activists

Falls Sie an die deutschen Medien lieber auf Deutsch schreiben möchten, können Sie die folgende Übersetzung verwenden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hunderte mutiger „grüner“ Studenten der Universität Elm-o Sanat in Teheran haben sich gestern, am 2. Juni 2010 vor der Chemiewissenschaftlichen Fakultät versammelt, um ihres vor fast einem Jahr ermordeten Kommilitonen Kianoosh Asa zu gedenken und ihrem Zorn über die repressive Politik der illegitimen Regierung Irans Ausdruck zu verleihen.

Diese mutigen Grünen Studenten, die bei unzähligen Gelegenheiten bedroht wurden, sind große Risiken für ihr Leben eingegangen, um unter den wachsamen Augen des universitätseigenen Sicherheitspersonals, das ebenfalls Videoaufnahmen von dem Protest machte, Videos und Bilder dieser Proteste aufzunehmen und zu verteilen. In uneingeschränkter Zusammenarbeit mit dem Universitätssicherheitsdienst wurden viele von ihnen mehrere Stunden lang von Basijis festgehalten, die sie nicht nur bedrohten, sondern auch ihre persönlichen Habseligkeiten durchsuchten, und ihre Studentenausweise und den Inhalt ihrer Mobiltelefone kontrollierten.

Zu viele Leben wurden riskiert, um diese Informationen nach außen und der Welt zur Kenntnis zu bringen. Mit großer Enttäuschung mussten wir jedoch feststellen, dass das auf tausenden von Blogs, auf Facebook-Seiten und auf Twitter veröffentlichte Material bisher von Ihnen noch nicht für eine Berichterstattung über dieses wichtige Ereignis aufgegriffen wurde.

Wir haben die Links zu einigen der Videos und Fotos beigefügt und bitten darum, unverzüglich auf Ihren Webseiten über diese Proteste zu berichten.

1: http://www.youtube.com/watch?v=xM-xm-huQ5I
2: http://www.youtube.com/watch?v=73usC8IqMf8
3: http://www.youtube.com/watch?v=TzRR1bCvObw
4: http://www.youtube.com/watch?v=Ie_BxZWT4Lo
5: http://www.youtube.com/watch?v=8b8FUKMVtMs
6: http://www.youtube.com/watch?v=MIdVc4G7TH8
7: http://www.youtube.com/watch?v=FVsYPWmqdG8

Bilder des Protests, veröffentlicht von den „grünen“ Studenten der Universität Elm-o Sanat:
http://www.facebook.com/nchevre#!/album.php?aid=181757&id=125056921226&ref=mf

Wir danken Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis und ihr effizientes Vorgehen in dieser Sache und freuen uns mit Blick auf den wichtigen Jahrestag der Wahlfälschung am 12. Juni auf Ihre anhaltende und vollständige Berichterstattung über die Proteste im Iran.

Mit freundlichen Grüßen,

Danke an Negar Irani und Dustandtrash

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Jaras-Interview mit dem Vater des Kahrizak-Opfers Mohammad Kamrani

Veröffentlicht bei Kalemeh am 13. Khordaad 1389 (3. Juni 2010)
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen vom Übersetzer

„Kahrizak ist ein schmerzvoller, aber auch historischer Fall in Irans Geschichte, und so lange die Schuldigen, diejenigen, die den Befehl zum Mord gegeben haben, nicht ihre Strafe bekommen, werden wir nicht zur Ruhe kommen. Deswegen rufe ich laut, damit die ganze Welt hört, dass mein Mohammad nicht einmal alt genug war, um wählen zu dürfen. Aber die Zivilagenten haben ihn verhaftet und gnadenlos geschlagen. Dann haben sie das Kind, das hohes Fieber hatte und im Koma lag, im Krankenhaus mit Ketten ans Bett gekettet, und beim Transport ins Mehr-Krankenhaus starb er.“

Mohammad Kamrani (Foto eingefügt von Julias Blog)

Dies sind die Worte Ali Kamranis, des Vaters von Mohammad Kamrani, dem 18jährigen Jungen, der am 18. Tir 1388 (9. Juli 2009) nach der Präsidentschaftswahl auf der Damaskus-Straße in Teheran von Zivilkräften verhaftet wurde und nach langer Folter im Gefängnis ins Krankenhaus gebracht wurde. Aber die Verletzungen waren so schwer, dass er im Koma starb, ohne sich von seinen Eltern verabschieden zu können.

Die Familien von Amir Javadi Far und Mohamad Kamrani, zwei der in der Haftanstalt Kahrizak ermordeten Gefangenen jungen Männer, sagten [der Webseite] Jaras gegenüber: „Die Hauptschuldigen im Fall Kahrizak sind die Richter, die den Befehl zur Verlegung der Verhafteten in diese illegale Haftanstalt gegeben haben.“

Mohammad Kamranis Vater sagt: „Nachdem ich von der Katastrophe erfahren hatte, habe ich in einem Brief an [den damaligen Justizchef] Hashemi Shahroudi Saeed Mortazavi als Haptschuldigen bezeichnet, weil er den Verlegungsbefehl gegeben hat.“

Denselben Brief hatte er auch an Ayatollah Khamenei geschrieben. Khamenei hatte darunter geschrieben, dass die Täter vor Gericht gestellt werden müssen.

Es folgt das Interview, das Jaras mit Ali Kamrani über den Fall Kahrizak den Fall seines Sohnes geführt hat.

Jaras:Herr Kamrani, das einzige Gericht, das den Mord an den Teilnehmern der Proteste nach der Wahl prüft, ist das Gericht für den Fall Kahrizak. Haben Sie Hoffnung, dass der Fall fair behandelt wird? Die Regierung hat diese Katastrophe ebenfalls entsprechend verurteilt.

Kamrani:Sie haben uns gesagt, dass das Urteil am Ende dieser Woche bekannt gegeben wird. Wir warten nun. Bei dem Prozess waren nur die anwesend, die die Befehle ausgeführt haben, die Auftraggeber waren nicht dort. Sie müssen auch vor Gericht gestellt werden. Diejengen, die den Befehl gegeben haben, Mohammad und seine Freunde nach Kahrizak zu verlegen. Diejenigen, die die Katastrophe aus der Nähe beobachtet haben. Mit ihnen muss man sich eingehend befassen, sie müssen vor Gericht stehen.

Jaras: Auf jeden Fall hat das islamische Parlament Saeed Mortazavi als den Richter genannt, der die Verlegung befohlen hat. Haben Sie Ihre Forderung, dass die für die Befehle Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden sollen, auch offiziell vorgelegt?

Kamrani: Ja, ich habe als ein Bürger einen Brief an Hashemi Shahroudi geschrieben, in dem ich den Namen Mortazavis auch genannt habe. Mohammads Akte bei der Justiz ist 80 Seiten stark, und sie wissen genau, was ich verlange. Ich bin auch einmal mit Ayatollah Khamenei zusammengetroffen, und er hat unter meinem Brief geschrieben, dass die, die an Mohammads Tod Schuld sind, vor Gericht gestellt werden sollen.

Jaras: Aber Herr Kamrani, wie Sie wissen, hat der Teheraner Generalstaatsanwalt damals in einem Brief an Justitzschef Larijani Kahrizak als ein legales Gefängnis bezeichnet und auch geschrieben, dass die Verlegung legal und notwendig war. Er ist jetzt Stellvertreter des Generalstaatsanwalts des Landes.

Kamrani: Der Fall Mortazavi wurde von vielen Seiten scharf kritisiert, auch von manchen Parlamentsabgeordneten. Was wir sagen ist klar: Die Verdächtigen sollen mindestens einmal verhört werden. Wir haben nichts gegen sie persönlich. Wir wollen nur, dass solche Katastrophen nie wieder passieren. So etwas darf nicht einmal einem wilden Tier widerfahren.

Jaras: Herr Kamrani, die Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt. Was wurde vor Gericht gesagt, was wurde über die Vergewaltigungen und die Folter in Kahrizak gesagt?

Kamrani: Gott weiß, was mit uns los war, nachdem wir die Aussagen der Augenzeugen gehört hatten. Ich, Mohammads Mutter und seine drei Geschwister konnten in der Nacht nach der ersten Verhandlung nicht schlafen. Ich war wie verrückt, nachdem ich gehört habe, was passiert war. Alle bei uns zu Hause haben bis zum Morgengrauen geweint, nachdem wir begriffen hatten, was Mohammad erlebt hat. Ich bedanke mich herzlich bei dem Richter. Er hatte die Verdächtigen und Augenzeugen sehr gut und genau verhört.

Aber ich frage mich, warum die Aufnahmen von der Verhandlung nicht gezeigt werden. So würden alle wissen, was ihre Kinder dort erlebt haben. Der Richter hat trotz des ganzen Drucks die ganze Verhandlung sehr mutig und genau geführt. Ich verstehe nicht, warum die Verhandlung hinter geschlossenen Türen ablaufen musste. Man hat uns gesagt, es wäre sonst für die Regierung von Vorteil.

Jaras: Welche Themen wurden von dem Richter angesprochen?

Kamrani: Der Richter war sehr kompetent und wirklich extrem genau. Die Verdächtigen haben immer alles bestritten. Die Akte war insgesamt über 3000 Seiten stark, und er hat die Widersprüche in den Aussagen wirklich sehr geschickt aufgezeigt. Es gibt Videoaufnahmen von dem, was in Kahrizak passiert ist, und er hatte sie alle gesehen.

Jaras: Am 18. Tir sind auch viele Studenten verhaftet und von den Zivilagenten geschlagen worden. Trifft das auch auf Mohammad zu?

Kamrani: Mohammad wollte mit einem Freund zusammen lernen und sich auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten. Er war ja noch nicht einmal volljährig und konnte nicht an der Wahl teilnehmen. Niemand weiß, warum er verhaftet wurde. Mohammad war im Gymnasium, als die Mörder in Zivil ihn festgenommen haben. Wenn sie nicht wollten, dass die Menschen auf die Straßen kommen, warum haben sie dann keine Sperrstunde verhängt?

Jaras: Was hat Sie in dieser Zeit am meisten getröstet?

Kamrani: Meine Frau ist depressiv geworden, wir alle sind depressiv. Wenn ich seine Augen vor mir sehe, werde ich verrückt. Dass alle, die daran beteiligt waren, rechtmäßig verurteilt werden und so etwas in diesem Land nie wieder passieren kann, ist für mich eine Art Trost.
Warum sagt niemand, wer diese Zivilagenten sind? Woher bekommen sie ihre Befehle?
Die Zivilagenten tun alles, was sie wollen, und wenn die Behörden dazu gefragt werden, sagen sie dass die Täter das im Alleingang gemacht haben.

Jaras: Manche Kläger haben ihre Anklage zurückgezogen. Wissen sie etwas darüber?

Kamrani: Ja, manche haben das getan, weil sie sich nicht sicher und bedroht fühlten. Sie hatten Angst. In den ersten Tagen haben die Behörden viel Druck auf uns ausgeübt, damit wir unsere Anklage auch zurücknehmen. Aber Gott sei Dank sind nach vielen Diskussionen auch Familien von anderen Verhafteten mit uns vor Gericht gezogen.

Jaras: Manchen Familien wurde vorgeschlagen, dass sie das Blutgeld von der Regierung akzptieren und die Anklage zurückziehen.

Kamrani: Sie trauen sich nicht, uns so etwas vorzuschlagen. Was soll das Geld? ich habe mein Kind verloren, und ich möchte, dass die Täter bestraft werden…

Jaras: Wie haben Sie Mohammad das letzte Mal gesehen? Was ist Ihr letztes Wort?

Kamrani: Mohammad war im Loghman-Krankenhaus. Er war bewusstlos und hatte sehr hohes Fieber, er lag im Koma. Aber trotzdem hatten sie ihn ans Bett gekettet. Warum muss ein so krankes Kind angekettet werden? Wir haben ihn ins Mehr-Krankenhaus gebracht, aber es war schon zu spät…

Übersetzung aus dem Persischen: Hadi, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Fars News fälscht Brief eines studentischen Aktivisten

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 3. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/06/fars-news-fabrication/
Referenziert von Green Voice of Freedom

In einem beispiellosen Schritt hat die Nachrichtenagentur Fars am 1. Juni 2010 ein gefälschtes Rücktrittsschreiben des Sekretärs der Kulturkommisson der Studentenorganisation Dafter-e Tahkim-e Vahdat, Morteza Semyari, veröffentlicht. In einem Interview mit der Organisation International Campaign for Human Rights in Iran [ICHRI] sagte ein Freund Semiyaris, der Brief sei von der Nachrichtenagentur Fars verfasst worden, und Semiyari habe ihn auf der Webseite von Fars das erste Mal gesehen. Den Angaben des studentischen Aktivisten zufolge haben die Geheimdienstbehörden unbegrenzten Zugang zu Fars und haben den von Verhörbeamten verfassten Brief [dort] veröffentlicht. Verhörbeamte von Inhaftierten haben Maßnahmen ergriffen, um Inhaftierte davon abzuhalten, Inhalte des Briefes zu dementieren.

Bei dieser Methode des „umgekehrten Geständnisses“ gibt es keinen Gestehenden. Da erzwungene Geständnisse mittlerweile seltener geworden sind, sind Verhörbeamte dazu übergegangen, die gewünschten Geständnisse selbst zu verfassen und zu veröffentlichen. Mit Einschüchterungen und Drohungen werden die Gefangenen dann davon abgehalten, Inhalte ihres „Geständnisses“ zu dementieren. Morteza Semyari ist unter immensen Druck gesetzt worden, damit er nicht bestreitet, von dem Brief Kenntnis zu haben. Unter Haftandrohung hatte Semyari gesagt, er werde den Brief dementieren.

In den letzten Jahren ist Fars in ihrer Eigenschaft als Pressestelle von Sicherheits- und Geheimdienstkreisen als Quelle erzwungener Geständnisse bekannt geworden. In mehreren Fällen hatten Verhörbeamte politische Gefangene angewiesen, sich mit Fars News in Verbindung zu setzen, um ihre Geständnisse veröffentlichen zu lassen. Einige „Reporter“ dieser Nachrichtenagentur gelten als Geheimdienstbeamte und waren bei bestimmten Verhören zugegen. Dieser neueste Schritt der Nachrichtenagentur Fars News zeigt, wie die Medien zum Zweck der Einschüchterung und Schmähung von Personen benutzt werden, die sich weigern, die illegalen Forderungen ihrer Befrager zu erfüllen.

In dem von Fars News stammenden Artikel mit der Überschrift „Mitglied der illegalen Allameh-Gruppe gibt seine Trennung von der Organisation formal bekannt“ heißt es:

„Nach dem illegalen Austritt von Mohammad Sadeghi, einem Mitglied des Zentralrats der Organisation Advar-e Tahkim, und seinem Aufenthalt in einer Basis der PJAK in der Türkei, hat Morteza Semyari, der Sekretär der Sozialeinheit der illegalen Allameh-Gruppe formal seine Trennung von dieser Organisation bekannt gegeben.“

Der „Universitäts-Reporter“ der Nachrichtenagentur wird in dem Bericht zitiert. In der gefälschten Story heißt es, die Gründe für Semiyaris Ausstieg seien „eine beratende Sitzung mit der Partei Etemad Melli [Partei Mehdi Karroubis, d. Übers.] sowie Versammlungen in revolutionsfeindlichen Kreisen“, „Nichteinhaltung der internen Richtlinien zur Befolgung und Erhaltund der revolutionären Errungenschaften des Imam (Khomeini) und des Obersten Führers gegen verwestlichtes Denken, manifestiert vor allem durch die US-Regierung bei der Berliner Konferenz, die Europäische Union und den US-Kongress“ *) sowie „Abweichung von Gedanken und Idealen, Durchdringung liberaler und marxistischer Gruppen und Unterwerfung unter revolutionsfeindliche Gruppen innerhalb und außerhalb des Landes“.
*) Anm. d. Übers: Die Formulierungen des vorangegangenen Absatzes sind in der englischen Quelle stellenweise unklar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Wiedergabe im Deutschen stark vom Inhalt des persischen Originals abweicht.

Es folgt ein Interview, das ICHRI mit einem Freund des studentischen Aktivisten Morteza Semyari führte.

ICHRI: Wissen Sie als studentischer Aktivist, ob der auf der Webseite der Nachrichtenagentur Fars News veröffentlichte Brief von Morteza Semyari veröffentlicht wurde, authentisch ist oder nicht?

Ich habe gestern mit ihm gesprochen, und er wusste überhaupt nichts von dem Brief. Er dementierte seinen Austritt aus Dafter-e Tahkim-e Vahdat. Sein E-Mail-Account war nach seiner Verhaftung im Dezember gehackt worden und wird jetzt von anderen Leuten kontrolliert. Leider wurde er in seiner Haft unter großen Druck gesetzt, damit er nach seiner Freilassung keine Interviews gibt und kein von den Sicherheitsorganisationen diktiertes Material veröffentlicht. Bisher hat er sich geweigert, das zu akzeptieren. Er wurde gestern zu Hause von einer Sicherheitsorganisation kontaktiert. Sie sagten ihm, dass sie sein Rücktrittsschreiben veröffentlicht und unter seiner E-Mail-Adresse an seine Freunde verschickt haben. So erfuhr er von der Veröffentlichung des Schreibens.

ICHRI: Hat er vor, den Fars-Artikel zu dementieren?
Er arbeitet gerade an einem Statement, mit dem er den Brief dementieren will. Er wird ihn an Fars News schicken, und laut Pressegesetz sind sie verpflichtet, den Brief zu veröffentlichen. Semiyari wurde damit gedroht, dass er wieder in Haft genommen wird, wenn er den Brief dementiert. Trotzdem hat er sich entschlossen, ein offizielles Schreiben an Fars News zu schicken.

ICHRI: In Anbetracht der Tatsache, dass die Veröffentlichung eines solchen gefälschten Briefs ein Dementi nach sich ziehen kann – was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass er veröffentlicht wurde? Hatten die Verantwortlichen vorher mit Herrn Semyari darüber gesprochen?

Sehen Sie, man muss den unerträglichen Druck bedenken, unter dem er und seine Familie in den letzten Monaten standen. Sicherheitsleute drohten ihm mit langjährigen Haftstrafen, damit er die Nachricht nicht dementiert. Herr Semyari hat erst von dem Brief erfahren, als er ihn auf der Webseite von Fars News las.

ICHRI: Wie steht es um die anderen Studenten im Gefängnis? Werden sie auf dieselbe Weise unter Druck gesetzt?

Ja, vor allem jetzt, kurz vor dem 12. Juni. Nicht nur die Studenten, alle Inhaftierten und alle, die gegen hohe Kautionen freigelassen wurden, werden unter Druck gesetzt, damit sie die von ihren Befragern aufgezwungenen Statements in den Regierungsmedien nicht dementieren.

ICHRI: Sie meinen, man ist von den traditionellen erzwungenen Geständnissen abgerückt und veröffentlicht die Geständnisse jetzt und setzt die Menschen unter Druck, damit sie sie nicht dementieren?

Ja, das ist die neue Methode. Natürlich werden auch die alten Methoden weiter angewendet. Aber die, die dem Druck standhalten, werden mit solchen schmutzigen Tricks behandelt. Nachdem dieser Text bei Fars veröffentlicht wurde, hat sich Semyaris Gesundheitszustand so sehr verschlechtert, dass er zwei Mal ins Krankenhaus musste.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Iranische Reformgruppen beantragen Demonstrationserlaubnis

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 3. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/06/iranian-reformist-groups.html

Brief an das Innenministerium

Acht iranische Reformorganisationen haben in einem gemeinsamen Brief das Innenministerium zur Erteilung einer Demonstrationsgenehmigung für den Jahrestag der umstrittenen Wahlen vom vergangenen Jahr aufgerufen.

Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi, die beiden Präsidentschaftskandidaten der letzten Wahl, die die Wahl anfechten, haben am Montag ebenfalls gemeinsam eine Genehmigung beantragt.

Wie Parleman News berichtet, berufen sich die acht Organisationen (Islamic Iran Participation Front, Mujahedin der Islamischen Revolution, Gesellschaft der Islamischen Universitäts-Alumnis Irans, Gesellschaft der ehemaligen Parlamentarier Irans, Islamische Vereinigung der iranischen medizinischen Gesellschaft, Vereinigung der Journalistinnen, Partei des Volkswillens und Imam’s Path Forces) bei ihrer Forderung nach der Ausstellung einer Demonstrationserlaubnis durch die Behörden auf Artikel 27 der Verfassung.

Der Brief ging auch an den Gouverneur von Teheran, dessen Büro ihn aber unter dem Hinweis zurückwies, dass es lediglich für Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen Genehmigungen erteilen dürfe.

Die Reformorganisationen planen die Demonstrationen eigenen Angaben zufolge vom Imam-Hussein-Platz bis zum Azadi-Platz.

Die Präsidentschaftswahlen von 2009 hatten verbreitete Proteste und Unruhen im Iran ausgelöst, nachdem Mahmoud Ahmadinejads Gegner erklärt hatten, dass die Wahl gefälscht sei. Die beiden Kandidaten Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi sprechen der aus den Juni-Wahlen hervorgegangenen Regierung weiterhin jede Legitimität ab und haben sich entschlossen gezeigt, sie mit allen rechtmäßigen Mitteln zu bekämpfen.

Artikle 27 der iranischen Verfassung lässt Versammlungen und Demonstrationen zu, so lange sie die Prinzipien der Islamischen Republik nicht verletzen und die Demonstranten unbewaffnet sind.

Auf mehreren Webseiten anderer iranischer Großstädte wurde ebenfalls zu Versammlungen anlässlich des Jahrestages der umstrittenen Wahlen aufgerufen.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Iranische Oppositionsführer vor Teilnahme an Gedenkzeremonie gewarnt

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 3. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/06/iranian-opposition-leader-19.html

Ayatollah Khomeinis Grabstätte

Staatliche Medien der Islamischen Republik haben die Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi vor einer Teilnahme an den Gedenkfeierlichkeiten für den verstorbenen Gründer der Islamischen Republik Ayatollah Khomeini gewarnt.

Wie die Tageszeitung Resalat gestern berichtete, rieten die Berater der beiden Oppositionsführer ihnen davon ab, an der besagten Zeremonie teilzunehmen.

Die regierungstreue Zeitung schreibt: „Ihre Berater haben Karroubi und Moussavi ernsthaft von einer Teilnahme am 4. Juni abgeraten; sie sollten sich nicht in der Nähe von Imam Khomeinis Grab zeigen, denn die Bevölkerung und die Führung sind aufgebracht über ihre gefühllosen [„insensible“] Handlungen. Sollten sie an der Versammlung teilnehmen, werden sie mit Sicherheit mit dem Zorn und dem Widerspruch der Menschen konfrontiert werden.“

Am morgigen Freitag wird der derzeitige Oberste Führer Irans, Ayatollah Khamenei, am Grab Ayatollah Khomeinis das Teheraner Freitagsgebet leiten.

Zuvor soll Mahmoud Ahmadinejad eine Rede halten; der Enkel Ayatollah Khomeinis, Hassan Khomeini, wird die Feierlichkeiten mit einem Grußwort an die Anwesenden eröffnen.

Berichten zufolge sollen im Umkreis der Grabstätte des Günders der Islamischen Republik „aus Sicherheitsgründen für die Feierlichkeiten“ 12 mobile Polizeistationen aufgestellt werden.

Den Behörden zufolge werden zudem Sicherheitshubschrauber im Einsatz sein, um den Verkehr in der Umgebung zu überwachen und die Sicherheit zu gewährleisten.

Normalerweise dauern die Gedenkfeiern an Ayatollah Khomeinis Grab 3 Tage, aber angesichts des zurückliegenden Protestjahrs hat die Regierung die Feierlichkeiten in diesem Jahr aber auf einen Tag reduziert.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben